Ärzte Zeitung, 12.02.2014

Lebensversicherung

Lohnt der finanzielle Rettungsring noch?

Nicht einmal mehr zwei Prozent garantieren Lebensversicherer ihren Neukunden als Verzinsung. Verbraucherschützer raten von den Policen daher eher ab. Insbesondere neue Produkte, die ganz ohne Garantiezins auskommen, werden eher skeptisch gesehen.

Von Patrick Hagen und Friederike Krieger

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Lebensversicherungen galten bislang als sichere Ansparform für die zusätzliche Altersrente. Doch die sinkenden Grantiezinsen lassen langsam die Luft aus dem Rettungsring.

© fotomek / fotolia.com

KÖLN. Die Zeiten, in denen Lebensversicherungen eine hohe Rendite abgeworfen haben, sind vorbei. Garantierten die Gesellschaften Neukunden in den 90er Jahren noch eine Verzinsung von vier Prozent, sind es heute nur noch 1,75 Prozent. 2015 könnten es sogar noch weniger sein.

Die Deutsche Aktuarvereinigung hat vorgeschlagen, den sogenannten Höchstrechnungszins, den die Versicherer nicht überschreiten dürfen, auf magere 1,25 Prozent zu senken.

Verbraucherschützer raten davon ab, sich neue Policen zuzulegen, warnen aber auch vor übereilten Kündigungen bestehender Lebensversicherungen. "Wir empfehlen keinen Neuabschluss dieser Verträge", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Ihn stört vor allem, dass die Policen durch hohe Kosten für Vertrieb und Verwaltung belastet sind. Sie drücken die Rendite noch weiter. Denn verzinst wird nur der Sparanteil an den Beiträgen nach Abzug der Kosten.

Versicherer betonen gern, dass den Kunden über die Garantieverzinsung hinaus noch eine Beteiligung an den Überschüssen zusteht, die die Assekuranz zum Beispiel am Kapitalmarkt erwirtschaftet. "So kommt die Lebensversicherung noch auf eine Rendite von drei Prozent, das liegt deutlich über den Sparplänen von Banken", sagt Peter Schwark vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Nauhauser hält dagegen, dass die Überschussbeteiligung unverbindlich ist. "Kunden können sich nicht darauf verlassen, dass sie in den nächsten Jahren angemessen an den Überschüssen beteiligt werden", sagt er.

Die Überschussbeteiligung wird jedes Jahr neu festgelegt. Angesichts der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt sinkt auch sie beständig. Bei privaten Rentenversicherungen - der wichtigsten Sparte der Lebensversicherung - schrieben die Versicherer ihren Kunden 2014 eine laufende Verzinsung von 3,4 Prozent gut, nach 3,6 Prozent im Vorjahr. Das hat die Ratingagentur Assekurata berechnet.

Die Abkehr vom Zinsversprechen

Unter Einrechnung des Schlussüberschusses und anderer Gewinnbestandteile - darunter auch die Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven, auf deren Abschaffung die Assekuranz drängt - liegt die Verzinsung 2014 nach dem von Assekurata untersuchten Mustervertrag bei 4,31 Prozent, nach 4,67 Prozent in 2013.

Eine höhere Rendite versprechen die neuen Policen mit modifizierten Garantien, die einige Anbieter wie Allianz, Ergo und Axa in den vergangenen Monaten auf den Markt gebracht haben.

Hier gibt es keinen festen Garantiezins mehr, sondern nur noch das Versprechen, dass die eingezahlten Beiträge erhalten bleiben. Das ermögliche eine freiere Kapitalanlage, argumentieren die Versicherer.

"Die neuen Produkte bieten höhere Renditechancen, aber auch weniger Sicherheit für den Kunden", sagt GDV-Mann Schwark. Verbraucherschützer sehen die Verträge skeptisch. "Bei diesen Verträgen gibt der Kunde Garantien auf und muss dem Versicherer noch mehr vertrauen als bei klassischen Policen", sagt Nauhauser.

Verbraucherschützer empfehlen eher, außerhalb des Versicherungssystems Geld für das Alter anzusparen. Für risikobereite Kunden bieten sich nach Nauhausers Einschätzung Aktienindexfonds, sogenannte ETF an. Damit können Sparer an der allgemeinen Entwicklung bestimmter Aktienindizes wie dem Dax teilhaben, sind dabei aber nur mit sehr geringeren Kosten belastet.

Wer Wertschwankungen nicht aushält, kann auf einen Banksparplan setzen. Die Anlage orientiert sich an einem Referenzzins wie der Umlaufrendite."Sie sichert damit eine transparente Bindung an marktübliche Zinsen", sagt Nauhauser. Auch Rentenfonds, also Fonds, die in Unternehmens- und Staatsanleihen investieren, sind eine Möglichkeit.

Eine lebenslange Rente kann allerdings nur eine Versicherung bieten. Bei anderen Anlagen ist es möglich, dass das angesparte Geld irgendwann im Alter verbraucht ist. Allerdings ist es auch möglich, das andernorts angesparte Kapital später in eine sofort beginnende Rentenpolice zu investieren.

Altverträge von vor 2004 besser behaltenOb die Kündigung einer bestehenden Lebensversicherung sinnvoll ist oder nicht, kommt nach Ansicht von Verbraucherschützer Nauhauser auf den Einzelfall an. Policen, die vor 2004 abgeschlossen wurden, steuerfrei ausgezahlt werden und noch einen attraktiven Garantiezins haben, sollten in den meisten Fällen nicht gekündigt werden.

Ist der Abschluss dagegen weniger als fünf Jahre her, kann es sich lohnen, die Reißleine zu ziehen. Bei Verträgen, die in Kürze auslaufen, ist die Situation komplizierter. "Die Frage ist, was die Politik zu den Bewertungsreserven entscheidet", sagt Nauhauser.

Sollte die Beteiligung der Kunden an den Reserven auf festverzinsliche Papiere gestrichen oder gekürzt werden, könnte es sich häufig lohnen, die Verträge vorher zu kündigen.

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