Medica Aktuell, 21.11.2009

Mit Licht und Laser gegen den Krebs

Mit Licht und Laser gegen den Krebs

Das Messer ist längst nicht mehr die einzige Waffe, die Hautärzten gegen den Hautkrebs zur Verfügung steht. Immer häufiger werden vor allem frühe Hautkrebsformen und Krebsvorstufen mit Licht beseitigt.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Die Zahl der Hautkrebs-Patienten nimmt vor allem durch den weißen Hautkrebs rasant zu. Stachelzellkarzinome und Basaliome sind die beiden wichtigsten Vertreter dieser Krebsvariante, die im Gegensatz zum schwarzen Hautkrebs nicht von den Pigmentzellen ausgeht, sondern von den normalen Hautzellen.

Bevölkerung ist heute länger den UV-Strahlen ausgesetzt

Mit Licht und Laser gegen den Krebs

Hautkrebs-Screening: Die Zahl der Hautkrebs-Patienten nimmt rasant zu.

Foto: Klaro

Ein Grund für die Ausbreitung des weißen Hautkrebses sei, dass die Bevölkerung heute stärker und länger der UV-Strahlung ausgesetzt ist als früher, sagt Dr. Nikolaus Seeber, Dermatologe mit Schwerpunkt Lasertherapie und Ästhetische Dermatologie in Hamburg-Wandsbek. Bei der Medica, der weltgrößten Medizinmesse mit angeschlossenem Kongress, wird er zusammen mit den Hautärzten Dr. Gerd Kautz aus Konz und Dr. Marco Fuchs aus Kamp-Lintfort ein Symposium zu Hautkrebs gestalten.

Wichtige Faktoren sind nach Seebers Worten Reisen in den Süden, Solarien und die Schäden der Atmosphäre. Hinzu kommt, dass die Menschen immer älter werden - die Häufigkeit des weißen Hautkrebses steigt mit dem Alter.

Derzeit erkranken in Deutschland nach Angaben der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft pro Jahr etwa 133000 Menschen neu an Hautkrebs. Die Mehrzahl hat die weiße Krebsvariante.

Der weiße Hautkrebs ist gut zu behandeln, wenn er früh erkannt wird. Schwerpunkt des Symposiums ist die Therapie mit Licht und Laser. "Bisher war die Operation der Standard. Aber zunehmend haben sich weniger invasive, lichtbasierte Verfahren in den Vordergrund geschoben", so Seeber. Die gesetzlichen Krankenkassen halten sich mit einer Erstattung freilich noch zurück. Zu den lichtbasierten Verfahren gehören die Laser- und die IPL-Therapie (intense pulsed light, hochenergetisches Licht). Seeber und Kautz sind Mitglieder im Vorstand der Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft (DDL), in der sich Laser- und IPL-Therapeuten organisiert haben.

"Die Lichttherapie kommt vor allem bei den Vorstufen des weißen Hautkrebses zum Einsatz", berichtet Seeber. Diese aktinischen Keratosen fallen den Patienten dadurch auf, dass sich die Haut rötet und rau wird. Zuerst werden die Hautpartien mit einer Creme behandelt, die Substanzen wie 5-Phenylalanin enthält. Sie machen die Haut lichtempfindlicher. Der Trick: Weil sich Krebszellen und deren Vorstufen schneller teilen, verbrauchen sie mehr "Rohmaterialien" wie 5-Phenylalanin und reichern so die in den Cremes enthaltenen Substanzen an. Durch die anschließende Belichtung werden sie dann bevorzugt zerstört.

Ein Vorteil der Lichttherapie sei, dass weniger Narben entstehen und die kosmetischen Ergebnisse besser seien als bei der Operation", so Seeber. Zudem wird die umliegende Haut mitbehandelt, so dass auch noch nicht sichtbare Krebsvorstufen beseitigt werden.

Technisch gesehen ist bei den Lichttherapien noch einiges im Fluss. Zahlreiche Hersteller von laserbasierten und IPL-basierten Verfahren sind bei der Medica mit Ständen vertreten. Die Wellenlängen des Lichts liegen meist zwischen 500 und 1600 Nanometern. Die Strahlung muss tief genug in die Haut eindringen, um die Tumorvorstufen zu beseitigen. Bei den Cremes zur Vorbehandlung wurden durch liposomale Formulierungen Fortschritte bei der Eindringtiefe erzielt.

Bei schwarzem Hautkrebs ist weiterhin die Op indiziert

Nicht alle Patienten sind für die Lichttherapien geeignet. "Beim schwarzen Hautkrebs ist nach wie vor die Operation die Methode der Wahl", betont Seeber. Auch bei fortgeschrittenem weißen Hautkrebs wird operiert. So müssen bei einem Stachelzellkarzinom, das die Basalschicht durchbricht, unter Umständen Lymphknoten entfernt werden. Basaliome, die weniger stark zur Metastasierung neigen, lassen sich dagegen eventuell auch in fortgeschrittenen Stadien noch mit Licht angehen. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen diese neuen Verfahren bisher noch nicht. Seeber ist aber vorsichtig optimistisch, dass sich das bald ändern wird.

Veranstaltung 434

"Moderne Hautkrebstherapie mit Licht- und Lasersystemen"

Samstag, 21. November 2009
14.30 bis 17.30 Uhr
CCD-Pavillon, Raum 16

Leitung: Dr. N. Seeber, Hamburg, Dr. G. Kautz, Köln.

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