Apotheker plus, 17.12.2010

Zauberhafte Weihnachts(ge)nüsse

Nüsse und Mandeln gehören zur Vorweihnachtszeit wie Tannenzweige und Kerzen. Die Vorliebe für Nüsse ist keine neue Tradition. Haselnüsse, Walnüsse und Mandeln wurden schon vor langer Zeit geschätzt, auch als stark symbolträchtige Zauber- und Heilpflanzen.

Von Ursula Armstrong

Zauberhafte Weihnachts(ge)nüsse

Mandeln sind zwar Steinobst, deren Fruchtkern verzehrt wird. Dennoch gehören Mandelkerne zu jeder guten Nussmischung dazu.

© links: ug / rechts: Hera / Fotolia.com

Dass wir "Haselnuss und Mandelkern" besonders gern in der Weihnachtszeit essen, hat nur teilweise damit zu tun, dass sie gut schmecken, sich auch in früheren Jahrhunderten gut konservieren ließen und im Herbst reif werden. Hinter unserer Vorliebe für Nüsse steckt auch noch eine Art Erbe aus heidnischer Zeit. Denn Haselnuss, Walnuss und Mandeln sind uralte symbolträchtige Zauber- und Heilpflanzen.

Wie Funde aus Steinzeitgräbern belegen, werden zum Beispiel Haselnüsse schon seit Jahrtausenden von Menschen genutzt. In der Volksmedizin wurden Nüsse, Rinde und Blätter bei diversen Gebrechen eingenommen. Noch im 19. Jahrhundert wurde ein Blättersud gegen Geschwulste aller Art empfohlen.

Viel wichtiger war aber die kulturelle Tradition um den in Europa und Kleinasien weit verbreiteten Haselstrauch (Corylus avellana). Er galt als Symbol für Ehe, Reichtum und Familienglück. Im antiken Rom etwa war die Hasel ein Friedenssymbol. Für Kelten und Germanen war der Strauch ein beseeltes Gehölz. Ihn zu beschneiden stand unter Strafe. Denn im Haselstrauch wohnte "Frau Haselin", sie war dem Donnergott Thor geweiht und durfte nicht erzürnt werden. Frau Hasel war das Sinnbild des Lebens, der Fruchtbarkeit, der Selbsterneuerung. Mit einem Haselzweig sollte man sich zudem Schlangen und Hexen erwehren können. Bis heute werden vor allem Haselzweige als Wünschelruten verwendet.

Zauberhafte Weihnachts(ge)nüsse

Der Haselstrauch verkörperte bei vielen Völkern das erwachende Leben. Ging man "in die Haseln", hatte man ein Stelldichein.

© ug (2)

Und noch eine Bedeutung hat der Haselstrauch: Als Pflanze des frühesten Frühlings verkörperte er bei vielen Völkern das erwachende Leben und galt deshalb als Sexualsymbol. Ging man "in die Haseln", hatte man ein Stelldichein. Und uneheliche Kinder waren "aus einer Haselstaude entsprungen".

Ebenfalls eine starke sexuelle Symbolik hatte die Walnuss. Sie ist ein altes Symbol für die Frau und die Vulva. Im Mittelalter sahen manche Mönche und Pfarrer in Walnüssen Zeichen der Wollust und der Sünde. So warnten sie davor, dass auf jedem Blättchen des Walnussbaums ein Teufel wohne, der mit Hexen unter den Bäumen Liebesorgien feiere. Schon der Schatten der Bäume sollte gesundheitsschädlich sein.

Zauberhafte Weihnachts(ge)nüsse

Walnüsse.

© Studio Gi / fotolia.com

Walnussbäume (Juglans regia) sind stattliche 20 bis 25 Meter hoch. Ihre ursprüngliche Heimat ist China, Zentralasien und Südeuropa. Nach Deutschland kam die Walnuss durch die Römer. Sie führten kultivierte Sorten nach Gallien ein und nannten sie "nux gallica" (gallische Nuss). Von dort wurden sie nach Deutschland gebracht. Und aus der gallischen Nuss wurde dann die Walch- oder Welschnuss, was sich zur Walnuss abschliff. Der Walnussbaum wird noch heute medizinisch für Bäder und Umschläge verwendet, vor allem die getrockneten Blätter, die reich an Gerbstoffen sind.

Auch den Mandelbaum (Prunus dulcis) brachten die Römer nach Deutschland. Vermutlich zusammen mit dem Wein. Mandeln sind allerdings keine Nüsse, sondern Steinobst. Sie sind die Kerne einer Frucht. Doch genau wie die Nüsse sind auch die Mandeln stark symbolträchtig. Mandelbäume blühen ungewöhnlich früh. Im Süden können sich die rosa Blüten sogar schon im Dezember zeigen. Deshalb galt der Mandelbaum in vielen Kulturen und sogar in der Bibel als Zeichen der Hoffnung.

Und auch Mandeln haben ihre erotische und sexuelle Symbolik. Für die Phrygier, die im 8. Jahrhundert vor Christus in Anatolien lebten, war der Mandelbaum das Abbild des Penis. Die Fruchtkerne selbst galten ihnen als Symbol für Hoden. Diese Symbolik wurde von anderen Völkern, etwa den Griechen, übernommen. Bis ins 19. Jahrhundert galten Mandeln als Aphrodisiaka. Und noch heute gibt es eine Mandelsorte namens "Hahnenhoden".

Noch 'ne Nuss?

Sie klingt zwar nach Nuss, in der Schweiz heißt sie auch "Spanische Nuss", aber sie ist keine: Die Erdnuss ist eine Hülsenfrucht, verwandt mit Erbsen und Bohnen.

Der englische Name "peanut" (Erbsennuss) trifft es also am besten. Wie echte Nüsse enthalten Erdnüsse viel Fett und Vitamine. Eine echte Erd-Nuss ist dafür die Erdbeere. Aus botanischer Sicht sind Erdbeeren Sammelnussfrüchte: Die rote "Beere" ist eine Scheinfrucht, auf der viele kleine Nüsschen sitzen.

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