Ärzte Zeitung, 29.10.2015

Erste Hilfe bei Schlaganfall

Eine App verrät, wie's richtig geht

Eine mobile Anwendung für das Smartphone soll Laien helfen, Patienten mit Schlaganfall zu erkennen. Kommt es zum Notfall, kann mit der App auch direkt Hilfe angefordert werden.

Von Kerstin Mitternacht

FRANKFURT/MAIN. Der Schlaganfall bleibt mit 270.000 Fällen jährlich eine der größten Volkskrankheiten in Deutschland. Doch nur wenige Menschen erkennen die Symptome eines Schlaganfalls richtig und reagieren sofort mit den nötigen Maßnahmen, obwohl im Notfall jede Minute zählt.

Die kostenlose Schlaganfall-App der Deutschen Schlaganfall-Hilfe soll Rat geben und Wissen vermitteln, sodass im Notfall richtig gehandelt werden kann. Mit der App kann in wenigen Schritten ermittelt werden, ob ein Insult vorliegt. Der sogenannte FAST-Test (Face - Arm - Speech - Time) stellt dafür einfache Fragen.

FAST-Test gibt Aufschluss

Sobald der Nutzer die App öffnet, kann er gleich zum Test oder zur App gelangen. In der App lässt sich auch über den Button "Notfall" der FAST-Test öffnen. Dieser wird mit Ton und Bild begleitend unterstützt.

Erster Test, um einen Schlaganfall abzuklären, ist, die Person zu bitten, zu lächeln: Hängt ein Mundwinkel herab? Wirkt eine Gesichtshälfte schief? Beim zweiten Test soll die Person beide Arme gleichzeitig anheben. Können beide Arme gleichmäßig gehoben werden? Ist eine Seite schwach?

Als nächstes kommt der Sprachtest. Die betroffene Person soll einen einfachen Satz nachsprechen: "Ich habe heute morgen gefrühstückt." Kann der Satz verständlich nachgesprochen werden? Hat die Person den Satz verstanden?

Wenn die betroffene Person mit einer der Aufgaben Probleme hat, besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall. Jetzt sollte sofort die 112 gewählt werden, die sich auch direkt aus der App heraus anwählen lässt.

Das geht nicht nur in Deutschland, sondern im gesamten EU-Ausland. Neben diesem Test, können sich interessierte Personen in dieser App auch breit zum Thema Insult informieren. Ein News-Bereich hält Nutzer auf dem Laufenden, so wird etwa über die Patientenverfügung oder über Selbsthilfegruppen berichtet.

Sehr ausführliches Wissen bietet der Info-Center-Bereich, obwohl dieser zum Teil auch sehr textlastig ist. Aufgebaut ist dieser Bereich in fünf Themengruppen: Die erste Gruppe bietet allgemeine Schlaganfall-Informationen an.

In der zweiten gibt es Informationen zur (Sekundär-)Prävention: Der Punkt "Risikofaktoren und Vorsorge" klärt beispielsweise über Faktoren, wie Übergewicht, Rauchen oder Stress, auf.

Die dritte Themengruppe ist Notfall- und Akutversorgung. Hier bekommen Angehörige Tipps, wie sie den Patienten im Krankenhaus unterstützen können, außerdem wird erklärt, was genau eine Stroke-Unit ist.

Checklisten unterstützen

Einen Fragebogen für die Schlaganfallstation gibt es ebenfalls. Der soll betroffenen Personen oder Angehörigen, die unsicher sind, helfen, ihre Fragen an den Arzt zu formulieren und so auf das Arztgespräch vorbereiten.

Der vierte Punkt betrifft Rehabilitationskliniken. Hier soll eine Checkliste dabei helfen, Fragen zu klären - etwa, welche Unterlagen benötigt werden oder worauf Angehörige achten sollten.

Der letzte Punkt ist die Nachsorge. Hier werden Themen, wie Autofahren, Hilfsmittel oder Reisen angesprochen - immer mit nützlichen Checklisten. Auch ein Fragebogen, der die Organisation des Alltags nach dem Schlaganfall behandelt, ist in der App zu finden.

Allerdings ist zu den einzelnen Themen meist ein mehrseitiges PDF-Dokument hinterlegt, das die einzelnen Aspekte sehr ausführlich behandelt. Für eine App auf dem Smartphone mit in der Regel kleinem Bildschirm, ist dies teilweise mühsam zu lesen und eine kürzere Version für unterwegs wäre hier vielleicht hilfreich.

Im App-Center der Schlaganfall-App gibt es Vorschläge zu weiteren mobilen Anwendungen, die dem Betroffenen möglicherweise unterstützen können, zum Beispiel eine App mit der sich Blutdruckdaten im Blick behalten lassen oder die an die Medikamenteneinnahme erinnert. (mn)

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