Ärzte Zeitung, 07.02.2013

Versicherung

Ecclesia will Haftpflicht-Dilemma der Kliniken lösen

Behandlungsfehler werden immer teurer. Vielen Krankenhäusern fällt es deshalb schwer, eine Haftpflichtversicherung zu finden. Die Detmolder Ecclesia denkt nun über Abhilfe nach.

Von Anne-Christin Gröger

Ecclesia will Haftpflicht-Dilemma der Kliniken lösen

Immer mehr Versicherungskonzerne geben ihr Haftpflichtgeschäft mit den Krankenhäusern aus Furcht vor hohen Schadensersatzzahlungen auf.

© N-Media-Images / Fotolia.com

HAMBURG. Der Detmolder Versicherungsmakler Ecclesia überlegt, einen eigenen Versicherer zu gründen, um den Belastungen für deutsche Kliniken durch hohe Haftpflichtprämien ein Ende zu bereiten.

"Wir denken über ein alternatives Selbsthilfemodell für die Gesundheitswirtschaft nach", sagte Franz Michael Petry, Geschäftsführer bei Ecclesia, auf der Euroforum-Konferenz "Haftpflicht 2013" in Hamburg.

"Wir prüfen, ob wir mit alternativen Möglichkeiten besser dastehen als mit dem, was der Markt bietet."

Viele Kliniken mit großen Problemen

Ecclesia gehört den beiden großen christlichen Kirchen. Sie betreiben viele Krankenhäuser, deswegen ist diese Versicherungssparte besonders wichtig für den Makler.

Seitdem sich der große Anbieter Zurich wegen hoher Schäden komplett aus der Haftpflichtversicherung für Kliniken zurückgezogen hat, haben viele Häuser große Probleme, bezahlbare Deckungen zu finden.

Auch andere Gesellschaften wie die Provinzial Nordwest und die Stuttgarter Sparkassenversicherung wollen keine Krankenhäuser mehr versichern, sagte Petry. Andere nähmen zwar noch Neugeschäft an, aber nur zu 25 bis 50 Prozent höheren Prämien.

"Es gibt ein Oligopol von vier oder fünf Krankenhaushaftpflichtversicherern, die deutschlandweit operieren, und drei oder vier regionale Gesellschaften", so Petry.

Die Haftpflichtkrise ist das Ergebnis der stetig steigenden Schadenssummen, vor allem im Bereich der Personenschäden. Sie kosten die Versicherer pro Fall zwischen 15.000 Euro und 25.000 Euro monatlich.

211 Kliniken stehen ohne Schutz da

Pflege- und Erwerbskosten sind besonders teuer, sagte Petry. "Grund dafür ist unter anderem, dass viele Kinder mit Geburtsschäden heute das Erwerbsleben erreichen und eine beinahe normale Lebenserwartung haben. Das haben die Versicherer nicht eingerechnet."

270 Kliniken, die Ecclesia betreut, sind 2013 von höheren Prämien betroffen, 211 weiteren wurden die Verträge gekündigt. Trotz der extremen Prämiensteigerungen ist kein deutscher Versicherer bereit, neu in den Markt einzusteigen.

Ausländische Versicherer seien ebenfalls zurückhaltend, diese Risiken zu tragen, oder sie fordern noch wesentlich höhere Prämien als auf dem deutschen Markt üblich, berichtete Petry.

In den USA gibt es das Modell schon

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich eine Branche einen eigenen Versicherer baut, weil die traditionellen Anbieter sich zurückziehen. In den 1980er Jahren schlossen sich in den USA Industrie-Unternehmen zusammen und gründeten ihren eigenen Haftpflichtversicherer Excel, die heutige XL Insurance Group.

Damit reagierten sie auf astronomische Prämien und reduzierte Deckungssummen. In Deutschland gab es eine ähnliche Diskussion, als die Kreditversicherer 2008 als Reaktion auf die Wirtschaftskrise die Deckungssummen zurückfuhren.

Ein Hindernis für einen neuen Risikoträger könnte sein, dass er zu wenige Risiken zu versichern hätte, gab Petry zu. Helfen könnte auch ein Einschreiten der Politik.

"Wenn man die Möglichkeit der Sozialversicherungsträger zum Regress beschränkte, könnte das die Schadenssituation in manchen Fällen entspannen", sagte er.

Häufig übernehmen die Sozialversicherungsträger für Patienten erst einmal die Kosten für eine Behandlung oder die Reha, fordern das Geld aber später vom Versicherer zurück.

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