Ärzte Zeitung, 03.02.2015

Brandenburg

Projekt hilft Opfern nach Vergewaltigung

Vier Brandenburger Kliniken bieten nach Vergewaltigungen mehr als nur medizinische Hilfe an. So werden auch Beweise gesichert - vertraulich.

POTSDAM. In Brandenburg ist ein Projekt zur Opferhilfe nach einer Vergewaltigung gestartet. Vier Kliniken wirken an dem neuen Programm "Vergewaltigt - was nun? Medizinische Soforthilfe und vertrauliche Spurensicherung" mit.

Im Klinikum Frankfurt (Oder), in den Ruppiner Kliniken Neuruppin, im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus und im Ernst von Bergmann Klinikum Potsdam untersuchen und versorgen die Ärzte die Vergewaltigungsopfer nicht nur.

Sie besprechen mit den Patientinnen auch das weitere Vorgehen und vermitteln auf Wunsch den Kontakt zu Unterstützungseinrichtungen. Die Mitarbeiter an den Kliniken wurden dafür speziell geschult.

Zudem besteht an den vier Krankenhäusern das Angebot, dass Beweismaterial gesichert und anonymisiert aufbewahrt wird. Der ärztliche Untersuchungsbericht mit den Daten bleibt im Krankenhaus.

Spuren werden an sicherem Ort gelagert

Die gesicherten Spuren werden an einem sicheren Ort gelagert. Entscheidet sich ein Vergewaltigungsopfer später, doch Strafanzeige zu erstatten, kann es die Polizei auf die vertrauliche Spurensicherung hinweisen.

Die Brandenburgische Gesundheits- und Frauenministerin Diana Golze (Linke) ist überzeugt, dass das Angebot die Opfer stärkt. "Menschen, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind, stehen unter enormem psychischen Druck", so Golze.

Vor allem wenn die Täter zum Bekanntenkreis zählen, sei die Angst groß, dem Täter nach einer Anzeige schutzlos ausgeliefert zu sein.

"In solchen Fällen ist die vertrauliche Spurensicherung eine große Hilfe", so Golze. Die Polizei erfahre davon erst, wenn sich das Opfer für eine Anzeige entscheidet.

"Nimmt Betroffenen den Druck"

"Das nimmt den Betroffenen etwas Druck, denn so haben sie Zeit, in Ruhe eine Entscheidung zu treffen. Sie bekommen dadurch ein Stück der Entscheidungsgewalt zurück, die ihnen durch die abscheuliche Tat genommen wurde", so Golze weiter.

Sie rät Betroffenen in jedem Fall sofort einen Arzt aufzusuchen.

Etwa 20 bis 50 Prozent des Spurenmaterials werden nach Angaben des Gesundheitsministeriums später für eine Anzeige abgefordert. Das zeigen die Erfahrungen anderer Bundesländer, wo solche Angebote bereits bestehen.

In Brandenburg hat die Polizei 2013 182 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erfasst- 15 Prozent mehr als 2012. Das Gesundheitsministerium geht von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung wird bisher meist jedoch nur von den Opfern in Anspruch genommen, die Anzeige erstattet haben. Darauf weist das Ernst von Bergmann Klinikum hin.

Das neue Programm soll daher auch die akute medizinische Versorgung von der Thematik einer Strafanzeige abkoppeln. (ami)

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