Ärzte Zeitung, 26.05.2012

Versicherung: Ombudsmann immer siegreicher

Der Ombudsmann der Versicherungen zieht Jahresbilanz - und kann sich auf die Schulter klopfen. Immer mehr Menschen kann er helfen. Oft liegt das auch an den Versicherern.

Von Anja Krüger

Versicherungsombudsmanns verhilft immer mehr Versicherten zu ihrem Recht

Ombudsmann Günter Hirsch - von der Branche akzeptiert.

© Zentrixx / imago

KÖLN. Immer mehr unzufriedene Kunden, die sich an den Versicherungsombudsmann wenden, haben mit ihrer Beschwerde Erfolg.

Häufig bieten Versicherer bereits nach einem Routineschreiben der Schiedsstelle Kunden die zuvor verweigerte Regulierung eines Schadens oder einen Vergleich an, sagte Versicherungsombudsmann Günter Hirsch bei der Vorstellung des Jahresberichts 2011.

In der Sparte Lebens- und private Rentenversicherung stieg die Erfolgsquote im vergangenen Jahr auf 19,8 Prozent nach 19,3 Prozent in 2010 und 18,1 Prozent in 2009, in den übrigen Sparten auf 40,0 Prozent nach 38,2 Prozent im Vorjahr und 37,7 Prozent in 2009.

Verbraucher können sich an den Ombudsmann wenden, wenn sie sich von ihrem Versicherer unfair behandelt fühlen, etwa weil er nach einem Schaden nicht oder nicht genug zahlt.

"Die Branche akzeptiert die Einrichtung des Ombudsmanns und seine Autorität", sagte Hirsch, der von 2000 bis 2008 Präsident des Bundesgerichtshofs war.

Vertrete der Ombudsmann eine gewisse Rechtsauffassung, ließen sich die Unternehmen darauf ein. "Das gilt auch, wenn wir routinemäßig Schreiben verschicken", sagte er.

Zahl der Beschwerden leicht gesunken

Hirsch sieht darin einen Grund für das schnelle Einlenken der Versicherer allein aufgrund einer Kontaktaufnahme.

Im vergangenen Jahr sank die Zahl der eingegangenen zulässigen Beschwerden leicht um 3,4 Prozent auf 17.733. Traditionell kommen die meisten Eingaben von Kunden, die mit der Auszahlung aus ihrer Lebens- und Rentenversicherung unzufrieden sind.

Vor allem hier sank die Zahl der Eingaben, und zwar um 18 Prozent. Dagegen sind die Beschwerden in der Sparte Berufsunfähigkeitsversicherung um 20 Prozent gestiegen, in der Gebäudeversicherung sogar um 23 Prozent.

In der Gebäudeversicherung schreiben die Anbieter tiefrote Zahlen, viele haben eine Sanierung der Sparte angekündigt. Einen Zusammenhang zwischen Sanierung und steigenden Beschwerdezahlen will der Ombudsmann aber nicht herstellen.

Er sieht eher klimatische Bedingungen wie den harten Winter mit einer Zunahme geplatzter Rohre als Grund für die steigenden Zahlen.

Die Schiedsstelle bearbeitet Fälle mit einem Streitwert bis 100.000 Euro. Bis zu einer Summe von 10.000 Euro ist die Entscheidung für Versicherer verbindlich, geht es um mehr, hat sie empfehlenden Charakter.

Kunden steht jederzeit der Klageweg offen. Das Verfahren beim Ombudsmann ist für Verbraucher kostenlos. Solange es läuft, ist die Verjährung angehalten.

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