Ärzte Zeitung, 04.08.2015

KV Westfalen-Lippe

Mehr Transparenz bei digitalen Daten

Über einen gesicherten Web-Zugang sollen die Ärzte etwa erfahren, wie hoch die nächste Abschlagszahlung ist und welche Daten die KV über sie hat.

KÖLN. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) will die Transparenz erhöhen und ihren Mitgliedern einen Einblick verschaffen, welche Informationen die KV über sie hat.

"Wir planen eine Reorganisation unseres Internetportals", sagt KVWL-Vorstand Dr. Thomas Kriedel der "Ärzte Zeitung". Dort sollen die Ärzte und Psychotherapeuten künftig mit einem gesicherten Zugang sehen können, welche Genehmigungen bei der KV hinterlegt sind oder wie hoch die nächste Abschlagszahlung ausfallen wird.

Die Neugestaltung soll in zwei Jahren abgeschlossen sein.

Basis für die Weiterentwicklung ist das neue DataWarehouse der KVWL, das im Mai den Regelbetrieb aufgenommen hat. In den vergangenen drei Jahren hat die KV eine große zentrale Analyse-Datenbank aufgebaut.

Dort sind jetzt alle Informationen gebündelt, die der KVWL über die verschiedenen Aspekte der ambulanten Versorgung vorliegen.

Dabei führen die Spezialisten nicht nur die internen Daten aus Bereichen wie der Abrechnung und der Sicherstellung zusammen, sondern pflegen auch öffentlich verfügbare Informationen ein wie die Krankenhausberichte oder Todesursachenstatistiken.

Statistische Informationen helfen bei der Argumentation

"So erreichen wir die notwendige Informationstiefe", erläutert Kriedel. Das sei insbesondere bei Vertrags- oder Honorarverhandlungen mit den Kassen von Bedeutung.

Die ausführlichen Analysen verbessern die Argumentation der KV, etwa wenn es um die Frage geht, ob niedergelassene Ärzte Patienten zu häufig ins Krankenhaus einweisen.

"Wenn wir keine statistischen Informationen haben, können wir den Behauptungen der Krankenkassen nichts entgegenstellen."

Im Pilotprojekt Polypharmazie in der Gesundheitsregion Siegerland konnte mithilfe des DataWarehouse nachgewiesen werden, dass sich die Verordnungskosten durch einen Medikationscheck deutlich senken lassen.

Das ist eine wichtige Information, wenn die KVWL weitere Krankenkassen von der Übernahme des Vertrags überzeugen will.

Die schnellen und differenzierten Auswertungen über die Datenbank erlaube es den KV-Mitarbeitern auch, die Ärzte noch gezielter zu beraten, sagt der Vorstand. Den Mitgliedern kann künftig genau gezeigt werden, wie viel Honorar sie über den Zeitverlauf mit freien Leistungen generiert haben, und in welchen Bereichen sie Optimierungspotenzial besitzen.

Das DataWarehouse stößt nach Kriedels Angaben bislang auf eine gute Resonanz.

Was Kriedel besonders freut: Die KVWL ist mit dem IT-Großprojekt im Zeitplan geblieben und hat mit Ausgaben von 1,4 Millionen Euro auch das finanzielle Budget nicht überschritten. "Ich bin stolz darauf, dass unsere Mitarbeiter das hinbekommen haben."

Bislang sind für das Projekt drei neue Stellen geschaffen worden, eine weitere wurde umgewidmet. "Wenn weitere große Anforderungen hinzukommen, müssen wir vielleicht aufstocken." (iss)

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