UNICEF sieht immer mehr Kinder ohne Chance

BERLIN (fst). Das Kinderhilfswerk UNICEF sieht in Deutschland eine wachsende Ungleichheit beim Nachwuchs und beklagt fehlende Chancen für einen immer größeren Teil der Kinder.

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Das geht aus dem Bericht "Zur Lage von Kindern in Deutschland" hervor, den gestern Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und mehrere Kindheitsforscher in Berlin vorgestellt haben. UNICEF fordert einen Politikwechsel, bei dem das Wohlergehen der Kinder in den Mittelpunkt gerückt werden müsse. Der an Ressortgrenzen orientierte Politikansatz führe nicht weiter: "Politik für Kinder ist mehr als Familien- oder Bildungspolitik."

So könnten die unbefriedigenden Ergebnisse deutscher Schüler in der PISA-Studie "nicht ausschließlich auf die Qualität des Schulsystems" zurückgeführt werden. Große Bedeutung hätten etwa auch die Zusammenarbeit von Kindergärten und Schulen mit den Eltern oder eine frühzeitige Sprachförderung vor allem für Kinder aus anderen Kulturkreisen. Besorgnis erregend sei, dass 17 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Schule ohne Abschluss verlassen.

Noch weit entfernt sei die Politik vom selbstgesteckten Ziel, bis 2013 für mindestens ein Drittel aller Kinder unter drei Jahre Betreuungsplätze anzubieten. Im Jahr 2005 haben danach nur 6,3 Prozent der Kinder eine Kita besucht, im Osten waren es 36,6 Prozent. Die Besuchsquote sei bei Eltern aus einkommensschwächeren Familien geringer. Hier sei der Bund gefordert, sich an der Finanzierung der Betreuung zu beteiligen, heißt es im Bericht.

Auch die Kindergesundheitsstudie KIGGS habe gezeigt, dass beispielsweise Kinder mit Übergewicht besonders häufig aus benachteiligten Familien kommen. Doch Gesundheitserziehung und -förderung würden häufig immer noch als Belastung betrachtet - "weil Kinder keinen eigenen Beitrag zur GKV zahlen".

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