Ärzte Zeitung, 10.11.2009

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Ziel ist die vollständige medizinische und psychosoziale Rehabilitation

Das Mammakarzinom ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen: Jährlich werden nahezu 60 000 Neuerkrankungen registriert. Zudem verursacht Brustkrebs die meisten Todesfälle durch Krebs bei Frauen.

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Die Brust sollte von der Patientin mindestens einmal pro Monat selbst untersucht werden - die korrekte Vorgehensweise sollte im Rahmen der Nachsorge geschult werden.

Foto: Forgiss©www.fotolia.de

Um die Versorgungsqualität dieser Frauen weiter zu verbessern, wurde vergangenes Jahr die S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) aktualisiert. Besonderer Wert wird vor allem auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowohl in der Diagnostik als auch in der Nachsorge gelegt.

Ziel der Nachsorge sei die vollständige medizinische und psychosoziale Rehabilitation der Patientin, bekräftigt Professor Tjoung Won Park-Simon von der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie erfordere eine enge Zusammenarbeit von Hausarzt, primär behandelnder Klinik, Rehabilitationsmedizinern, Psychoonkologen und anderen onkologisch spezialisierten Fachkräften, erläutert Park-Simon in ihrer zertifizierten Fortbildungseinheit "Nach dem Brustkrebs: Rezidive und Risiken erkennen".

Die Nachsorgephase sollte mindestens zehn Jahre dauern, da es zum Beispiel Hinweise gibt, dass bei hormonsensitiven Tumoren die meisten Rezidive erst nach fünf Jahren auftreten. Beginnen sollte die Nachsorge nach abgeschlossener Primärbehandlung. Die Nachsorge umfasst in engerem Sinne strukturierte Untersuchungen, mit denen frühzeitig Rezidive oder Zweittumoren erkannt werden sollen. Sie beinhaltet aber auch die Begleitung der Patientinnen während einer Langzeittherapie.

Die aktualisierte Leitlinie empfiehlt, sich auch bei der Nachsorge an den Symptomen zu orientieren. Bei asymptomatischen Patientinnen wird ein konservatives Vorgehen empfohlen. Die Untersuchungen umfassen die

  • gezielte Anamnese,
  • klinische Untersuchung der Brust,
  • Mammografie,
  • übliche regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchung.

Ein apparatives und serologisches Staging wird von den Fachgesellschaften nicht befürwortet.

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Das Risiko für Brustkrebspatientinnen, ein kontralaterales Mamma-karzinom zu entwickeln, ist deutlich erhöht - daher sollte engmaschig mammografiert werden.

Foto: dpa

Bei symptomatischen Patientinnen wird eine gezielte Abklärung mit onkologischem Staging empfohlen. Ziel ist es, Fernmetastasen zu identifizieren und das Ausmaß der Metastasierung zu erfassen.

Die Rezidivrate beim Mammakarzinom ist hoch: Trotz verbesserter Therapieansätze liegt sie bei 30 bis 70 Prozent. Etwa 60 bis 80 Prozent der Rezidive treten in den ersten drei Jahren nach der Primärtherapie auf.

Bei der Nachsorgeuntersuchung muss gezielt auf therapieassoziierte Nebenwirkungen und Langzeitkomplikationen geachtet werden. Typische postoperative Komplikationen sind Serombildung, Wundinfektion und Armödem. Nach einer Strahlentherapie können Hautschäden auftreten. Klinisch häufige Langzeitkomplikationen einer multimodalen Therapie sind Osteoporose, Kardiotoxizität und Thrombembolien.(otc)

Zu dem Modul "Nach dem Brustkrebs: Rezidive und Risiken erkennen"

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