Strahlendermatitis

Erholungskapazität der Haut ist insgesamt sehr hoch

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Strahlendermatitis im Bereich der Thoraxwand links unter adjuvanter Bestrahlung der linken Mamma nach 45 Gy (25-mal 1,8 Gy).

Strahlendermatitis im Bereich der Thoraxwand links unter adjuvanter Bestrahlung der linken Mamma nach 45 Gy (25-mal 1,8 Gy).

© Prof. I. Adamietz

Die Haut dient primär als mechanischer Schutz des Körpers sowie als Flüssigkeits- und Infusionsbarriere. Die Thermoregulation ist eine weitere wichtige Aufgabe, ebenso Tastsinn und Drüsenfunktion. Diese ganzen Fähigkeiten können bei ausreichender Dosis und Größe der behandelten Hautareale durch ionisierende Strahlung beeinträchtigt werden.

Die Effekte der Radiotherapie an der Haut sind primär mit den Eigenschaften der Basalzellen der Epidermis sowie der Endothelzellen der kleinsten Gefäße in der obersten Schicht der Dermis assoziiert, so Professor Irenaeus Adamietz in der CME-Fortbildung "Strahlendermatitis".

Die morphologischen Veränderungen der Haut wurden experimentell im zeitlichen Verlauf bei Einzeit- und fraktionierter Bestrahlung untersucht, erläutert der Onkologe von der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Ruhr-Universität Bochum in Herne.

In der täglichen Routine wird vorwiegend die fraktionierte Bestrahlung angewandt. Aus pragmatischen Gründen wurden viele wissenschaftliche Erkenntnisse unter Einsatz der Einzeitbestrahlung gewonnen. Die qualitative Ausprägung der Strahleneffekte im Gewebe ist jedoch vergleichbar.

In der Epidermis kommt es unter fraktionierter Bestrahlung ab der 3. Woche zu einer linearen Basalzelldepletion, die zwischen der 4. und 5. Woche ihren Nadir erreicht. Bereits ab dem 15. Behandlungstag nimmt die mitotische Aktivität der Basalzelle allmählich zu.

Deren Mitoserate ist ab der 3. Woche der fraktionierten Strahlenbehandlung bis einige Tage nach deren Abschluss deutlich erhöht, wobei Zellzykluszeiten von nur 15 Stunden möglich sind. Es resultiert eine exponentiell beschleunigte Regeneration, die bereits bis zum Ende der 6. Bestrahlungswoche (eingestrahlte Dosis 60 Gy) die ursprüngliche Zellzahl wiederherstellt.

Insgesamt ist die Erholungskapazität der Haut sehr hoch. Selbst nach sehr hohen Einzeldosen regeneriert die Epidermis im Tiermodell (Schweinehaut) in weniger als 40 Tagen vollständig. In der Regel reicht eine einzige überlebende Basalzelle pro cm2 für eine komplette Regeneration der Epidermis aus.

Simulation der Bestrahlung einer Brustkrebspatientin mit Festlegung des Bestrahlungsfeldes.

Simulation der Bestrahlung einer Brustkrebspatientin mit Festlegung des Bestrahlungsfeldes.

© Fraunhofer IGD

In den ersten Wochen nach der Bestrahlung kann man an den Endothelzellen der Mikrogefäße des Stratum papillare keine morphologischen Veränderungen erkennen. Durch eine perivaskuläre Infiltration von Entzündungszellen können sich aber Ödeme und Erytheme bilden.

Spätnebenwirkungen des LENT/ SOMA-Schweregrads I - II verursachen den Patienten zumeist nur geringe Probleme wie trockene Haut mit Schuppung oder Juckreiz. Hingegen kann es durch die Ausdünnung der Kopfhaare, die Ausbildung von Teleangiektasien oder die Persistenz von Ödemen zu kosmetischen Problemen kommen.

Bei Fibrosen können geringgradige Bewegungseinschränkungen bestehen. Bei diesen Nebenwirkungen wird - in Ermangelung einer spezifischen Therapie - rein symptomatisch behandelt.

Spätnebenwirkungen Grad III - IV nach LENT / SOMA-Klassifikation sind gegenwärtig sehr selten. Für den Patienten sind sie häufig mit einem Funktionsausfall sowie dauerhaften, teilweise erheblichen Schmerzen verbunden.

Bei Patienten mit kleineren Ulzerationen kann zumindest vorübergehend eine Abheilung mit konservativen Behandlungsmethoden erreicht werden. Bei rezidivierenden Ulzerationen muss frühzeitig an eine chirurgische Deckung mittels gestieltem Lappen oder freier Transplantate gedacht werden. (otc)

Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Strahlendermatitis"

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