Erfolgsrezept
Ärzte Zeitung, 21.09.2012

65 Ärzte im ÄGP-Verbund

Getrennt arbeiten - gemeinsam abrechnen

Mit 64 Medizinern verschiedener Fachrichtungen kooperiert Dr. Robert Gilberg im Ärzteverbund für Gesundheit und Prävention (ÄGP). Angeboten werden sowohl IGeL- als auch Privatleistungen.

Von Jonas Tauber

Getrennt arbeiten - gemeinsam abrechnen

Der Hausarzt Dr. Robert Gilberg betreibt eine der 42 dem ÄGP angeschlossenen Praxen.

© Jonas Tauber

KÖLN. Als das Signal am Bildschirm aufblinkt, weiß der Brühler Hausarzt Dr. Robert Gilberg, dass die Untersuchung seiner Patientin beim Orthopäden beendet ist.

Er öffnet ihre Patientenakte und überfliegt den frischen Befund des Kollegen: Der Verdacht auf Schulterarthrose hat sich bestätigt.

Wie mit der Frau besprochen, vereinbart Gilberg einen Termin im Behandlungszentrum des Ärzteverbundes für Gesundheit und Prävention (ÄGP): Eine Stoßwellentherapie soll den starken Schulterschmerzen endlich ein Ende bereiten. Da diese Behandlung keine Kassenleistung ist, bekommt die Frau anschließend eine Rechnung.

Das Besondere: Ein Teil des Rechnungsbetrags geht an den Orthopäden, ein Teil an Gilberg. Die Mediziner der Partnerschaftsgesellschaft ÄGP rechnen Privatleistungen und IGel nämlich gemeinsam ab.

Wer wie viel erhält, hängt davon ab, welchen Anteil seine Arbeit an der Behandlung ausmacht. Als Partner der ÄGP schaffte es der 52-jährige Gilberg auf den vierten Platz des Innovationspreises 2011 von UCB und Springer Medizin, der auch in diesem Jahr wieder ausgeschrieben ist.

Zusammenarbeit mit 64 weiteren Medizinern

Die Praxis Dr. Robert Gilberg

Der Ärzteverbund: Zehn Ärzte aus Wesseling gründeten im Jahr 2005 den Ärzteverbund für Gesundheit und Prävention (ÄGP) mit dem Ziel, die Position der niedergelassenen Ärzte in der Region zu stärken.

Die Praxis Gilberg: Dr. Robert Gilberg stieß 2008 zur ÄGP und ist heute im Lenkungsausschuss, dem zentralen Führungsgremium der Partnerschaftsgesellschaft. Er beschäftigt in seiner Praxis in Brühl zwei Vollzeitmitarbeiterinnen und eine Halbtagskraft. Die Anzahl seiner Kassenpatienten pro Quartal liegt in der Regel zwischen 800 und 910.

Die Leistungen: Gilberg hat sich zum Reisemediziner ausbilden lassen und bietet etwa Impfungen gegen Gelbfieber an. Ein Nebeneffekt seiner Mitgliedschaft bei ÄGP ist, dass seine Zusatzqualifikation in der Region bekannter wurde. "Es sind viele neue Patienten zu mir gekommen. Da hat mir die Kommunikation über das Netzwerk geholfen", sagt er.

www.derhausarzt.de

Der Hausarzt kooperiert in der ÄGP mit 64 anderen Medizinern beim Angebot von Privatleistungen und IGeL. Das Ärztenetz hat sich dafür ein eigenes Behandlungszentrum aufgebaut. Bei der Behandlung der Patienten können die Ärzte auf eine gemeinsame Patientenakte zugreifen.

In den angeschlossenen 42 Praxen arbeiten HNO-Ärzte, Dermatologen, Urologen, Chirurgen, Orthopäden, Augenärzte, Kind- und Jugendmediziner, Neurologen, Ärzte der Inneren Medizin und Gynäkologen. Die Gründungsmannschaft im Jahr 2005 bestand aus nur zehn Kollegen.

"Radiologen, Laborärzte und Pathologen sind nicht beteiligt, weil das gesetzlich nicht erlaubt ist", sagt Gilberg.

