Ärzte Zeitung, 26.02.2012

Zeugnisse für Ärzte fallen gut aus

Ab sofort können 37 Millionen Versicherte ihren Haus- und Fachärzten online ein Zeugnis aus stellen. Bisher vergeben die Patienten gute Bewertungen. Hausärzte schneiden dabei besser ab als Fachärzte.

Von Sunna Gieseke

Patientenzeugnisse für Haus- und Fachärzte fallen gut aus

BERLIN. Gute Beurteilungen für Ärzte: 88 Prozent der Patienten würden "bestimmt" oder "wahrscheinlich" ihren Hausarzt ihrem besten Freund weiterempfehlen.

Das hat die Online-Befragung von AOK, BARMER GEK und vom Projekt Weisse Liste ergeben. Seit dem Start haben die Patienten rund 150.000 Bewertungen abgegeben und ihren Ärzten online ein Zeugnis ausgestellt.

Bei Fachärzten fällt die Beurteilung fast genauso gut aus: 75 Prozent der teilnehmenden Patienten würden ihren Facharzt "bestimmt" oder "wahrscheinlich" weiterempfehlen.

95 Prozent gaben an, ihren Hausarzt wieder aufsuchen zu wollen. Bei Fachärzten sind es 79 Prozent. 91 Prozent fühlen sich von ihrem Hausarzt in medizinische Entscheidungen eingebunden. Bei Fachärzten trifft dies auf 77 Prozent der Patienten zu.

"Erste Auswertungen der bisher vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass unser Portal eine echte Orientierungshilfe bei der Arztsuche bietet. Denn zwischen den einzelnen Ärzten einer Fachgruppe sind erhebliche Unterschiede in der Bewertung festzustellen", sagte AOK-Chef Jürgen Graalmann in Berlin.

Zum Beispiel bei den Orthopäden: Rund 46 Prozent der beurteilten Orthopäden werden von 80 bis 100 Prozent der teilnehmenden Patienten weiterempfohlen.

Rund 32 Prozent erreichten eine Weiterempfehlungsrate zwischen 60 und 80 Prozent, 22 Prozent zwischen 20 und 60 Prozent.

"Die Zufriedenheit mit der Kommunikation eines Arztes ist der wichtigste Faktor für die Weiterempfehlung durch die Patienten", so Graalmann.

Das Portal liefere auch den beurteilten Ärzten wertvolle Hinweise, indem es aufzeige, an welchen Punkten sich die Patienten Verbesserungen wünschten.

Bewusster Verzicht auf Freitext-Kommentare

Die Online-Arztsuche wurde von der "Weissen Liste", einem gemeinsamen Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen, in Kooperation mit der AOK und der BARMER GEK entwickelt.

Ab sofort ist auch die Techniker Krankenkasse (TK) mit an Bord. Damit haben insgesamt 37 Millionen Patienten - mehr als die Hälfte aller GKV-Versicherten - die Chance, ihren Ärzten online ein Zeugnis auszustellen.

"Patienten wollen zunehmend mitentscheiden, wenn es um ihre Gesundheit geht", sagte Karen Walkenhorst, Leiterin des Bereichs Versorgung bei der TK. Daher sei es für sie wichtig zu wissen, in welchen Krankenhäusern und bei welchen Ärzten die Kommunikation mit den Patienten groß geschrieben wird.

"Mit der methodischen Qualität und der Manipulationssicherheit unseres Portals haben wir neue Maßstäbe für Arztbewertungsportale gesetzt", so AOK-Chef Graalmann.

Einzigartig sei vor allem das Registrierungsverfahren, mit dem Mehrfachbewertungen eines Arztes durch einen Patienten verhindert würden. Außerdem verzichteten die Beteiligten auf Freitextfelder zur Eingabe von Patientenkommentaren, sodass eine Diffamierung von Ärzten von vornhinein ausgeschlossen ist.

"Wir wollen einen neuen Standard für die Online-Beurteilung von Medizinern etablieren - aussagekräftig, methodisch hochwertig und fair", sagte Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Das Portal wachse kontinuierlich.

"Alle Krankenkassen sind eingeladen, sich zu beteiligen", betonte Mohn. Die "Ärzte Zeitung" berichtet über die Online-Arztsuche als Medienpartner der AOK, der BARMER GEK und des Projekts Weisse Liste.

[27.02.2012, 07:38:43]
Klaus-Dieter Thill 
Der Verzicht auf Freitexte als neuer Stand in der Arztbewertung - Ein Irrtum
Gerade die Beschreibungen in Freitexten vermitteln wichtige Hintergrundinformationen zu den quantitativen Bewertungen. Die Gefahr, dass es hierbei zu DIffamierungen kommen kann, ist natürlich gegeben, allerdings auch bei der skalierten Bewertung, denn (falsche schlechte) Zahlenwerte können Ärzten und ihrem Ansehen ebenso schaden. Die Reduktion auf eine rein "numerische" Arztbewertung ist eine Simplifizierung und Reduzierung sowie eine Bevormundung des mündigen Patienten, der unter einen "Generalverdacht des Diffamierungsstrebens" gestellt wird. Wer sich einmal intensiv mit den Freitext-Bewertungen in den Portalen privater Anbieter beschäftigt, wird schnell erkennen, wie hilfreich die Kommentare für die Einordnung der Bewertungen ist. Der Verzicht ist kein neuer Standard, sondern ein elementarer Irrtum, der die Qualität der Bewertungen deutlich mindert. zum Beitrag »

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