Ärzte Zeitung, 26.11.2014

Ausgabendynamik

GKV und PKV auf lange Sicht gleichauf

Der aktuelle Zahlenbericht der Privaten Krankenversicherung weist für 2013 Gesamtausgaben der Versicherer von rund 24,3 Milliarden Euro aus. In der Pflege haben die Ausgaben mit zehn Prozent deutlich stärker zugelegt als in der Krankenversicherung mit moderaten vier Prozent.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Bei der ambulanten Arztbehandlung hat sich die Ausgabendynamik der privaten Krankenversicherer (PKV) und der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in den vergangenen elf Jahren angeglichen. Anders sieht es in den Bereichen Krankenhausbehandlung, Zahnbehandlung und -ersatz sowie Arznei- und Verbandmittel aus: Dort sind die PKV-Leistungen von 2003 bis 2013 deutlich stärker gestiegen als in der GKV.

Das geht aus dem "Zahlenbericht der Privaten Krankenversicherung 2013" hervor. Danach sind die Ausgaben für die ambulante Arztbehandlung in der GKV von 2003 bis 2013 um knapp 39 Prozentpunkte gestiegen, in der PKV dagegen um knapp 38 Prozentpunkte.

Höheres Ausgabenniveau in der PKV

Ausschlaggebend für diesen Effekt ist die Entwicklung im vergangenen Jahr. 2013 haben die PKV-Unternehmen je Versicherten 4,8 Prozent mehr ausgegeben als 2012, während die Zunahme bei den gesetzlichen Krankenkassen stolze elf Prozent betrug. Der starke Anstieg ist vor allem auf den Wegfall der Praxisgebühr Anfang 2013 zurückzuführen. Hinzu kommen die Effekte durch die vereinbarte Honorarsteigerung und die Ausdeckelung psychotherapeutischer Leistungen.

Auch bei den Zahnleistungen legten die Ausgaben im vergangenen Jahr in der GKV (plus 7,3 Prozent) stärker zu als bei den Privaten (plus 5,9 Prozent). Im stationären Sektor verzeichnete die PKV einen Anstieg um 4,4 Prozent, in der GKV waren es 3,9 Prozent.

Über alle Leistungsbereiche nahmen die Krankheitskosten der PKV 2013 um 4,9 Prozent zu, die der GKV um 5,3 Prozent. "Die verglichen mit der Gesetzlichen Krankenversicherung geringere Dynamik im ambulanten Bereich und bei den Zahnleistungen darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aufwendungen in der PKV von einem höheren Ausgabenniveau aus steigen, da die privatärztlichen Gebührenordnungen von ihrem Grundsatz her deutlich über die Vergütungen in der GKV hinausgehen", heißt es im Zahlenbericht.

Insgesamt gaben die 43 Mitglieder des PKV-Verbands im vergangenen Jahr 5,7 Milliarden Euro für die ambulante Arztbehandlung aus (+3,8 Prozent). Im Jahr zuvor war die Zunahme mit plus 1,2 Prozent noch deutlich moderater ausgefallen. Die ambulante Arztbehandlung war 2013 der mit Abstand größte Einzelposten bei den PKV-Ausgaben, gefolgt von den allgemeinen Krankenhausleistungen mit 3,9 Milliarden Euro und der Wahlleistung Chefarzt mit 2,4 Milliarden Euro.

In der Krankenversicherung gaben die Unternehmen zusammen 23,4 Milliarden Euro aus, das war eine Zunahme um fast vier Prozent. Hinzu kamen 857 Millionen Euro in der Pflegeversicherung, die mit rund zehn Prozent deutlich stärker zulegte.

Höchstrechnungszins bedient

Der PKV-Verband hat erneut eine Stichprobe von 20.000 Arztrechnungen mit Blick auf die GOÄ-Steigerungssätze ausgewertet. 2012 - neuere Daten liegen hierzu noch nicht vor - haben demnach die Ärzte 81,6 Prozent der Rechnungen nach dem 2,3-fachen Regelhöchstsatz ausgestellt. Das war etwas weniger als 2011 mit 83,5 Prozent. 9,1 Prozent brachten den 3,5-fachen Satz zur Anwendung, nach 8,3 Prozent. 0,3 Prozent gingen über den Höchstsatz hinaus (2011: 0,2 Prozent), 6,9 Prozent blieben unter dem 2,3-Fachen (5,5 Prozent).

Die PKV-Unternehmen kamen 2013 zusammen auf Kapitalanlagen von rund 218 Milliarden Euro nach 202 Milliarden Euro im Vorjahr. Sie erwirtschafteten damit Erträge von 8,5 Milliarden Euro (plus drei Prozent). Die durchschnittliche Nettoverzinsung betrug 4,03 Prozent (Vorjahr: 4,21 Prozent).

Die Branche habe den Höchstrechnungszins von 3,5 Prozent erneut sicher bedient, schreibt Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach im Vorwort des aktuellen Zahlenberichts. Die Alterungsrückstellungen erhöhten sich 2013 um 6,8 Prozent auf 194 Milliarden Euro. "Damit haben sich die Alterungsrückstellungen der Versicherten in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt."

Die Abschlusskosten der Versicherer sanken im vergangenen Jahr von 2,6 Milliarden Euro auf 2,4 Milliarden Euro. Hier macht sich unter anderem das geringere Neugeschäft in der Vollversicherung bemerkbar. Die Verwaltungskosten betrugen 843 Millionen Euro (879 Millionen).

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