Ärzte Zeitung, 20.06.2005

ANALINKONTINENZ

Anale Inkontinenz hat meist eine degenerative Ursache

Anale Inkontinenz ist für Betroffene ein gravierendes Problem. Doch aus Scham sprechen viele Patienten von sich aus nicht darüber. Das ist tragisch, gibt es doch gute Therapiemöglichkeiten je nach Ausmaß der Inkontinenz. Wie läßt sich die genaue Ursache am besten diagnostizieren und welche Behandlung ist dann in der Praxis möglich?

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Dr. Dorothea Geile - als Ärztin für Chirurgie und in einer Spezialpraxis für Funktionsstörungen in der Proktologie in München tätig - kennt die Problematik bei Analinkontinenz aus ihrer täglichen Arbeit und zeigt in ihrem Vortrag die diagnostischen Möglichkeiten und die möglichen Therapieformen in der Praxis auf.

Wichtig ist zum Beispiel die Kenntnis der multifaktoriellen Genese. So lag bei knapp 64 Prozent von 1000 Inkontinenz-Patienten in einer proktologischen Praxis eine degenerative Ursache vor. Bei elf Prozent war eine Kolon-Erkrankung ursächlich, bei je zehn Prozent ein neurogener oder muskulärer Defekt. Bei den restlichen Patienten lagen andere Ursachen wie Mißbildungen vor.

Betroffen sind von der analen Inkontinenz mehr Frauen als Männer. Als einen der Gründe hierfür nennt Geile den Faktor Geburt: So werden bei recht vielen Frauen nach der Entbindung okkulte Sphinkterverletzungen diagnostiziert. Ein weiteres Problem: Vor allem Zangenentbindungen führen in einem hohen Prozentsatz zu einer Pudendusneuropathie.

Meist liegt kombinierte Schädigung vor

Ätiologisch handelt es sich aber selten um einen Einzelschaden, sondern meist um eine kombinierte Schädigung, wie Geile in ihrem Vortrag betont. Zur praxisorientierten Diagnostik gehört dann eine proktologische Basisdiagnostik, ergänzt mit Zusatzuntersuchungen wie endoanaler Sonographie, Manometrie, Kontraktionsmessung mittels Oberflächen-EMG oder ein Nadel-EMG. Die Verfahren, die sie im Einzelnen erläutert, helfen, Art, Ausmaß und beteiligte Strukturen zu erfassen.

Therapie soll auf langfristigem Konzept basieren

Die Kollegin macht auch deutlich, daß den Patienten mit analer Inkontinenz nur dann geholfen werden kann, wenn die Therapie auf einem langfristigen Konzept basiert. Doch welche Behandlungsmöglichkeiten können derzeit in einer niedergelassenen Praxis bei analer Inkontinenz angeboten werden? Auch das erläutert die Kollegin in ihrem informativen Vortrag. Nicht besprochen werden chirurgische Maßnahmen wie Sphinkter-Rekonstruktionen oder das neue Analband. (run/ikr)

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