Ärzte Zeitung, 26.10.2015

Plasma-Spezialist Grifols

Alzheimerforschung rückt in den Fokus

Mit einer neuen Fertigung in Dublin forciert Grifols seine Marktaktivitäten in Europa. Demnächst sollen mit Spannung erwartete Daten zur Albumin-Therapie gegen Alzheimer vorgestellt werden.

Von Christoph Winnat

FRANKFURT/MAIN. 75 Jahre nach Firmengründung zählt die katalanische Grifols zu den weltweit größten Anbietern von Plasma-Proteinen. Laut aktuellem Report des US-Forschers Marketing Research Bureau beträgt Grifols‘ Anteil am globalen Blutproduktemarkt 19 Prozent.

Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten inzwischen der regional zweitgrößte Umsatzbringer für die Spanier. 178 Millionen Euro wurden hier zuletzt (2014) erwirtschaftet. Das entspreche einem zweistelligen Zuwachs, versicherte bei einem Hintergrundgespräch in Frankfurt am Main Grifols-Deutschland-Geschäftsführerin Ainhoa Mendizabal.

Seit 1998 ist Grifols mit eigener Gesellschaft im hessischen Langen vertreten. Einen Größen-Sprung machte das Unternehmen hierzulande durch die Übernahme der früheren Bayer-Blutprodukte-Sparte Talecris Biotherapeutics vor vier Jahren. Waren vordem 21 Mitarbeiter bundesweit für Grifols tätig, wurden es nach der Fusion mit Talecris 130.

Im kommenden Jahr sollen dann auch die beiden Grifols-Einheiten in Langen und Frankfurt an einem neuen Frankfurter Standort zusammengelegt werden. Der Umzugstermin sei auf das zweite Halbjahr gelegt, kündigte Landeschefin Mendizabal an.

Neueinstellungen sind geplant

Und die Zeichen stehen auch weiterhin auf Expansion. Neueinstellungen seien sowohl für die Außendienstlinien geplant, die Humanplasma-Proteine bei Kliniken, Fach- und spezialisierten Allgemeinärzten bewerben, als auch für den Diagnostika-Außendienst, der Kliniken, Blutspendedienste und große Laborgemeinschaften besucht.

Insbesondere im Diagnostikageschäft sowie der dritten Konzernsparte, "Hospital", die parenterale Lösungen und Krankenhauslogistik-Systeme wie Blisterautomaten und Isolatoren vermarktet, sieht Mendizabal Wachstumsperspektiven. Derzeit würden noch 93 Prozent des Umsatzes in Deutschland mit der Plasma-Protein-Sparte "Bioscience" erzielt. Zum Vergleich: Konzernweit entfallen auf Immunglobuline 75 Prozent des Jahresumsatzes.

Lieferengpässe seien in dem durch Rohstoffknappheit und geringe Bevorratungsneigung der Handelsstufen geprägten Plasma-Geschäft keine Seltenheit, erläuterte Mendizabal. Daher stelle die aktuelle Inbetriebnahme einer neuen Verpackungsanlage in Dublin - Investitionsvolumen rund 100 Millionen Dollar - auch einen Wettbewerbsvorteil dar. Von Dublin aus sollen künftig alle europäischen Landesgesellschaften mit Fertigware versorgt werden.

Die Anlage könne dazu beitragen, die Produktionskette von der Blutspende bis zur Produktanwendung zu optimieren, zeigte sich Mendizabal überzeugt. Die langwierigen Sicherheitsvorkehrungen bei der Plasmaproduktion ließen sich nicht beschleunigen. Doch zwischen fertiger Bulkware und Marktbelieferung vergingen im Schnitt noch rund vier Monate.

Sie sei zuversichtlich, dass sich diese Zeit jetzt erheblich werde verkürzen lassen. Den Rohstoff gewinnt Grifols in 150 Plasma-Spendezentren in den USA. Pro Jahr kann Grifols auf seinen Anlagen in Amerika und Spanien bis zu maximal 12,5 Millionen Liter Plasma fraktionieren.

Gemessen an der Umsatzbedeutung ist Alpha-1-Antitrypsin für die Spanier das wichtigste Plasma-Erzeugnis. Mit 64 Prozent Marktanteil weltweit ist Grifols der größte Anbieter von Alpha-1-Antitrypsin und nach eigenen Angaben in Deutschland momentan auch noch der Einzige.

Ergebnisse der Alzheimerforschung mit Spannung erwartet

Rund fünf Prozent seines Jahresumsatzes gab der Konzern vergangenes Jahr für Forschung und Entwicklung aus. Ein F&E-Schwerpunkt ist Alzheimer. Voraussichtlich im November sollen erste Zwischenresultate einer Phase III-Studie (AMBAR, "Alzheimer Management by Albumin Replacement") mit 365 Patienten vorgestellt werden, die an moderater bis mittelschwerer Alzheimerdemenz leiden.

Die Daten zur Albumin-Ersatztherapie werden mit Spannung erwartet. Erst vor zwei Jahren hatte ein Wettbewerber sein Entwicklungsprojekt zum Einsatz von Gammaglobulinen gegen Alzheimer mangels Erfolgschancen eingestellt.

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