Brandenburg: Praxis für den Bereitschaftsdienst

Der fahrende ärztliche Bereitschaftsdienst in Potsdam soll ergänzt werden mit einer speziellen Praxis. Start ist im Januar, die Entscheidung der KV Brandenburg ist allerdings keinesfalls unumstritten.

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Hält die Einrichtung von Bereitschaftsdienstpraxen für sinnvoll: Brandenburg KV-Chef Dr. Hans-Joachim Helming.

Hält die Einrichtung von Bereitschaftsdienstpraxen für sinnvoll: Brandenburg KV-Chef Dr. Hans-Joachim Helming.

© Mißlbeck

POTSDAM (ami). Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) eröffnet zum Jahresbeginn 2012 eine Bereitschaftsdienstpraxis neben der Rettungsstelle am Potsdamer St. Josef Krankenhaus.

Sie soll den fahrenden ärztlichen Bereitschaftsdienst ergänzen. Zugleich würden die Ärzte in der Rettungsstelle von der Behandlung sogenannter Bagatellerkrankungen entlastet, so KVBB-Chef Dr. Hans-Joachim Helming.

Laut KVBB war die Rettungsstelle des St. Josef-Krankenhauses 2010 mehrere tausend Mal Anlaufstelle für Patienten mit akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen.

"Wir glauben durch Beispiele belegen zu können, dass es im einen oder anderen Fall sinnvoll ist, Bereitschaftsdienstpraxen zu etablieren", sagte Helming bei der letzten Vertreterversammlung der KVBB.

Blaupause für weitere Einrichtungen

Die Bereitschaftsdienstpraxis ist Teil des Konzeptes KVRegioMed, das die Arbeitsgemeinschaft IGiB (Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg) von KVBB, AOK und Barmer GEK in Brandenburg zur Erprobung neuer Versorgungsmodelle gestartet hat.

Die Bereitschaftsdienstpraxis soll für vorerst neun Monate am Wochenende von 8 bis 20 Uhr und wochentags von 17 bis 20 Uhr geöffnet sein.

Wenn dieses Pilotprojekt erfolgreich verlaufe, könne es eine "Blaupause" für weitere Einrichtungen dieser Art in Brandenburg werden, so der Vorstandschef der AOK-Nordost Frank Michalak.

Unklar ist derzeit noch, ob die Bereitschaftsdienstpraxis für alle Patienten offen steht, oder nur für Versicherte der AOK Nordost, die bislang als einzige Kasse eine Finanzierungsvereinbarung mit der KVBB unterzeichnet hat.

FÄ spricht von "wirtschaftlicher Bedrohung"

Mit der Barmer GEK steht eine solche Vereinbarung laut KVBB noch aus. Der Landeschef der Barmer GEK Hermann Schmitt begrüßte aber die Idee einer solchen Einrichtung. Sie sei auch unter dem Aspekt der Vermeidung unnötiger Krankenhausbehandlungen interessant, so Schmitt.

Das Projekt stieß unmittelbar nach Bekanntgabe auf scharfe Kritik von Seiten der Freien Ärzteschaft (FÄ). FÄ-Chef Martin Grauduszus und der Regionalbeauftragte für Berlin/Brandenburg Dr. Daniel Panzer fürchten eine "bedrohliche wirtschaftliche Konkurrenzsituation für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen".

Zugleich handle es sich bei dem Projekt "um einen einsamen Vorstandsbeschluss, initiiert durch die AOK", so Panzer weiter. Er kritisierte, dass die Vertreterversammlung nicht um Zustimmung gebeten wurde.

Die KVBB wies die Vorwürfe als realitätsfern zurück. Ein Beschluss der Vertreterversammlung sei dafür nicht nötig. Bei der Vorstellung des Projekts in der letzten Vertreterversammlung haben sich die Ärzte-Vertreter nicht dazu geäußert.

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