Ärzte Zeitung, 15.10.2009

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Bei akuter Pankreatitis ist adäquate Schmerztherapie nötig

Bei einer akuten Pankreatitis ist die Letalität - vor allem bei schweren Verlaufsformen - mit bis zu 20 Prozent sehr hoch. Die Inzidenz der plötzlich auftretenden Entzündung der Bauchspeicheldrüse liegt pro Jahr bei fünf bis zehn pro 100 000 Einwohner. Häufigste Ursachen sind mit 50 bis 60 Prozent Gallenwegserkrankungen und zu 30 bis 40 Prozent ein Alkoholabusus. Seltenere Auslöser sind zum Beispiel Infektionen oder Medikamentennebenwirkungen.

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Eine Sonografie des Abdomens ist in der akuten Situation das Verfahren der Wahl: Typisch ist eine vergrößerte, unklar begrenzte Pankreasloge. Gezielt sollte nach Nekrosen, Abszessen und Pseudozysten gesucht werden.

Foto: Robert Michael

Den typischen "Pankreatitis-Schmerz" gibt es nicht, so Privatdozent Niels Teich und Professor Joachim Mössner aus Leipzig. Oft klagen die Patienten jedoch über plötzlich einsetzende, starke Oberbauchschmerzen, die gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen. Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen und Meteorismus. Der Darm ist meist paralytisch. Das Abdomen ist diffus druckschmerzhaft. Durch die retroperitoneale Lage des Pankreas ist die Bauchdecke nur mäßig und "gummiartig" angespannt.

Die wichtigsten Labor-Marker für eine Pankreatitis sind:

  • Pankreasenzym Lipase im Serum
  • Cholestase-Parameter γ-Glutamyl-Transferase (g-GT) alkalische Phosphatase (aP) direktes Bilirubin
  • Entzündungs-Parameter C-reaktives Protein (CRP) evtl. Prokalzitonin (PCT)
  • Die Lipase ist der spezifischste Marker der Pankreas-Zellschädigung. So gilt zum Beispiel bei Patienten mit akuten Oberbauchschmerzen und mindestens dreifach erhöhter Lipase die Diagnose als gesichert.

    Die Basis der Therapie sind die umfassende Volumensubstitution und eine adäquate Schmerztherapie. Der erstbehandelnde Arzt sollte daher rasch ein bis zwei großlumige periphere Venenzugänge legen. Die Punktionsverhältnisse können sich innerhalb kürzester Zeit drastisch verschlechtern. Anschließend wird sofort Volumen gegeben. Die aggressive Flüssigkeitstherapie reduziert zum einen das Risiko für ein prärenales Nierenversagen und zum anderen möglicherweise auch das Risiko, eine nekrotisierende Pankreatitis zu entwickeln. Geeignet sind Vollelektrolytlösungen oder fünfprozentige Glukoselösung. Bei Patienten ohne weitere Komorbiditäten empfehlen die Autoren vier bis acht Liter in den ersten 24 Stunden. Bei Patienten mit kardiopulmonalen Vorerkrankungen oder in höherem Alter muss gegebenenfalls vorsichtiger infundiert werden.

    Da eine akute Pankreatitis sehr starke abdominale Schmerzen verursacht, ist eine adäquate Schmerztherapie nötig und möglich. Mit der Therapie kann sofort begonnen werden. In der Regel sind hochpotente Opioid-Analgetika erforderlich. Grundsätzlich können alle Opioide verwendet werden.

    Eine antibiotische Therapie sei bei leichter akuter Pankreatitis ohne Cholangitis nicht erforderlich, so die Autoren. Bei schwerer akuter Pankreatitis dagegen könne eine Antibiotika-Prophylaxe erwogen werden, um die bakterielle Besiedlung der Nekrosen zu verhindern. Internationale Konsensuskonferenzen empfehlen aber, auch hier darauf zu verzichten. Werden Antibiotika gegeben, muss darauf geachtet werden, dass sie pankreasgängig sind. (otc)

    Zu dem Modul "Pankreatitis: Schmerz trifft auf Gummibauch"

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