Ärzte Zeitung, 09.05.2012

Versicherer dürfen KfW-Kredite vermitteln

Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau gehört zu den günstigsten Anbietern für Baudarlehen. Seit April dürfen auch Versicherer diese Kredite vermitteln. Allerdings nur für Privatwohnungen. Das kann auch für Ärzte interessant sein.

Von Friederike Krieger

Versicherer dürfen KfW-Kredite vermitteln

Geld vom Staat hilft, Bauvorhaben zu finanzieren. Bisher durften nur Banken die attraktiven KfW-Darlehen vermitteln.

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KÖLN. Ärzte, die ein Baufinanzierung-Darlehen der staatlichen Förderbank KfW in Anspruch nehmen wollen, können sich künftig auch an Versicherer wenden.

Bisher durften nur Banken und Bausparkassen die besonders zinsgünstigen KfW-Kredite vermitteln. Seit Anfang April können sich auch Versicherer dafür akkreditieren lassen.

Nach Angaben der KfW haben dies bereits R+V, Ergo und Allianz getan. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft rechnet damit, dass im Laufe des Jahres weitere Gesellschaften folgen werden.

Weil sie lukrative und sichere Anlagemöglichkeiten für ihre Kundengelder suchen, machen Versicherer Banken bei der Baufinanzierung immer stärker Konkurrenz. Herkömmliche Hypothekendarlehen bieten sie schon seit Längerem an.

Die Konditionen sind oft besser als die der Banken

Ende 2011 hatten deutsche Lebensversicherer Baufinanzierung-Kredite in Höhe von 50 Milliarden Euro an private und gewerbliche Kunden vergeben. Vor allem bei langen Zinsbindungsfristen bieten sie oft bessere Konditionen als Kreditinstitute.

Bei den KfW-Darlehen sind die Zinsen von Banken und Versicherern gleich, weil die Förderbank hier die Konditionen vorgibt. "Die Angebote der Versicherer werden mit den KfW-Darlehen attraktiver", sagt Marcus Preu vom Finanzportal Baillo.de.

"Die KfW-Darlehen liegen in der Regel deutlich unter dem Marktzins, bieten mitunter einen Tilgungszuschuss und tilgungsfreie Anlaufjahre und sind daher zumeist eine sinnvolle Ergänzung."

Die wohnwirtschaftlichen KfW-Darlehen gibt es schon ab einem effektiven Jahreszins von einem Prozent. Der durchschnittliche Preis für Baugeld liegt laut Biallo.de dagegen bei 2,94 Prozent für eine zehnjährige Zinsbindung.

Versicherer können niedergelassenen Ärzten bisher allerdings noch keine KfW-Finanzierungen für Praxis-Immobilien vermitteln. Bisher haben die Gesellschaften nur geförderte Darlehen für Privatkunden im Angebot.

Mediziner, die Wohneigentum bauen oder kaufen wollen, können sie in Anspruch nehmen. Auch Sanierungen für höhere Energieeffizienz und altersgerechte Umbauten am Eigenheim fördert die KfW.

Die maximal mögliche Darlehenssumme ist auf 50.000 Euro beschränkt. Für eine komplette Immobilienfinanzierung ist das in der Regel zu wenig. Die Allianz wirbt daher mit der Möglichkeit, KfW-Darlehen mit einem sogenannten Riester-Darlehen zu einer Gesamtfinanzierung zu kombinieren.

Staatliche Förderung auch bei Freiberuflern

Seit 2008 fördert der Staat auf diesem Wege die Anschaffung von selbst genutztem Wohneigentum, um für das Alter vorzusorgen. Es gibt die gleichen Zulagen wie bei der Riester-Rente: Der Kunde erhält eine Grundzulage von bis zu 154 Euro pro Jahr.

Zusätzlich gibt es für jedes Kind 185 Euro, für nach 2008 geborene Sprösslinge sogar 300 Euro.

"Die Zulagen kann der Kunde zur Tilgung des Kredits verwenden, dann wird er schneller mit der Finanzierung fertig", erläutert Allianz-Sprecherin Martina Kieß. Über die Ehepartner können Ärzte an Riester kommen

Das Problem: Anspruch auf Riester-Förderung haben in erster Linie Arbeitnehmer, die Pflichtmitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung sind.

Freiberuflich tätige wie auch angestellte Mediziner sind aber in der Regel über ein berufsständisches Versorgungswerk abgesichert.

"Ärzte können jedoch die Riester-Förderung erhalten, wenn der Ehepartner in der Deutschen Rentenversicherung pflichtversichert ist und damit zum unmittelbar zulagenberechtigten Personenkreis gehört", sagt Allianz-Sprecher Udo Rössler.

Schließt der Arzt dann ein eigenes Riester-Darlehen ab und erbringt eigene Tilgungsleistungen, erhält auch er entsprechende Zulagen.

"Wenn ein Familienvater mit drei kleinen Kindern über viele Jahre Anspruch auf die Riester-Förderung hat und lange Zeit in der Immobilie bleibt, dann kann sich das vielleicht lohnen", sagt Preu von Biallo.de. Er rät aber dazu, Riester-Darlehen mit klassischen Baufinanzierungen genau zu vergleichen, was Zinsen und Kosten angeht.

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