Ärzte Zeitung, 12.10.2016

Cyberdiebstahl

ein Fall für die Versicherung?

Hat eine Versicherung gegen Internetdiebstahl Sinn? Verbraucherschützer sind da skeptisch.

Frage: In meinem Bekanntenkreis gab es kürzlich einen Fall von Identitätsdiebstahl. Betrüger hatten sich Zugang zum Paypal-Konto eines Freundes verschafft und auf seine Kosten Dinge im Internet bestellt.

Der Schaden betrug rund 2000 Euro. Nun frage ich mich: Kann und sollte ich mich gegen solche Art der Internetkriminalität versichern?

Antwort: Im Zeitalter des Internets haben auch die Versicherer den Bereich Cyberkriminalität für sich entdeckt. Allerdings bieten nicht viele Gesellschaften eine solche Deckung an.

Die Webaktiv-Versicherung der Arag soll Kunden bei Problemen mit Online-Käufen oder Kreditkartenbetrug helfen. Kunden, die im Internet gemobbt oder beleidigt werden, können sich über Experten, die die Arag vermittelt, professionelle Hilfe suchen. Auch die R+V und die Stuttgarter SV Sparkassenversicherung bieten speziellen Schutz für Privatleute.

Aber oft konzentrieren sich die Leistungen der Versicherer nur auf die juristische Unterstützung nach Cyberangriffen: Wird der Nachwuchs in sozialen Netzwerken gemobbt, vermittelt Arag einen Anwalt, der sich um die Löschung der Daten kümmert. Die SV Sparkassenversicherung und die R+V bieten neben Rechtsberatung auch psychologische Betreuung von Mobbing-Opfern.

Vermögensschäden wie im Fall Ihres Bekannten sind dagegen nicht in allen Verträgen mitversichert. Die R+V erstattet finanzielle Schäden – etwa bei Betrug beim Online-Kauf oder Online-Banking – mit maximal 10.000 Euro. Bei der Arag sind solche Verluste nur in einer erweiterten Variante mitversichert.

Verbraucherschützer sehen das Angebot der Internet-Versicherung kritisch, weil Verbraucher viele Leistungen der Versicherer – etwa Anwaltssuche – auch selbst übernehmen können, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Außerdem sind viele Internetrisiken oft in neuen Haftpflicht- oder Rechtsschutzversicherungen mitversichert. Dazu kommt das Beweis-Problem: "Geschädigte müssen dem Versicherer beweisen, dass Kriminelle sich Zugriff auf Accounts verschafft haben, das ist oft schwierig", sagt Weidenbach. (acg)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »