Ärzte Zeitung, 04.10.2012

Gesundheits-Apps

Ehrenkodex mit sieben Regeln

Vertrauenswürdig und sicher - das sollten Gesundheits-Apps sein. Ein neuer Ehrenkodex soll gewährleisten, dass Anwender qualitativ hochwertige Gesundheitsinformationen erhalten.

Von Matthias Wallenfels

Ehrenkodex mit sieben Regeln

App-Nutzer sollen sich darauf verlassen können, dass gesundheitsbezogene Inhalte vertrauenswürdig sind und den Datenschutzrichtlinien entsprechen.

© drubig-photo / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Gesundheits-Apps sind einer der Healthcare-Trends der Zeit. Sie erleichtern zunehmend zum Beispiel die Überwachung von Patienten, wenn diese ausgesuchte Vitalparameter direkt an ihre behandelnden Ärzte in Praxis oder Klinik überspielen.

Bei all dem Nutzen wird aber selten die Frage gestellt, wie sicher und seriös die einzelnen Applikationen der verschiedenen Anbieter sind.

Wenn es um die Entwicklung und Bereitstellung von Informationsangeboten und Services geht, die Gesundheit betreffen, sei besondere Sorgfalt und Verantwortung angezeigt, betont die Apothekerin Dr. Ursula Kramer.

Sie hat nach eigenen Angaben die Initiative Präventionspartner gegründet, die in Zusammenarbeit mit der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen den Healthon-App-Ehrenkodex ins Leben gerufen hat (wie kurz berichtet).

Freiwillige Selbstverpflichtung

Kriterien des App-Ehrenkodexes

Autorenschaft und medizinische Richtigkeit: Unter anderem sind alle gesundheitsbezogenen Angaben von einem Experten mit medizinischem Sachverstand entwickelt und/oder von einem solchen auf ihre Richtigkeit geprüft worden.

Aktualität und Relevanz der verwendeten Quellen: Unter anderem sind alle gesundheitsbezogenen Aussagen innerhalb der App mit Quellen belegt, die zudem wissenschaftlich akzeptiert sein müssen.

Aufklärung: Der Hinweis, dass Infos keine individuelle Arztberatung ersetzen, ist Pflicht.

Produkt- und Werbefreiheit: Der Anbieter versichert unter anderem, dass alle Gesundheitsinfos frei sind von der Einflussnahme durch potenzielle Produkt- oder Unternehmensinteressen von relevanten Werbepartnern und/oder Sponsoren.

Offengelegte Finanzierungsquellen: Sponsoren, Werbepartner oder öffentliche Fördermittel sowie Steuergelder werden explizit genannt.

Daten- und Verbraucherschutz

Freiwillige Selbstkontrolle: Anbieter müssen Verstöße umgehend beheben.

App-Nutzer wollten sich darauf verlassen können, dass die gesundheitsbezogenen Inhalte vertrauenswürdig sind und dass Verbraucher- und Datenschutz ernst genommen werden.

Bei der Einschätzung, ob eine Gesundheits-App diese Erwartungen erfüllt, können Ärzte und Patienten sich jetzt am Healthon-App-Ehrenkodex orientieren.

Anbieter von Gesundheits-Apps können sich in einer freiwilligen Selbstverpflichtung zur Einhaltung des Verhaltenskodex verpflichten.

"Was durch Heilmittelwerbegesetz, Verbraucher- und Datenschutz für die Kommunikation gesundheitsbezogener Informationen im Web sowie in Printmedien längst geregelt ist, sollte auch in App-Stores gelten", fordert Kramer.

Sie wird unterstützt von Professor Viviane Scherenberg, Dekanin für Prävention & Gesundheitsförderung der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft.

"Die Erfahrung hat gezeigt, dass von freiwilligen Selbstverpflichtungen wirksame Impulse zur Qualitätssteigerung im Sinne der Verbraucher ausgehen können", so Scherenberg.

Ein Beispiel seien die ethischen Prinzipien der Health On The Net Foundation (HON-Code) für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen auf Websites.

Sieben Kriterien

Der Ehrenkodex umfasst nach Angaben der Initiative Präventionspartner sieben Kriterien, die gesundheitsbezogene Informationen und Services in Apps als vertrauenswürdig auszeichnen.

Die freiwillige Selbstverpflichtung könnten App-Anbieter eingehen, die mindestens eine Gesundheits-App im Google Store oder iTunes anbieten, die diesen sieben Kriterien entspricht.

Jeder App-Entwickler und -Anbieter könne dies mittels eines Online-Testformulars selbst überprüfen (www.healthon.de).

Anbieter, die die Kriterien erfüllen, werden mit dem Healthon-Siegel ausgezeichnet und dürfen damit offiziell für ihre Gesundheits-App werben.

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Wenn der eigene Bruder behindert ist

Wie ist es für ein Kind, ein Geschwister mit Down-Syndrom zu haben? Ein Einblick in den Alltag von Katharina (13): Sie sieht die Trisomie 21 ihres Bruders als Belastung - und als Vorteil. mehr »

Londoner fühlen sich verunsichert und gespalten

Großbritannien tritt aus der EU aus und in der Hauptstadt herrscht Katerstimmung. Das Referendum zeigt auch psychische Folgen. Einblick in die Seele Londons. mehr »

Neue EBM-Leistungen für Betreuung in Pflegeheimen

KBV und Kassen haben neue Leistungen beschlossen, die die medizinische Versorgung in Pflegeheimen verbessern sollen. Dafür wird zum 1. Juli ein neues Kapitel im EBM geschaffen. mehr »