Ärzte Zeitung online, 03.04.2014

Schlaganfall

Mit der App in die Klinik

Nur jeder dritte Deutsche weiß, was bei einem Schlaganfall zu tun ist. Der ehemalige Profi-Boxer Axel Schulz hat jetzt eine Anwendung für Smartphones vorgestellt, die Abhilfe schaffen soll.

Von Marco Hübner

BERLIN. Ex-Profi-Boxer Axel Schulz erlitt mit 37 Jahren einen Schlaganfall. "Ich ließ mich von einem Freund zum Hausarzt fahren, erst von dort aus ging es ins Krankenhaus." Wertvolle Zeit war verloren.

Als Botschafter der Deutschen-Schlaganfall-Hilfe stellte Schulz am Dienstag im Rahmen der Kampagne "Rote Karte dem Schlaganfall" der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, der Soho Köln und Bayer Healthcare eine neue App vor. Das Programm für Smartphones soll Schlaganfall-Opfern zu einem schnelleren Zugang zur Notfallversorgung verhelfen.

Nutzer erhalten damit erste Hilfen, die Symptome richtig zu deuten. Ziel ist, die Hemmschwellen zu überwinden und im Verdachtsfall den Notarzt rufen. Die Notrufnummer 112 kann direkt aus dem Programm angewählt werden.

Notfall-Wissen zum Thema Schlaganfall und Handlungsbeschreibungen bieten zusätzlich Hilfestellung. Abgerundet wird das Angebot durch Möglichkeiten, sich weiter über das Thema zu informieren. Beim Handlungswissen zum Thema Schlaganfall attestieren Experten den Deutschen nämlich noch Nachholbedarf.

"Ich hab viel Glück gehabt", sagte Schulz. Er habe damals nicht gewusst, dass ihn ein Schlaganfall auch schon in jungen Jahren treffen könnte. Was in dem Fall zu tun war, erfuhr er daher erst vom Hausarzt.

Eine große Gefahr: Beim Schlaganfall sterben pro Sekunde 32.000 Nervenzellen im Gehirn ab, weiß Professor Matthias Endres, Direktor der Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie der Charité in Berlin. Es drohen im günstigsten Fall Lähmungen, aber auch tödliche Verläufe sind nicht ausgeschlossen.

Auslöser für den Anfall bei Schulz war der Kampf gegen Brian Minto 2006. Einige heftige Schläge hätten damals zu einem Blutgerinnsel geführt. Die meisten Leute müssen sich nicht vor Fausthieben fürchten, eher vor den eigenen Wissenslücken.

Bildungslücke soll auch an Ärzten liegen

Die Symptome sind vielen bekannt. Treten sie aber tatsächlich bei einem selbst oder bei Bekannten auf, ist die Mehrheit der Menschen in Deutschland ratlos: Nur 33 Prozent fällt sofort die beste Lösung ein, nämlich den Rettungsdienst zu rufen, hat das Max-Planck-Institut in einer aktuellen Studie herausgefunden.

Der Notfalleinsatz garantiert die beste Behandlung im Akutfall. 28 Prozent der Befragten fällt als Sofortmaßnahme jedoch Tee trinken oder Bettruhe ein. In Polen und Russland ist das Verhältnis besser. Dort würden immerhin zwei Drittel der Menschen sofort die Notfallnummer wählen.

Deutschland schneide im europäischen Vergleich besonders schlecht ab, sagen Experten. Die Ursache dieser Bildungslücke liege auch in den Arztpraxen. Ärzte nähmen sich zu wenig Zeit, ihren Patienten Gesundheitskompetenz zu vermitteln. Patienten würden sich häufig auch nicht trauen, die gestressten Ärzte zu fragen.

Informationen fehlen besonders den unter 30-Jährigen. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag von Bayer HealthCare. In dieser Altersgruppe konnten etwa 25 Prozent nicht sagen, welche Faktoren zu einem höheren Schlaganfallrisiko führen und was Symptome eines Hirninfarktes sind.

Ein guter Grund für die Deutschen-Schlaganfall-Hilfen neue Wege in der Informationsvermittlung zu gehen, denn gerade diese Zielgruppe nutze gern neue Medien, heißt es. Die neue App ist ab sofort für Smartphones und Tablet-Computer mit den Betriebssystemen iOS und Android verfügbar.

Sie lässt sich kostenlos über den Apple App-Store oder den Google Play-Store herunterladen.

Mehr Infos zu den Funktionen der App unter www.schlaganfall-hilfe.de/app

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