Ärzte Zeitung online, 22.04.2014

E-Health

Durchbruch prognostiziert

STUTTGART/MÜNCHEN. Laut Schätzungen werden zum Ende 2014 bereits 45 Prozent der Deutschen ihre privaten Smartphones und Tablets für digitale Gesundheitsangebote verwenden. Damit treiben sie die Digitalisierung der Gesundheitsbranche in Deutschland "bottom up" von der Verbraucherseite voran.

Davon geht zumindest die Studie "Perspektive E-Health" der Unternehmensberatung Deloitte aus, die der "Ärzte Zeitung" vorliegt. Sie zeigt Potenziale und Entwicklungen der Digitalisierung bei Gesundheit und Fitness auf.

Tatsächlich gingen derzeit nahezu alle Impulse vom zweiten Gesundheitsmarkt aus. Könne diese Entwicklung auf die professionelle Ebene übertragen werden, markiere sie einen wichtigen Schritt zu einer digitalen Integration des Gesundheitssektors, postulieren die Studienautoren.

Aus Consumer-Angeboten wie Gesundheitsportalen, Apps, Fitness-Tools und Vitaldaten-Monitoring entstünde so perspektivisch ein vernetztes System unterschiedlicher Module. Dieses modulare System erfordere eine aktive Beteiligung von Technologie- und Telekommunikationsunternehmen.

Die Treiber des E-Health-Entwicklungsschubs sind nach Deloitte-Einschätzung gesellschaftlicher wie auch technologischer Natur: Die Gesellschaft zeige ein stetig steigendes Gesundheits- und Fitnessbewusstsein mit einer hohen Zahlungsbereitschaft für entsprechende Dienste und Produkte. Hinzu komme die fortschreitende Digitalisierung der Menschen - auch über die "Digital Natives" hinaus. Die hohe Verfügbarkeit von Mobilfunknetzen und immer neue digitale Endgeräte seien weitere Faktoren.

Nutzerorientierung entscheidend

E-Health-Produkte und -Services gibt es in unterschiedlichen Bereichen - ihre Erfolgschancen hängen laut Studie von ihrer Orientierung an individuellen Nutzeranforderungen ab. Communities und Social Media böten vielfältige Interaktionsmöglichkeiten.

Starkes Wachstum verspreche der Markt für E-Health-Apps, von denen heute schon über 100.000 existieren. Smarte, vernetzte Fitness-Tools erfreuten sich immer größerer Beliebtheit. Schon heute verwendeten 57 Prozent der deutschen Hobbysportler ihr Smartphone beim Sport in Verbindung mit einer Fitness-App.

Ein anderes Wachstumssegment sei die digitale Überwachung von Vitaldaten wie Blutzucker und -druck oder Gewicht. Dieser Bereich lasse sich in drei Segmente unterteilen: krankheitsbegleitende Kontrollsysteme für chronisch Kranke, gesundheitsorientierte Trainingssysteme und intelligente Notrufsysteme.

In den kommenden Jahren sei hier ein Entwicklungsschub zu erwarten - unter anderem wegen der zunehmenden Verbreitung von Wearable Devices.

Schritt in den ersten Gesundheitsmarkt

Der nächste Schritt bei der Entwicklung von E-Health-Angeboten ist nach Expertenansicht die Ausweitung von zweiten auf den ersten Gesundheitsmarkt. Hierzu bedürfe es einer Professionalisierung und Mehrwertgenerierung durch das Einbeziehen von Ärzten.

In Kombination mit einer stärkeren Eigenverantwortung der Patienten könne ein System verbundener Module entstehen, das vorerst an die Stelle einer vollständigen Vernetzung des Gesundheitsbranche über die Makroebene trete.

Die Entwicklung zu einem digitalen Gesundheitsmarkt erfordere die aktive Beteiligung von Unternehmen der Branchen Technologie und Telekommunikation. So bildeten die Netzinfrastrukturen das zentrale Bindeglied zwischen den verschiedenen Marktteilnehmern, IT-Service Provider sorgten für die Sicherheit von Kommunikationsdaten und Hardware-Hersteller könnten über entsprechende Geräte neue Nutzergruppen für den Bereich E-Health erschließen.

"Ein übergreifendes, einheitliches System scheitert heute vor allem an der Skepsis gegenüber einer zentralen Speicherung von Patientendaten. Doch auch ein modulares System kann Qualitätsverbesserung und Einsparungen in Milliardenhöhe ermöglichen.

Die nächsten Schritte werden hier nicht mehr allein von den Patienten respektive Konsumenten, sondern auch zunehmend von den verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen getragen werden", schließt Gregor-Konstantin Elbel, Partner und Leiter Life Sciences & Health Care bei Deloitte. (maw)

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