Im Behandlungszentrum in Bornheim-Merten stehen die medizinischen Geräte für ausgewählte Therapien, auf die sich alle ÄGP-Ärzte geeinigt haben. Neben der Stoßwellentherapie sind das vor allem die Magnetfeldtherapie, die Hochtontherapie und die Dermatoskopie.

"Wir haben hier Behandlungsmöglichkeiten geschaffen, die jeder Einzelne für sich nicht hätte realisieren können", sagt Gilberg.

Für jede Therapie haben die Ärzte Leitlinien erarbeitet, bei welchen Indikationen sie medizinisch sinnvoll ist und welche Voraussetzungen gegeben sein müssen.

Behandlungsleitlinien wurden zertifiziert

So gehören zu den Voraussetzungen für eine Stoßwellenbehandlung bei Arthrose eine Untersuchung durch einen Orthopäden und eine Röntgendiagnostik, sagt Gilberg.

Die Firma 3Cert hat die Qualität der Behandlungsleitlinien des ÄGP zertifiziert. "Was uns von anderen Ärztenetzen unter anderem abhebt, ist das Qualitätsmanagement", sagt Ralf Hasse vom Unternehmen Pramacon, das den Aufbau des Verbundes von Anfang an begleitet hat.

Nicht nur einzelne teilnehmende Praxen seien nach qu.no zertifiziert, dem Qualitätsmanagement-Standard der KV Nordrhein, sondern auch die Abläufe zwischen ihnen.

Die ÄGP agiert auch als Einkaufsgemeinschaft, die im Vergleich zu einer Einzelpraxis Mengenrabatte erzielt. Für den eigenen Bedarf schätzt Gilberg die Ersparnis auf 20 bis 30 Prozent. Derzeit ist die ÄGP in Gesprächen mit dem Brühler Marienhospital über einen Kooperationsvertrag für gemeinsame Behandlungsleistungen, berichtet Gilberg.

"Ziel sind vernünftige Behandlungspfade zwischen dem ambulanten und dem stationären Bereich", sagt er. Heute schon gibt es eine Kooperation mit dem Dreifaltigkeits-Krankenhaus in Wesseling.

Kern ist das Case Management: Muss Gilberg einen Patienten einweisen, stellt er sicher, dass im Krankenhaus ein Bett frei ist, bevor er ihn dort hinschickt.

Klinikarzt informiert über Zustand des Patienten

Vor der Entlassung ruft der Klinikarzt seinerseits Gilberg an und informiert ihn über den Zustand des Patienten, weitere Behandlungserfordernisse und die Entlassungsmedikation.

Die Kooperation mit dem Krankenhaus Wesseling birgt eine gewisse Ironie: Zur Gründung von ÄGP kam es 2005, weil Wesselinger Ärzte sich in ihrer Existenz durch die Übermacht des Krankenhauses bedroht fühlten.

Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis" - drei iPads zu gewinnen

Die rundum vernetzte Praxis

Der Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis" von UCB und Springer Medizin geht in die zweite Runde. Auch 2012 gibt es wieder drei iPads zu gewinnen.

Innovationen bringen das Gesundheitswesen in Deutschland voran. Auch viele niedergelassene Ärzte entwickeln in ihren Praxen innovative Ideen, um die Versorgung ihrer Patienten zu verbessern, um den Aufwand in den Praxen angesichts eines wachsenden Patientenzustroms zu begrenzen und nicht zuletzt um den wirtschaftlichen Ertrag zu steigern.

Innovationen helfen Praxen auch, im Wettbewerb mit größeren Zentren zu bestehen. Doch nicht immer setzen sich gute neue Ideen durch - einfach, weil sie nicht bekannt werden. Das wollen die Fachverlagsgruppe Springer Medizin, zu der auch die "Ärzte Zeitung" gehört, und das Biopharmaunternehmen UCB mit dem Innovationspreis ändern.

"Auch für den Innovationspreis 2012 suchen wir wieder kreative Ärzte, die die Versorgung verbessern", sagt Steffen Fritzsche von UCB. Der Preis wird am 24. November 2012 beim Bundeskongress Privatmedizin in Köln vergeben.

Haben Sie Interesse? Dann bewerben Sie sich bis 31. Oktober: www.aerztezeitung.de/extras/innovationspreis/

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