Ärzte Zeitung, 05.03.2012

Allianz: Weniger Vollversicherte, mehr Zusatzpolicen

Der Trend der letzten Jahre setzt sich bei der Allianz Private Krankenversicherung fort: Das Geschäft mit den Zusatzversicherungen ist ein Renner.

Allianz: Weniger Vollversicherte, mehr Zusatzpolicen

Bei der Allianz Private Krankenversicherung sank die Zahl der vollversicherten Kunden 2011 auf 683.000.

© dpa

MÜNCHEN (sto/hf). Die Allianz Private Krankenversicherung (APKV) hat im Geschäftsjahr 2011 fast doppelt so viele Zusatzversicherungen verkauft wie im Vorjahr. In der Vollversicherung hingegen bleibt das Geschäft weiter rückläufig.

Die Beitragseinnahmen lagen in der Krankenversicherung mit 3,2 Milliarden Euro und einem Minus von 0,2 Prozent knapp unter Vorjahres niveau, berichtete Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland AG, bei der Jahrespressekonferenz in München.

Die Zahl der krankenversicherten Personen stieg auf insgesamt 2,5 Millionen. Allerdings sinkt die Zahl der Kunden in der Vollversicherung seit Jahren, in 2011 um 1,6 Prozent auf 683.000, während die Zahl der Zusatzversicherten um 3,3 Prozent auf 1,8 Millionen stieg.

Auch im laufenden Jahr erwarte die APKV bei den Zusatzversicherungen ein starkes Wachstum, erklärte die APKV-Vorstandsvorsitzende Dr. Birgit König.

Für Versicherungsleistungen aus fünf Millionen Arztrechnungen gab die APKV im vergangenen Jahr 2,4 Milliarden Euro aus. Das waren 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr, berichtete Rieß bei der Vorstellung der aktuellen Jahreszahlen.

Neuer Zusatztarif deckt bei Demenz 30 Prozent des Tagessatzes ab

In der Pflegeversicherung biete die Allianz einen neuen Zusatztarif mit einer "realistischeren Definition der Pflegebedürftigkeit" an, erklärte Rieß.

Der neue Tarif sehe Leistungen in allen Pflegestufen vor und decke bei Demenz 30 Prozent des Tagessatzes ab, auch wenn noch keine Pflegestufe anerkannt ist. Bei Pflegeleistungen durch Angehörige gebe s keine Abzüge.

Im aktuellen Streit um die gesetzlich vorgeschriebene Wechselmöglichkeit von Kunden zwischen gleichwertigen Tarifen eines Unternehmens sieht sich die APKV im Recht. "Wir haben unser Vorgehen mit der BaFin abgestimmt", sagte König als Reaktion auf Kritik, der Versicherer unterlaufe das gesetzlich verbriefte Wechselrecht.

Beim Wechsel darf der Versicherer für Mehrleistungen nach einer Gesundheitsprüfung gegebenenfalls einen Risikozuschlag verlangen. Ihn kann der Versicherte durch Vereinbarung eines Leistungsausschlusses umgehen.

Da der Tarifwechsel in der Regel zu einer niedrigeren Prämie führt, ist er in der Branche nicht sonderlich beliebt. Die Allianz verweigere Kunden den Leistungsausschluss, wirft Versicherungsjurist Arno Schubach dem Unternehmen vor.

APKV musste neuen Tarif überarbeiten

Die APKV hatte sich beim Thema Tarifwechsel bereits 2010 eine schwere Niederlage eingefangen. Sie hatte für ihren neuen Tarif von wechselwilligen Altkunden unabhängig vom Gesundheitszustand einen "Strukturzuschlag" verlangt. Schließlich sei der neue Aktimed-Tarif anders kalkuliert.

Auf Intervention der Finanzaufsicht BaFin kassierte das Bundesverwaltungsgericht im Juni 2010 den neuen Tarif, die APKV musste ihn überarbeiten. Doch jetzt sei rechtlich alles in Ordnung, sagte König.

Die mit großem PR-Lärm 2010 begonnene Zusammenarbeit mit der Krankenkasse KKH hat die Allianz inzwischen beendet. Die KKH hatte sogar mit der Mini-Krankenkasse Allianz BKK fusioniert und sich dann KKH Allianz genannt.

Die Allianz habe über den Absatz von Zusatzversicherungen an KKH-Versicherte hinaus weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit gewünscht, sagte Maximilian Zimmerer, bis 2011 Chef der APKV.

Die Allianz hatte an Kooperationen im Leistungsmanagement gedacht. "Wegen der Aufsicht ist es sehr schwer, solche Synergien zu nutzen", sagte er. "Wenn man dann den Gesamtaufwand betrachtet, hat es sich nicht gerechnet."

Neue Körperschutz-Police

Um Arbeitsausfälle durch eine Beeinträchtigung körperlicher oder geistiger Fähigkeiten oder durch eine schwere Krankheit abzusichern, hat die Allianz neben der Berufsunfähigkeitsversicherung eine neue Körperschutz-Police entwickelt.

So wird beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall mit dauerhaften schweren motorischen Ausfällen eine monat liche Rente oder bei einer Querschnittslähmung nach einem Unfall eine einmalige Jahresrente gezahlt.

Trotz Euro-Krise verfüge das Unternehmen über eine "grundsolide Kapitalausstattung", betonte Rieß in München.

In der APKV liege die Eigenkapitalausstattung mit 141 Prozent deutlich über den aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Die Verzinsung von neu angelegtem Kapital in der Krankenversicherung betrage vier Prozent.

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