Ärzte Zeitung online, 07.09.2015

Arbitragehandel

Importeure werben für Re-Importe

Die Importquote wackelt - der Verband der Re-Importeure VAD sieht sich veranlasst, mit einer Anzeigenkampagne in der Bundeshauptstadt gegenzusteuern.

MERZIG. Nachdem zuletzt wieder vermehrt Stimmen laut wurden, die Förderung von Parallelimporten durch die sogenannte "Importquote" abzuschaffen, starten Deutschlands große Re-Importeure jetzt eine Gegenoffensive: Von Anfang September bis Anfang Oktober soll mit Plakaten in der Bundeshauptstadt für die Import-Präparate getrommelt werden.

Tenor: Identisches Produkt, niedrigerer Preis. Platzieren will man die Großflächenwerbung nach Mitteilung des Branchenverbandes VAD am Flughafen Tegel, am Bahnhof Friedrichstraße sowie im Regierungsviertel. "Insbesondere vor dem Hintergrund aktuell steigender Arzneimittelausgaben gilt es, die Importförderung als Sparinstrument beizubehalten und gegebenenfalls auszubauen", so der VAD.

Erst kürzlich hatten sich prominente Arzneimittel- und Versorgungsexperten wie BfArM-Präsident Professor Karl Broich oder Dr. Christopher Hermann, Chef der AOK Baden-Württemberg, für eine Abschaffung der Importquote ausgesprochen (wir berichteten). Eine Forderung, die seit geraumer Zeit auch von der Apothekerschaft erhoben wird.

Der Industrie sind die Arbitragehändler seit jeher ein Dorn im Auge, weil sie eine der Kaufkraft in verschiedenen nationalen Märkten angepasste Preispolitik systematisch durchkreuzen. Besonders deutlich wurde das im Zuge der Griechenlandkrise, als nach behördlich veranlassten Preissenkungen der Parallelhandel aus Hellas sprunghaft anstieg.

Die Folge waren massive Lieferengpässe. Berichten zufolge verhängte die griechische Arzneimittelbehörde deswegen sogar ein Exportverbot für über 100 Fertigarzneimittel.

Zur Diskreditierung des Arbitragehandels tragen aber auch sich häufende Medikamenten-Diebstähle in italienischen Kliniken bei. Wiederholt tauchten bereits Chargen der geklauten Ware im deutschen Apothekenmarkt auf. - Brancheninsider versichern unterdessen, dass sich im politischen Berlin immer weniger Befürworter der Importquote finden.

Die Importquote ist Bestandteil des Rahmenvertrages zwischen GKV und Apothekerverband (DAV). Demnach müssen Apotheken fünf Prozent des mit gesetzlichen Kassen erzielten Umsatzes durch Re-Importe decken. (cw)

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