Ärzte Zeitung App, 02.12.2014

Börsenwert

Europäische Pharmabranche hebt ab

Wer vor einem Jahr Aktien großer europäischer Pharmaunternehmen gekauft hat, ist damit bislang überdurchschnittlich gut gefahren. Wovon profitiert die Branche derzeit so stark?

Von Christoph Winnat

Europäische Pharmabranche hebt ab

Roche-Stammsitz in Basel: Der forschende Pharma- und Diagnostikahersteller ist aktuell das europäische Unternehmen mit der höchsten Börsenkapitalisierung.

© Roche

FRANKFURT/MAIN. Forschende Pharmahersteller zählen im europaweiten Vergleich zu den wertvollsten Unternehmen ( nach Marktkapitalisierung).

Und: Während etliche andere große Gesellschaften gegenüber Vorjahr an Börsenwert eingebüßt haben, konnten die Vertreter der Pharma- und Healthcare-Branche erneut Investoren anlocken und damit ihren Börsenwert weiter steigern. Das ist das Resultat einer aktuellen Analyse der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC).

Demnach wird das Ranking der 100 größten börsennotierten europäischen Firmen von Roche angeführt. Anfang November erreichte der Börsenwert des Antikörperspezialisten mit knapp 202 Milliarden Euro einen bis dato neuen Höchststand.

Zum Vergleich: Im Herbst 2008, mitten in der Finanzkrise, brachte es Roche auf 104 Milliarden Euro, Anfang August vorigen Jahres waren es knapp 160 Milliarden Euro.

Auch an zweiter Stelle liegt ein Pharmaunternehmen aus der Schweiz: Novartis mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von rund 200 Milliarden Euro. Weitere Pharmafirmen unter den Top 20 der europäischen Companies nach Börsenwert sind Sanofi (Rang 9), Novo Nordisk (10), Bayer (12), GlaxoSmithKline (13) sowie AstraZeneca (18).

Roche ist die Nummer eins

Am stärksten Boden gut machen konnte im Jahresvergleich die schwedisch-britische AstraZeneca, die sich um 21 Plätze verbesserte. Nachdem zunächst im Frühjahr die Übernahmeofferte Pfizers den Kurs in die Höhe trieb, dürfte Anfang November, zum Zeitpunkt der PwC-Messung die europäische Zulassungsempfehlung für ein neues Krebsmittel die nach dem Pfizer-Rückzug zwischenzeitlich entstandene Kursdelle wieder ausgeglichen haben.

Auch Bayer mit sechs Plätzen besser als im August 2013 und Novo Nordisk mit neun Plätzen vor 2013 konnten sich stark verbessern. Bei dem dänischen Insulinhersteller dürfte nicht zuletzt ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm den Aufwärtstrend in diesem Jahr stabilisiert haben.

Insgesamt habe die Pharma-und Healthcare-Industrie zwischen August 2013 und November dieses Jahres die höchsten Wertzuwächse zu verzeichnen, heißt es in einer PwC-Mitteilung. "Die Marktkapitalisierung nahm in dieser Branche in den Top 100 im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent zu", während sich branchenübergreifend die Bewertung der 100 teuersten europäischen Firmen lediglich um neun Prozent auf 5,7 Billionen Euro erhöhte.

Dabei profitiere die Branche nicht allein von der steigenden Nachfrage einer älter werdenden Bevölkerung nach medizinischen Produkten und Dienstleistungen. Vielmehr trage auch die zunehmende strategische Fokussierung der Unternehmen dazu bei, das Vertrauen der Investoren zu stärken.

Zur Erinnerung: Dieses Jahr hat sich beispielsweise Novartis von seinen Geschäften mit Tierarzneimitteln und Impfstoffen getrennt, seine OTC-Sparte in ein Joint-Venture mit GlaxoSmithKline eingebracht und zudem deren Krebspipeline erworben. Bayer hat sich durch mehrere Akquisitionen im OTC-Geschäft verstärkt und zugleich die Abspaltung seiner Kunststoffsparte via Börsengang angekündigt.

AstraZeneca hat sich im Diabetes-Geschäft neu aufgestellt durch die Übernahme sämtlicher Anteile von Bristol-Myers Squibb (BMS) an einem Joint-Venture.

Deutsche Firmen über Durchschnitt

Das am höchsten börsenkapitalisierte Unternehmen in Deutschland ist laut PwC mit 93 Milliarden Euro (Stand Anfang November) Bayer. Auch im Fall des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns hat sich damit die Marktkapitalisierung seit Herbst 2008 glatt verdoppelt.

Insgesamt habe der Aktienwert der 100 größten börsennotierten Unternehmen mit Konzernsitz in Deutschland zwischen August 2013 und Anfang November dieses Jahres um elf Prozent auf 1,3 Billionen Euro zugenommen.

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