Ärzte Zeitung, 08.09.2010

Versicherer entdecken das begleitete Fahren

17-Jährige, die nur begleitet ans Steuer dürfen, verursachen wesentlich weniger Unfälle als andere Fahranfänger. Das spiegelt sich jetzt auch in den Prämien der Kfz-Versicherungen wider. Ein Vergleich lohnt sich für Eltern und Kinder.

Von Anne-Christin Gröger und Laura Schon

Versicherer entdecken das begleitete Fahren

17 Jahre und Führschein! Jetzt fehlt nur noch eine günstige Kfz-Versicherung.

© Bentin / Fotolia.com

KÖLN. Ärzte mit Kindern im Teenageralter wissen, wie teuer der Kfz-Versicherungsschutz für Fahranfänger ist. Jugendliche, die für ihr erstes eigenes Auto einen Versicherungsvertrag abschließen, müssen meistens eine siebenmal höhere Prämie zahlen als langjährige schadenfreie Autofahrer. Wegen der großen Unfallgefahr wollen viele Anbieter Führerschein-Neulingen am liebsten gar keine Police verkaufen und schrecken sie mit extrem hohen Prämien ab. Für diese Gruppe ist Besserung in Sicht. Mit dem Modell "begleitetes Fahren ab 17" können Jugendliche nicht nur früher hinters Steuer, sondern auch sparen.

"Führerschein mit 17" gibt es ab 2011 bundesweit

In vielen Regionen Deutschlands können junge Leute bereits im Alter von 16 Jahren Fahrstunden nehmen und mit 17 die Führerscheinprüfung ablegen. Sie dürfen in Begleitung bestimmter Personen in deren Auto fahren - in der Regel ist es das der Eltern. Begleitpersonen müssen mindestens 30 Jahre alt sein und seit fünf Jahren eine Fahrerlaubnis haben. Sie dürfen nicht mehr als drei Punkte in Flensburg haben. Nachdem Modellprojekte erfolgreich verlaufen sind, wird das begleitete Fahren bundesweit zum 1. Januar 2011 eingeführt.

Manche Gesellschaften verlangen keinen Aufpreis

Ärzte, die mit ihrem Nachwuchs das begleitete Fahren praktizieren wollen, müssen das ihrem Kfz-Versicherer melden. Der will die amtliche Bestätigung sehen, dass das Kind daran teilnimmt. Manche Gesellschaften wie die ADAC-Autoversicherung und die Gothaer verlangen keinen Aufpreis. Bei anderen Anbietern muss der Kunde einen Aufschlag auf die Grundprämie zahlen.

Dazu gehören die Direktversicherungstochter der Gothaer Asstel und die Allianz. Die Angebote unterscheiden sich stark. "Die Gesellschaften sind sich noch nicht einig, wie wichtig die Absolventen des begleiteten Fahrens für das Geschäft sind", sagt Deliana Toschmakov vom Internetportal Toptarif.

Bei fast allen Versicherern, die einen Aufschlag nehmen, ist dieser erheblich niedriger als die Prämie, die der junge Fahranfänger für eine eigene Police zahlen müsste. Nach einer Studie des Bundesamts für Straßenwesen ist die Unfallquote von Anfängern, die begleitet unterwegs sind, um 19 Prozent niedriger als bei Alleinfahrern. "Deshalb wollen die Versicherer das begleitete Fahren mit den günstigen Sondertarifen fördern", sagt Jochen Oesterle, Sprecher der ADAC Auto-Versicherung.

Der Schutz für das begleitete Fahren kann bis zum 23. Lebensjahr verlängert werden, wenn Sohn oder Tochter weiter bei den Eltern mitfahren. Baut der Nachwuchs einen Unfall, kommen die Eltern in eine höhere Schadenfreiheitsklasse und müssen mehr zahlen. Steigt der Fahranfänger auf ein eigenes Auto um, kann er bei vielen Anbietern unfallfreie Zeiten auf seinen Schadenfreiheitsrabatt anrechnen lassen.

Bekommt das Kind mit 18 ein eigenes Auto, ist der Versicherungsschutz billiger, wenn der Sprössling vorher in Begleitung gefahren ist.

Der ADAC honoriert das größere Verantwortungsbewusstsein, indem er Fahranfänger nicht wie üblich in die teure Schadensklasse null einstuft, sondern in die günstigere eins. Meldet der Neuling einen eigenen Wagen an, ist der Abschlag aber mit Auflagen verbunden. "Wir schreiben dem Fahranfänger vor, dass sein Auto nicht mehr als 115 PS haben und nicht älter als zwölf Jahre sein darf", sagt Oesterle.

Wer in den ersten zwölf Monaten nach Abschluss der Police freiwillig an einem Verkehrssicherheitstraining des ADAC teilnimmt, bekommt zusätzlichen Rabatt auf die Prämie. Die Teilnahme an einem solchen Training kostet rund 40 Euro.

ADAC honoriert begleitetes Fahren mit günstigen Tarifen

Eltern von Fahranfängern bietet sich noch eine andere Möglichkeit, den Preis für die Kfz-Police zu drücken. "Ein Trick ist, das Auto des Fahranfängers als Zweitwagen der Eltern zu versichern", sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. In dem Fall stuft der Versicherer den Halter in eine bessere Schadenfreiheitsklasse ein. Das ist weniger, als wenn der Fahranfänger sich selbst versichert.

Fährt der Neuling einige Jahre unfallfrei, rechnen ihm viele Versicherer die schadenfreie Zeit auf eine spätere eigene Police an.

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