Ärzte Zeitung, 19.02.2016

Tumoranalyse

Roche kündigt Markteinstieg in Deutschland an

Roche Deutschland will sich stärker in Sachen Therapieoptimierung engagieren. Erste Beispiele: Individuelle Tumorprofilierung durch das Partnerunternehmen Foundation Medicine und ein IV-Vertrag mit der AOK Hessen zur Diabetikerversorgung.

Von Christoph Winnat

Roche kündigt Markteinstieg in Deutschland an

Gensequenzierung bei Roche: Auch in Deutschland will Roche künftig Wissen zur Therapieoptimierung vermarkten.

© ROCHE

FRANKFURT/MAIN. Mitte Januar vorigen Jahres beteiligte sich Roche mit 56 Prozent an der börsennotierten Foundation Medicine (FMI). Das in Cambridge, Massachusetts, ansässige Unternehmen hat sich auf die molekulare Charakterisierung von Tumorgewebe spezialisiert hat. Operativ agiert FMI aber weiterhin eigenständig.

Nun sollen deren Dienstleistungen auch in Europa vermarktet werden. Premiere dafür wird in den kommenden Monaten in Deutschland sein, kündigte Roche-Holding-Chef Dr. Hagen Pfundner bei einem Pressegespräch am Mittwoch in Frankfurt an. FMI bestimme das individuelle Tumorprofil und gleiche es mit bereits zugelassenen oder aber noch im Entwicklungsstadium befindlichen Therapiestrategien ab. Roche wolle dieses Angebot über seinen Außendienst bewerben, erklärte Pfundner.

Man denke darüber nach, so Pfundner weiter, aus dem Thema datengestützte Therapieoptimierung ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Diagnostische Informationen wie die von FMI könnten um klinische Studiendaten und Real-Life-Daten aus dem Versorgungsalltag angereichert werden. Das sei allerdings noch Zukunftsmusik, da die gesetzlichen Krankenkassen - anders als etwa die Kostenträger in den USA - noch nicht bereit seien, dafür Geld auszugeben.

Auch die seit Jahresbeginn unter eigener Regie firmierende Vertriebslinie "Diabetes Care" setzt auf Patientennähe. Mit der AOK Hessen wurde nach Ausschreibungsgewinn im Herbst ein auf vier Jahre angelegter IV-Vertrag zum personalisierten Diabetes-Management für insulinpflichtige Diabetiker aufgesetzt, der jetzt allmählich in Fahrt kommen soll.

Momentan sei man dabei, Hausärzte und Diabetologen für die Teilnahme an dem Programm ("AOK Aktiv & Vital Diabetesmanagement" ) zu gewinnen, so Dr. Oliver Haferbeck, Geschäftsführer der Roche Diabetes Care Deutschland GmbH.

Der Vertrag beinhalte ein strukturiertes Behandlungs-, Kontroll- und Dokumentationsregime. Roche sei für die Schulung der Ärzte zuständig. Dabei profitiere das Unternehmen von der Distribution seiner Selbsttestgeräte der "Accu-Chek"-Serie. Eine weitere Beteiligung an möglichen finanziellen Outcomes des IV-Projekts sei nicht vorgesehen, so Haferbeck.

Die deutschen Roche-Landesgesellschaften haben sich 2015, wie bereits kurz berichtet, ausgesprochen gut entwickelt. Der Umsatz im Geschäft mit Dritten nahm um acht Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu und lag damit deutlich über dem Konzernschnitt von währungsbereinigt plus fünf Prozent. Im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Originalen habe man generischen Wettbewerb - etwa für das Virostatikum Valganciclovir - sowie aufgrund neuer HCV-Therapeutika erodierende Verkäufe von Pagasys® (Peginterferon alfa-2a) überkompensiert.

Die Pharmasparte erwirtschaftete mit 1,7 Milliarden Euro sieben Prozent mehr als im Vorjahr. In der Onkologie und im Klinikmarkt habe Roche seine Marktführerschaft behauptet, so Landesleiter Pfundner. Im Gesamtmarkt halte man sechs Prozent und liege mit der Nummer Eins, Novartis jetzt gleichauf.

Zu den mittelfristig wichtigsten Neueinführungen rechnet Pfundner neben dem Checkpointinhibitor Atezolizumab auch den MS-Antikörper Ocrelizumab, die 2017 den Markt erreichen sollen.

Die europäische Fertigung dieser beiden potenziellen Blockbuster wird voraussichtlich bei Roche in Mannheim angesiedelt sein. Atezolizumab hat von der US-Behörde FDA den Status eines Therapiedurchbruchs gegen Lungen- und Blasenkrebs erhalten, Ocrelizumab erhielt Mitte dieser Woche die "Breakthrough Therapy designation" gegen primär progrediente MS.

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