Ärzte Zeitung, 24.10.2014

Versicherung übers Netz

Vorsicht vor zu schnellen Klicks

Direktversicherer bieten Policen im Internet an, die sich bequem mit einigen wenigen Klicks abschließen lassen. Nicht jeder Vertrag eignet sich jedoch für einen Online-Abschluss.

Vorsicht vor zu schnellen Klicks

Tarifvergleich im Web ist nicht immer unproblematisch.

© John Janssen / iStockPhoto

KÖLN. Versicherungen online abzuschließen ist bequem und gerade bei Kfz-Versicherungen äußerst beliebt. Viele Versicherer betreiben deswegen Direktversicherungstöchter, auf deren Seiten Verbraucher per Klick zur gewünschten Police kommen.

Die CosmosDirekt ist auf Lebensversicherungen spezialisiert und gehört zur Generali. Die HUK-Coburg betreibt ihren eigenen Direktversicherer HUK24.

Zur Ergo gehört ErgoDirekt. Auch Vergleichsportale wie Check24, Verivox, autoversicherung.de oder Geld.de bieten auf ihrer Seite den direkten Abschluss an.

Oft suggerieren die Vergleichs-Plattformen, unabhängige Verbraucherportale zu sein. Das stimmt jedoch nicht. Kunden sollten wissen, dass dahinter wirtschaftlich eigenständige Unternehmen stehen.

Sie sind Makler oder Versicherungsvertreter. "Dahinter stecken ökonomische Interessen", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Die Versicherer kooperieren mit diesen Portalen und zahlen für jeden abgeschlossenen Vertrag eine Provision.

Beim Marktführer Check24 sind das in der Autoversicherung 70 Euro bis 100 Euro. Zudem bieten die Portale oft nicht den gesamten Marktüberblick. "Manche Versicherer verkaufen überhaupt nicht über Online-Portale, andere sind nur bei einzelnen vertreten", sagt Boss.

Vergleichsportale im Vergleich

In der Fülle der Angebote können Versicherte leicht den Überblick verlieren, welche Portale seriös arbeiten und welche sie besser meiden sollen. Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa hat Anfang des Jahres einen Leitfaden veröffentlicht, wie Verbraucher ein gutes Vergleichsportal erkennen können.

Dazu gehört ein Hinweis, wie viele Versicherungen verglichen werden, welche dazu gehören und warum sie für den Vergleich herangezogen wurden. Außerdem sollten die Portale nicht nur den Preis vergleichen, sondern auch Bedingungen wie Laufzeit, Selbstbeteiligungen oder Ausschlussklauseln.

Der Anbieter sollte sein Finanzierungskonzept offenlegen. Wenn er eine Provision vom Versicherer bekommt, sollte das gekennzeichnet sein. Zudem sollte erkennbar sein, mit wem das Portal zusammenarbeitet und wie diese Zusammenarbeit aussieht.

Wer überlegt, eine Versicherung online abzuschließen, sollte sich zunächst gut über die geplante Police informieren, raten Verbraucherschützer. "Vergleichsportale gehen vor allem nach dem Preis", sagt Christoph Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die Bedingungen werden häufig nicht beim Vergleich berücksichtigt. Er sieht die Gefahr bei Internetabschlüssen, dass in ein paar Klicks alles erledigt ist, ohne dass der Kunde genau geprüft hat, ob die Bedingungen zu seinen Wünschen passen.

Auch bei Direktversicherern lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte. Beispiel Kfz-Versicherung: "Manche Anbieter versichern keine grobe Fahrlässigkeit, andere nur den Zusammenstoß mit Haarwild", sagt Boss vom BdV. Stößt der Fahrer mit einer Kuh oder einem Hund zusammen, ist das nicht versichert.

Hat sich ein Kunde vorab genau über Bedingungen und Ausschlüsse informiert, spricht nichts dagegen, eine Kfz-Versicherung, eine private Haftpflicht oder eine Hausratversicherung über das Internet abzuschließen, sagt Grieble.

Nicht jede Police ist online-tauglich

Allerdings eignen sich nicht alle Verträge für einen Online-Abschluss. Monika Maria Risch, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein, rät davon ab, Lebensversicherungen oder Berufsunfähigkeitspolicen im Internet abzuschließen.

Das gilt auch für Risikolebensversicherungen. Bei diesen Policen müssen Ärzte genaue Angaben zu ihrem Gesundheitszustand machen. Danach berechnen die Versicherer die Prämie.

Wer sich mit Rückenschmerzen herumplagt, Allergien hat oder regelmäßig Medikamente einnimmt, muss einen Risikozuschlag zahlen. "Die Gesundheitsfragen lassen sich online durch Anklicken nur unzureichend beantworten", sagt Risch.

Gerade bei Policen, die die Existenz absichern, ist jedoch wichtig, dass die Angaben zum Gesundheitszustand korrekt und vollständig sind. Sonst kann der Versicherer im Schadenfall die Zahlung verweigern und sich darauf berufen, dass der Kunde bei Vertragsabschluss unehrlich war. (acg)

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