Ärzte Zeitung, 21.01.2016

Studie

Deutsche Chefetage ist regelmäßig beim Arzt

Manager halten sich bei Check-up-Untersuchungen an regelmäßige Intervalle, wie eine Studie zeigt. Allerdings gehen viele selbst krank zur Arbeit und setzen sich zusätzlich mit Dauererreichbarkeit Stress aus.

Von Marco Hübner

Deutsche Chefetage ist regelmäßig beim Arzt

Ärzte können beim Check-up mit Managern über deren individuelle Gesundheitsrisiken sprechen.

© endostock / fotolia.com

HAMBURG. In den Führungsetagen Deutschlands herrschen überwiegend gesundheitsbewusste Verhaltensweisen vor. Das ist das Ergebnis einer Studie des Diagnostik Zentrums Fleetinsel Hamburg (DZF) zusammen mit dem Marktforschungsinstitut TNS Emnid.

Das Zentrum zählt sich mit seinem Check-up-Aufkommen zu den führenden Zentren im Bereich Präventivmedizin in Deutschland. Für ihr Stimmungsbarometer haben die Forscher nach eigenen Angaben insgesamt 300 Geschäftsführer und hochrangige Manager befragt.

"Was man feststellen kann in den letzten Jahren: In der Gesellschaft hat sich ein Wertewandel vollzogen", erläutert Dr. Tomas Stein, der ärztliche Direktor im DZF, das Studienresultat.

Der Studie zufolge isst die große Mehrheit, nämlich 86 Prozent, regelmäßig Obst, Gemüse und Fisch, 77 Prozent verzichten während der Woche auf Alkohol, 73 Prozent gehen regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen und 65 Prozent zu Rundum-Gesundheits-Checks.

Darüber hinaus bleibe die Mehrheit der Befragten Tabak fern (64 Prozent) und treibe zwei Mal oder öfter pro Woche Sport (58 Prozent).

Nur 57 Prozent lassen sich impfen

"Lifestyle ist zum Healthstyle geworden, auch bei unseren Kunden erkenne ich, dass eine gesunde Lebensweise gerade bei Menschen, die hochrangige Posten besetzen, immer bedeutsamer wird", so Stein. Das sei auch wichtig, denn nur, wer gesund lebe, könne auch langfristig leistungsfähig im Beruf bleiben.

Dass sich nur 57 Prozent regelmäßig impfen lassen, ist für Stein jedoch inakzeptabel: "So viele Krankheiten wurden durch Impfprogramme ausgerottet. Wer es heutzutage versäumt, sich impfen zu lassen, handelt verantwortungslos."

Die Studie offenbart auch bei einem anderen Thema gewisse Mankos: 48 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen gehen ganz normal zur Arbeit, wenn sie sich wegen einer Erkältung oder Grippe angeschlagen fühlen.

Bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind es sogar insgesamt 62 Prozent. Nur jeder Fünfte kuriert sich zu Hause aus und arbeitet nicht.

Den Studienergebnissen nach zu urteilen, ist es Frauen offensichtlich bewusster, wie gesundheitsgefährdend das "normale Arbeiten" sein kann, denn 24 Prozent bleiben zu Hause, wohingegen nur 16 Prozent der Männer das tun. "Nicht nur, dass sie gerade in der fiebrigen Phase hochansteckend sind, auch selbst setzt man sich erhöhten Risiken aus", kritisiert Stein.

Erst einmal zum Arzt gehen 21 Prozent der Männer und nur 16 Prozent der Frauen. Und - Überraschung - nur vier Prozent machen trotz Erkrankung Home Office.

Glücklich in Beruf und Familie

Auch das Thema Dauererreichbarkeit wurde von den Studienautoren abgeklopft: Unter den Befragten gaben 27 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen an, 24 Stunden am Tag für berufliche Angelegenheiten erreichbar zu sein. Männer setzen sich nach Interpretation der Forscher anscheinend konsequenter für den Schutz ihrer Freiräume ein.

"Diese Entwicklung ist mit ein Grund - das sehe ich auch in meinem Berufsalltag bei den Check-up-Teilnehmern -, dass stressbedingte Krankheiten ansteigen.", so Stein. Insgesamt zeigt die Studie: Trotz hohen Stresslevels, fast dauerhafter Erreichbarkeit und wenig Zeit für die Familie sind drei Viertel der Befragten im Berufs- und Privatleben gleichermaßen glücklich.

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Live bei der Eröffnung des Ärztetags

Großer Eröffnungsakt, GOÄ-Reform und Versorgung der Flüchtlinge: Heute beginnt der Ärztetag in Hamburg. Erleben Sie die Eröffnung mit - mit unserem Live-Ticker via Twitter! Und schauen Sie sich an, was BÄK-Präsident Montgomery der "Ärzte Zeitung" vorab im Video-Interview sagte. mehr »

KBV-VV gibt nach

Die KBV beugt sich dem Druck des Gesundheitsministers. Auf der VV gefasste Beschlüsse sollen die staatliche Zwangsverwaltung verhindern. Zudem beschließt sie das Programm "KBV 2020" und eine Förderung junger Ärzte von bis zu 5300 Euro im Monat. mehr »

Wunschkatalog für ambulante Versorgung

Mit "KBV 2020" will die Spitzenorganisation der Vertragsärzte beschreiben, wie moderne Versorgung aussehen kann. Ihren Wunschkatalog hat die KBV-VV verabschiedet. Im Video-Interview mit der "Ärzte Zeitung" äußerte sich KBV-Chef Gassen zur drohenden Zwangsverwaltung. mehr »