Ärzte Zeitung, 30.12.2015

Statistik

9500 Arbeitsunfälle in Kliniken und Heimen

Beschäftigte im Gesundheitswesen scheinen nicht besonders gefährdet für Arbeitsunfälle zu sein - außer sie arbeiten in Kliniken und Heimen in öffentlicher Trägerschaft. Das zeigt die neue Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Von Matthias Wallenfels

9500 Arbeitsunfälle in Kliniken und Heimen

Meldepflichtig sind Arbeitsunfälle, wenn sie zu einer mindestens dreitägigen Arbeitsunfähigkeit führen.

© Halfpoint / fotolia.com

BERLIN. Auf Vertreter des Handwerks und verwandter Berufe entfiel im vergangenen Jahr mit 276.895 Fällen (35,8 Prozent) der größte Teil der meldepflichtigen Arbeitsunfälle im Bereich Betriebe.

Die Straßenverkehrsunfälle dieser Gruppe sind dabei nicht berücksichtigt. Mit 108 tödlichen Arbeitsunfällen (36,9 Prozent) führte diese Berufsgruppe auch in dieser Kategorie.

 Das geht aus der neuen bereinigten Statistik zum Arbeitsunfallgeschehen 2014 des Spitzenverbandes der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hervor.

An zweiter Stelle bei den meldepflichtigen Unfällen in Betrieben stehen Hilfskräfte mit 116.064 Fällen, was einem Anteil von 15 Prozent entspricht. Bei den tödlichen Arbeitsunfällen kommt diese Gruppe mit 49 Fällen (16,7 Prozent) ebenfalls auf Platz zwei.

An dritter Stelle folgen mit 121.702 meldepflichtigen Unfällen Vertreter der Dienstleistungsberufe, Verkäufer in Geschäften und auf Märkten. Bei den tödlichen Arbeitsunfällen kommen diese mit 23 Fällen (7,8 Prozent) ebenfalls auf den dritten Platz.

Wie aus der Statistik hervorgeht, ereigneten sich in Krankenhäusern im vergangenen Jahr insgesamt 8246 meldepflichtige Arbeitsunfälle, in Alten- und Pflegeheimen 1352.

In der allgemeinen Unfallversicherung sind Arbeits- und Wegeunfälle meldepflichtig, wenn sie zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder zum Tode der betreffenden Person führen.

Die Meldung eines Unfalls erfolgt über die Unfallanzeige, die ein Unternehmer innerhalb von drei Tagen abzugeben hat. Sofern die Voraussetzungen vorliegen, werden auch Anzeigen von Verletzten, Krankenkassen oder Durchgangs-Ärzten bei den meldepflichtigen Unfällen erfasst.

Arbeiten wird immer sicherer

Wie bereits im Juli berichtet, ist die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle 2014 mit insgesamt 869.817 gegenüber Vorjahr um 4697 Fälle (0,54 Prozent) zurückgegangen. Das Arbeiten in Deutschland wird immer sicherer, wie aus den Zahlen hervorgeht.

So sank das Unfallrisiko am Arbeitsplatz im vergangenen Jahr gegenüber 2013 noch einmal um ein Prozent auf rund 22,3 meldepflichtige Arbeitsunfälle je 1000 Vollarbeiter. 1986 habe der Wert noch bei 52,33 gelegen.

Im öffentlichen Dienst sind es nach DGUV-Angaben vor allem Berufe aus dem Dienstleistungsbereich, die zum Unfallgeschehen beitragen. An erster Stelle stehen Unfälle von Sicherheitskräften. Dabei handle es sich überwiegend um Unfälle von Versicherten der freiwilligen Feuerwehren.

Im Weiteren werden Unfälle aus dem Bereich der im Gesundheitsdienst Tätigen gemeldet. Zu den Häufigsten gehörten hier 2014 Krankenschwestern/-pfleger mit 5200 Unfällen und medizinisches Fachpersonal wie medizinisch technische Assistenten (500 Unfälle) sowie Sanitäter/Rettungsassistenten (1900 Unfälle).

Ärzte im öffentlichen Dienst verunfallen kaum

Ärzte sind dagegen nicht unter den häufigsten Berufen zu finden. Diese nehmen mit rund 600 Unfällen nur eine nachgeordnete Rolle ein. In der Gruppe der Pflege- und verwandten Berufe finden sich insbesondere Kindergärtner und Kinderbetreuer mit rund 3800 Unfällen wieder.

Weiter zu nennen sind Altenpfleger mit fast 1000 Unfällen sowie sonstige Pflegekräfte in der Heim- und Familienpflege mit rund 200 Unfällen.

Bei der Betrachtung der Altersgruppen 15 bis 65 Jahre zeigt sich, dass 2014 mit 103.089 die meisten meldepflichtigen Arbeitsunfälle (12,3 Prozent) auf Beschäftigte im Alter zwischen 45 und 50 entfielen, gefolgt von der Gruppe der 50- bis 55-Jährigen mit 102.690 Fällen (12,2 Prozent) und den 20- bis 25-Jährigen mit 100.586 Fällen (12 Prozent). Am wenigsten meldepflichtige Arbeitsunfälle traten mit 42.290 Fällen (5 Prozent) bei den 15- bis 20-jährigen Beschäftigten auf.

Bei der geschlechtsspezifischen Betrachtung zeigt sich ganz deutlich, dass Frauen entweder umsichtiger arbeiten und/oder an Arbeitsplätzen mit weniger Gefahrenpotenzial beschäftigt sind.

Ihr Anteil an den meldepflichtigen Unfällen lag 2014 mit 223.427 Fällen bei 26,6 Prozent. Bei der Verteilung der Wegeunfälle ohne Straßenverkehrsbeteiligung hingegen kamen die Frauen mit 36.896 Fällen auf einen Anteil von 57,7 Prozent.

Auf die einzelnen Monate aufgeschlüsselt, war der Juli 2014 mit 80.718 meldepflichtigen Unfällen (9,6 Prozent) Spitzenreiter, gefolgt vom September (78.022 Fälle/9,3 Prozent) und dem Oktober mit 77.006 Fällen (9,2 Prozent). Schlusslicht war der Dezember mit 56.545 Fällen (6,7 Prozent).

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