Ärzte Zeitung, 24.08.2012

Webvideos

Wenn der Arzt zum "Anchorman" der Praxis wird

Filme können mehr Besucher auf die Website der Praxis locken. Aber bei der Produktion gibt es einige Regeln zu beachten, sonst kann sich die Wirkung ins Gegenteil verkehren.

HANNOVER (cben). Lesen bildet - Videos tun es auch. Etwa, wenn sie auf einer Praxishomepage zu sehen sind und den Gebrauch des Blutzuckermessgerätes erklären. Das sagt Raimund Dehmlow, Chef der Online-Redaktion bei der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN).

Ein Beispiel: Dr. Joachim Draws. Der HNO-Arzt aus Celle hat für seine schnarchenden Patienten auf www.drdraws.de ein selbst gemachtes Lehrvideo über eine bestimmte Behandlung des Schnarchens auf seiner Website eingebunden.

Patienten über die Homepage aufklären

"Filme können die Zugriffszahlen auf die Homepage erheblich in die Höhe treiben", erklärt Dehmlow. So können Patienten Ihren Hausarzt schon vor dem Praxisbesuch per Video kennenlernen und einen Blick in die Räume werfen.

Nicht nur filmisch animierte Praxisportraits, sondern auch bestimmte Behandlungen, Untersuchungen oder Angebote Individueller Gesundheitsleistungen können in bewegten Bildern sehr gut präsentiert werden.

Der Fantasie sind wenig Grenzen gesetzt: Wie funktioniert ein Ultraschall? Warum müssen Patienten manchmal länger warten? Warum sollten sich ältere Patienten gegen die Grippe impfen lassen? Was ist Diabetes? Was ist Borreliose?

"Unter Umständen hat der Arzt dann weniger Patienten im Sprechzimmer, die mit langen Fragelisten in die Praxis kommen, weil sie sich zuvor bereits auf der Homepage informiert haben", sagt Fachmann Dehmlow.

Wer sich an selbst gemachte Praxis-Filme wagt, sollte aber einige Regeln befolgen.

Einbindung über Youtube möglich

So sollten die Videos eine Länge von drei bis vier Minuten nicht überschreiten und - falls mehrere Beiträge erstellt werden - immer nach dem gleichen Schema ablaufen, am besten mit dem Praxischef als "Anchorman".

"Das unterstützt das Corporate Design und macht die Praxis und ihre Arbeit wiedererkennbar", erklärt Online-Redakteur Dehmlow.

Auch kurze Spots von drei Minuten sind nicht leicht zu produzieren. "Wer nicht einen Fachmann im Freundeskreis hat, kann sich an entsprechende Agenturen wenden."

Die Einbindung des fertigen Videos in die Praxishomepage funktioniert am besten über den Youtube-Service. Auf www.youtube.de findet man unter den gebotenen Videos schnell entsprechende Anleitungen.

"Natürlich könnte man den Film auch auf dem eigenen Server vorhalten", meint Dehmlow, "aber das braucht viel Speicherplatz, über den nicht alle Server verfügen."

Allerdings ist nicht jeder Arzt telegen und beherrscht die hohe Kunst der angenehmen und lehrreichen Rede. Wer sich ungern präsentiert, sollte auch keine Videos drehen. Und bewegte Bilder haben Macht - so hilfreich gute Praxisfilme sein können, so fatal wirken misslungene Streifen.

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