Ärzte Zeitung, 15.06.2011

Multimodale Therapiestrategien gelten mittlerweile als Standard

Magen- und Ösophaguskarzinom

Multimodale Therapiestrategien gelten mittlerweile als Standard

Patienten mit Magen- oder Ösophaguskarzinomen haben oft eine ungünstige Prognose, da die Symptome meistens spät wahrgenommen und die Erkrankungen erst spät erkannt werden. Die Fünf-Jahres- Gesamtüberlebensrate liegt in den Stadien II und III unter 50 Prozent. Allerdings haben sich in den letzten Jahren Diagnostik und Therapie deutlich verbessert.

Multimodale Therapiestrategien gelten mittlerweile als Standard

Plattenepithel-Karzinom des Ösophagus.

© www.endoskopiebilder.de / Albertinen-Krankenhaus

In Deutschland erkranken jährlich etwa 20.000 Menschen an einem Magen- und 5000 an einem Ösophaguskarzinom. Männer sind häufiger als Frauen betroffen: Das Verhältnis ist beim Magenkarzinom 3 : 2, und beim Ösophaguskarzinom sogar 4 : 1, wie Dr. Florian Lordick vom Städtischen Klinikum Braunschweig in seinem CME-Beitrag "Stopp dem Krebs in Magen und Ösophagus!" berichtet.

Als Risikofaktoren für ein Magenkarzinom werden vor allem Ernährungsgewohnheiten, Rauchen und Helicobacter-pylori-Infektionen angesehen. Seit Kühlschränke weit verbreitet sind, geht die Inzidenz des Magenkarzinoms zurück. Zuvor wurden die Lebensmittel gesalzen, geräuchert oder in Essig eingelegt, um sie haltbarer zu machen. Das scheint schädlich zu sein.

Zu den Risikofaktoren für ein Ösophaguskarzinom zählen Rauchen und Alkoholkonsum. Das trifft vor allem für das Plattenepithelkarzinom zu. Bei Adenokarzinomen spielen Übergewicht und ein damit verbundener gastroösophagealer Reflux eine wichtige Rolle.

In den vergangenen Jahren haben sich bei beiden Entitäten multimodale Therapiestrategien durchgesetzt. Entscheidend ist die individuelle, stadiengerechte Behandlung, bei der Nutzen und Risiken abgewogen werden. Die Prognose hängt stark davon ab, ob die Resektion optimal verläuft. Ziel ist die vollständige Entfernung des Tumors ohne Residuen (R0). Bei inkompletten Resektionen (R1 oder R2) gibt es keine Aussicht auf Heilung. Das Operationsrisiko ist daher nicht gerechtfertigt.

Magenkarzinom:
Derzeit wird empfohlen, bei einem Magenkarzinom im Stadium II oder III bereits präoperativ mit der Chemotherapie zu beginnen. Substanzen der Wahl sind Cisplatin und 5-Fluorouracil.

Multimodale Therapiestrategien gelten mittlerweile als Standard

Alkohol und Rauchen - beides gilt als Risikofaktor für die Entstehung eines Ösophaguskarzinom.

© Sven Weber / fotolia.com

Ösophaguskarzinom:
Bei Patienten mit Ösophaguskarzinom erschwert der beengte anatomische Raum im Mediastinum eine Resektion im Gesunden. Beim Adenokarzinom des Ösophagus verbessern sowohl eine präoperative Chemotherapie als auch eine kombinierte Radio-Chemotherapie das Gesamtüberleben signifikant im Vergleich zur alleinigen Chirurgie.

Beim Plattenepithelkarzinom des Ösophagus verlängert die präoperative Chemotherapie das Gesamtüberleben nicht signifikant. Anders die kombinierte Radio-Chemotherapie: Sie verbessert das Gesamtüberleben signifikant im Vergleich zur alleinigen Chirurgie. Die präoperative Radio-Chemotherapie gilt daher als Standard.

Eine adjuvante Therapie kann nur erfolgen, wenn sich der Patient in einem relativ guten Allgemeinzustand befindet und die möglichen Nebenwirkungen akzeptiert. Die adjuvante Chemotherapie kann bei einzelnen Patienten mit Magenkarzinom mit positivem Lymphknotenstatus indiziert sein. Nach unzureichender Lymphadenektomie kann beim Magenkarzinom eine adjuvante Radio-Chemotherapie erwogen werden. Eine adjuvante Radio-Chemotherapie beim Ösophaguskarzinom ist nicht etabliert. (otc)

Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Stopp dem Krebs in Magen und Ösophagus"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »