Ärzte Zeitung, 16.05.2011

Neues in Sachen Diagnostik und Therapie bei Alzheimer

Alzheimer-Demenz

Neues in Sachen Diagnostik und Therapie bei Alzheimer

Die Demenz vom Alzheimer-Typ ist in Deutschland die häufigste psychiatrische Erkrankung im Alter. Über eine Million Menschen sind davon betroffen. Aufgrund der demografischen Entwicklung steigt die Zahl bis zum Jahr 2030 vermutlich weiter auf eineinhalb Millionen, bis zum Jahr 2050 auf zwei Millionen.

Neues in Sachen Diagnostik und Therapie bei Alzheimer

Bildgebende Verfahren sind ein fester Bestandteil der Basisdiagnostik mit dem Ziel, die Ätiologie der Demenz zu klären.

© Getty Images / iStockphoto

Die Betroffenen werden irreversibel dement. In der Regel sterben sie innerhalb von sieben Jahren nach der Erstdiagnose.

Ein Zwischenstadium zwischen normalen altersbedingten kognitiven Veränderungen und einer Demenz kann die leichte kognitive Störung (LKS) sein. Das erläutern Privatdozent Juan Manuel Maler und Professor Johannes Kornhuber vom Universitätsklinikum Erlangen in der zertifizierten Fortbildung "Alzheimer: Ran ans Hirn mit dem richtigen Konzept".

Neues in Sachen Diagnostik und Therapie bei Alzheimer

Die Demenz vom Alzheimer-Typ ist in Deutschland die häufigste psychiatrische Erkrankung im Alter. Über eine Million Menschen sind davon betroffen.

© GranAngular / imago

Die Diagnose einer Demenz in der präklinischen Phase ist schwierig. Nur etwa ein Drittel aller Patienten mit Demenz weist bereits drei Jahre vor Diagnosestellung kognitive Defizite auf. Zusätzlich vorliegende psychiatrische Symptome oder/und Erkrankungen erschweren die Diagnosestellung.

Außer Anamnese, Fremdanamnese sowie klinischer Untersuchung sollten standardisierte psychometrische Tests angewandt werden, wie zum Beispiel der Mini-Mental-Status-Test oder DemTect. Außerdem sollten folgende Laborparameter orientierend bestimmt werden: Blutbild, TSH, Natrium, Kalium, Kalzium, Blutzucker und Urin.

Bildgebende Verfahren sind ein fester Bestandteil der Basisdiagnostik mit dem Ziel, die Ätiologie der Demenz zu klären. Mittels Magnetresonanztomografie (MRT) können bei 5 Prozent aller Patienten potenziell reversible Ursachen aufgedeckt werden. Zudem lassen sich degenerative oder vaskuläre Veränderungen mit visuellen Ratingskalen quantifizieren.

Die Bestimmung des Ruheglukoseumsatzes mit einer FDG-PET (Fluordeoxyglukose-Positronenemissionstomografie) hat eine hohe Aussagekraft. Typisch für die Alzheimer-Demenz ist ein Hypometabolismus im Gyrus cinguli und in bitemporalen Hirnarealen.

Mit dem Befund können Betroffene mit einer Sensitivität und Spezifität von über 90 Prozent von gesunden Kontrollpersonen unterschieden werden. Die Trennschärfe zu anderen Demenzen ist hoch.

Große Erwartungen werden zudem in die Amyloid-PET gesetzt. Mit ihr können Amyloidplaques in vivo sichtbar gemacht werden.

Die auffälligsten neuropathologischen Korrelate der Alzheimer-Demenz sind Tau-Proteine und β-Amyloid-Peptide. Beide Proteine lassen sich im Liquor nachweisen. Erniedrigte Aβ42-Werte und erhöhte Tau- oder Phospho-Tau-Werte gelten als unterstützendes Kriterium für die Diagnose einer Alzheimer-Demenz.

Für die Behandlung gilt: nicht-pharmakologische Therapien sollten früh beginnen und abhängig vom Krankheitsstadium abgestuft erfolgen. Bisher zur Verfügung stehende pharmakologische Optionen zielen vor allem darauf ab, kognitive Symptome zu verbessern, und den Krankheitsverlauf zu verzögern.

Eine neue Generation von Wirkstoffen ist derzeit in der Entwicklung. Sie wollen vorwiegend den neurodegenerativen Prozess selbst beeinflussen. Am weitesten sind die Ansätze zur Aβ-Immuntherapie: vor allem die passive Immunisierung mit humanen oder humanisierten monoklonalen Antikörpern gilt als vielversprechend. Andere Substanzen befinden sich in verschiedenen Stadien der Erprobung. (otc)

Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Alzheimer: Ran ans Hirn mit dem richtigen Konzept"

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