Ärzte Zeitung, 23.04.2009

Therapiemöglichkeiten sind je nach Tremor-Typ unterschiedlich gut

Tremor gehört zu den häufigsten neurologischen Symptomen. Er kann als eigenständige neurologische Erkrankung oder auch im Rahmen anderer neurologischer oder internistischer Erkrankungen sowie als Medikamentennebenwirkung auftreten. Privatdozent Henrik Wilms vom Universitätsklinikum Heidelberg geht in seiner zertifizierten Fortbildung "Tremor" vor allem auf den primär neurologischen Tremor ein, und hier auf die Differenzialdiagnose und Therapie.

In der klinischen Untersuchung sollte zum einen die topografische Verteilung des Tremors (betroffene Körperteile, einseitig oder bilateral) bestimmt werden. Zum anderen sollte der Tremor der meist betroffenen Hände immer unter verschiedenen Innervationsbedingungen untersucht werden, so Wilms.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einem Tremor bei Bewegungen (kinetischer Tremor), einem Tremor, der in der Terminalphase der Bewegungen deutlich zunimmt (Intentionstremor) und einem Tremor, der sowohl bei Halteinnervation als auch bei Bewegungen auftritt.

Die Frequenz des Tremors kann klinisch - mit etwas Übung - grob eingeschätzt und drei Frequenzbereichen zugeordnet werden (niederfrequent: 3 - 4 Hz, mittelfrequent: 5 - 7 Hz, hochfrequent: ≥ 8 Hz). Mittels Spektralanalyse elektromyografischer oder akzelerometrischer Ableitungen kann dann die genaue Frequenz bestimmt werden. Eine sichere differenzialdiagnostische Zuordnung lässt sich allerdings aufgrund der großen Überlappung des Frequenzbereiches nur selten treffen.

Der häufigste primär neurologische, pathologische Tremor ist der essenzielle Tremor (ET, geschätzte Prävalenz: 0,4 - 6 Prozent). Er ist in der Regel von Anfang an ein bilateraler, wenn auch häufig asymmetrischer Aktionstremor, der sowohl bei isometrischer Innervation (Haltetremor) als auch bei Bewegungen (kinetischer Tremor) auftritt. Bei 50 - 90 Prozent der Patienten bessert sich der ET teilweise dramatisch unter Alkohol (z. B. 1 - 2 Gläser Wein). Der verstärkte physiologische Tremor als ebenfalls bilateraler Haltetremor ist oft schwierig gegen den ET abzugrenzen.

Der Parkinson-Tremor ist in seiner klassischen Form (Typ I) ein typischer 4- bis 7-Hz-Ruhetremor. Er beginnt fast immer einseitig und bleibt auch im Verlauf stark asymmetrisch.

Der orthostatische Tremor ist differenzialdiagnostisch einfach zu bestimmen - er betrifft hauptsächlich die Beine und äußert sich fast ausschließlich in einer schweren Stand- und Gangstörung. Als Beispiele für weitere Tremor-Typen seien genannt: der klassische dystone, der zerebelläre, der Holmes- und der psychogene Tremor.

Die Therapiemöglichkeiten sind je nach Tremor-Typ unterschiedlich gut. Bei Patienten mit ET zum Beispiel sollte ein Versuch mit Propanolol oder Primidon jeweils als Monotherapie und dann in Kombination unternommen werden. Bei starker Behinderung kann bei Patienten, die nicht darauf angesprochen haben, eine tiefe Hirnstimulation (VIM-Kern des Thalamus) erwogen werden.

Die Therapie von Parkinson-Patienten mit Tremor ist stark von der Ausprägung des begleitenden Parkinson-Syndroms abhängig. Beim orthostatischen Tremor werden zum Beispiel Clonazepam und Primidon erfolgreich eingesetzt.(otc)

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