Ärzte Zeitung online, 20.02.2014

Gesundheitswirtschaft

Branche will "nicht vertrieben" werden

Für eine gute Partnerschaft hat die Industrie bei Vertretern von verschiedenen Ministerien in Berlin geworben. Die kündigen neue Forschungsprojekte, "Pharmadialoge" sowie eine Gesundheitswirtschaftskonferenz an.

BERLIN. Für gute Rahmenbedingungen der Unternehmen hat der Ausschuss für Gesundheitswirtschaft des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) im Gespräch mit politischen Vertretern in Berlin geworben.

Professor Dr. Wolfgang Plischke, Mitglied des Vorstandes der Bayer AG und Vorsitzender des BDI-Ausschusses, appellierte an die Politik, "die Industrie nicht zu vertreiben".

Für Gesundheitsprodukte und -dienstleistungen müsse ein "vernünftiger Rahmen" geschaffen werde, sagte Plischke beim parlamentarischen Abend des Ausschusses. Er forderte vor allem eine steuerliche Förderung der Forschungsvorhaben.

Neue Forschungsschwerpunkte kündigte Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, an: Künftig solle die zunehmende Multimorbidität in der Bevölkerung in den Fokus gerückt werden. Um strategische Überlegungen weiter voranzutreiben, ist für das Frühjahr eine "Nationale Strategiekonferenz" geplant.

Schütte sieht auch in der Medizintechnik ein zentrales Handlungsfeld der Zukunft. Die Innovationen müssten intensiver entlang der "Versorgungskette" entwickelt und stärker mit Kommunikationstechnik verknüpft werden, appellierte er. Das Ministerium wolle sich künftig verstärkt den Herausforderungen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zuwenden.

Den intensiveren Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik will auch Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, vorantreiben. Um den medizinischen Fortschritt gemeinsam zu gestalten, plane das Bundesgesundheitsministerium 2015 einen "Pharmadialog". Dabei sollen Vertreter aus allen Bereichen an einen Tisch gebracht werden.

Obwohl die gesundheitsnahen Dienstleistungen und Produkte dafür sorgen, dass die Konjunktur brummt - schließlich lag die Branche mit einer Wachstumsrate von 3,7 Prozent in 2013 deutlich über den 2,3 Prozent der Gesamtwirtschaft - stehe die Gesundheitswirtschaft nicht in jedem Ministerium ganz oben auf der Prioritätenliste.

Harald Kuhne, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, bestätigte zwar, dass die Gesundheitswirtschaft ein zentraler Leitmarkt sei.

Gleichwohl räumte er ein, dass derzeit die Energiewende Priorität hat: "Das Thema Gesundheit steht aktuell bei unserem Minister nicht an erster Stelle." Allerdings: Für den Herbst ist eine "Gesundheitswirtschaftskonferenz" geplant. (wer)

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