Direkt zum Inhaltsbereich

Fitness-Apps

Defizite bei Datenkraken

Verbraucherschützer sehen Defizite beim Datenschutz von Gesundheits-Apps und mahnen einige Anbieter ab. Derweil setzen erste Kassen auf Wearables und Apps für ihre Versicherten.

Von Anna Gentrup Veröffentlicht:
Umfassende Datenanalyse: Verbraucherschützern geht das bei einigen Wearables und Fitness-Apps zu weit.

Umfassende Datenanalyse: Verbraucherschützern geht das bei einigen Wearables und Fitness-Apps zu weit.

© Artur Marciniec / Fotolia

KÖLN. Das Marktwächter-Team Digitale Welt der Verbraucherzentrale Nordrhein Westfalen (VZ NRW) fällt ein negatives Urteil über die Datennutzung von tragbaren Fitness-Messgeräten und -Apps. Die Verbraucherschützer hatten zwölf sogenannte Wearables und 24 Fitness-Apps untersucht. Sie warnen vor der umfassenden Datenanalyse der Geräte. Nutzer könnten ihre Gesundheitsinformationen kaum kontrollieren. Besonders ärgert die Verbraucherschützer, dass die Anbieter Datenschutzhinweise oft nur auf Englisch bereitstellen und nicht auf die Sensibilität der Gesundheitsinformationen hinweisen. Einziger Lichtblick: Alle Geräte übertragen Daten mithilfe der sicheren "https"-Verschlüsselung an Server.

Die Verbraucherschützer zogen Konsequenzen aus der Untersuchung. Die VZ NRW hat neun Anbieter abgemahnt: Apple, Garmin, Fitbit, Jawbone, Polar, Runtastic, Stiiv, UnderAmour (MyFitnessPal) und Withings. "Verbraucher sorgen sich um ihre online gesammelten Daten. Wir können jetzt sagen ‚zu Recht‘: Anbieter sammeln zahlreiche – zum Teil sensible – Daten und lassen Verbraucher über deren Verwendung häufig im Unklaren", sagte Ricarda Moll, Referentin der VZ NRW im Projekt Marktwächter Digitale Welt.

Kai Vogel, Leiter des Teams Gesundheit und Pflege beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), warnt vor Fitness-Tarifen von Versicherern. "Krankenversicherungstarife, die finanzielle Anreize mit der dauerhaften Offenlegungsverpflichtung von Daten verknüpfen, lehnt der vzbv kategorisch ab", erklärte er vor Journalisten in Düsseldorf. Er sieht die Gefahr einer Entsolidarisierung. "Wer krank oder schwach ist, darf dafür nicht bestraft werden."

Erste Krankenkassen und private Versicherer wagen sich bereits an die Nutzung von Fitnessdaten. "Gesetzliche Krankenkassen gewähren Zuschüsse zur Anschaffung von Messgeräten im Rahmen von Bonusprogrammen", erläuterte Moll. Das könne sinnvoll sein, wenn so gesundheitsförderndes Verhalten unterstützt wird. Die TK schlug bereits 2016 vor, Daten von Fitness-Trackern in der geplanten elektronischen Patientenakte zu sammeln. Die AOK Nordost bezuschusst die Anschaffung der Messgeräte mit maximal 50 Euro.

In der privaten Krankenversicherung bietet beispielsweise die Signal Iduna-Tochter Sijox eine App an, die Schritte misst. Fleißige Läufer können die Prämie ihrer Berufsunfähigkeitspolice durch ihre Daten um bis zu 42 Prozent reduzieren. Für Furore sorgte der Vorstoß der Generali, im Programm Vitality Kunden der Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherung für gesundheitsbewusstes Verhalten mit Rabatten und Gutscheinen zu belohnen. 2017 will Generali das Angebot auf die Krankenversicherung ausweiten.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Logo Digiteneers - Vertidisan

© Digitineers

Digitineers

Bei Schwindel – Vertidisan®: Die Therapie-App

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Doctolib

Doctolib

Mehr Service: KI-Assistenz rund um die Privatbehandlung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

© Paolese / stock.adobe.com (Model mit Symbolcharakter)

Neuer Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion

Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Kranus Health GmbH, München
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Lesetipps
Sklerenikterus bei einem älteren Patienten

© Dr. P. Marazzi / Science Photo Library

Meist Adenokarzinome

Tipps zur Früherkennung: Warnzeichen für Pankreaskrebs erkennen

Symbolbild eines Darms mit einer Lupe

© kirania / Generated with AI / Stock.adobe.com

Wandel der postoperativen Therapie

Morbus Crohn: Biologika senken das Rezidivrisiko nach Darmresektion

Koloskopie, Blick auf den Monitor

© Issara - stock.adobe.com

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?