Ärzte Zeitung, 21.05.2009

Hoppe stößt bei Ärzten und im politischen Umfeld auf Kritik

Weigeldt vermisst eine Strukturdebatte beim Ärztetag / Schmidt: Profilierungsversuche durch Panikmache / "Unpassende Forderungen"

MAINZ (dpa/kin/HL). Thesen und Forderungen des Ärztetages und vor allem des Präsidenten der Bundesärztekammer, Professor Jörg Dietrich Hoppe, stoßen außerhalb der Ärzteschaft auf scharfe Ablehnung, unter den Ärzten sind sie hoch umstritten.

Die von Hoppe angestoßene Debatte um Priorisierung wertet der Chef des Hausärzteverbandes Ulrich Weigeldt als Vernebelung, um nicht über fehlerhafte Strukturen in der medizinischen Versorgung reden zu müssen. Weigeldt: Man kann nicht sagen: Wir kippen mehr Geld rein und gucken, wo es rauskommt.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt bezeichnete die Forderung nach Priorisierung als "menschenverachtend". Ärztefunktionäre versuchten, sich über die Ankündigung zu profilieren, dass in Zukunft alles schlechter werde. Das sei Panikmache.

Die Klage über unzureichende Mittel im Gesundheitswesen, die in diesem Jahr um rund elf Milliarden Euro aufgestockt werden, führte Hoppe just an jedem Tag, als der Armutsbericht erschien. Danach lebt jeder vierte Bürger in Mecklenburg-Vorpommern und jeder fünfte in Sachsen-Anhalt unterhalb der Armutsgrenze. In diesem Zusammenhang wertete der ehemalige Präsident der Berliner Ärztekammer, Dr. Ellis Huber, Forderungen nach mehr Honorar als "armselig".

Ähnlich urteilt Dr. Wulf Dietrich von der Vereinigung demokratischer Ärzte: Völlig absurd sei das Ziel des KBV-Vorsitzenden Dr. Andreas Köhler, wieder zu einer Einzelleistungsvergütung zurückzukehren. Nach Dietrichs Angaben werden in Deutschland im Vergleich zum europäischen Ausland weit mehr medizinische Eingriffe gemacht. Er glaubt, dass das Geld sinnvoller verteilt werden kann.

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Elke Ferner, die für ihre Fraktion federführend in der Gesundheits- und Soiztialpolitik ist, lehnt Prioritäten für medizinische Methoden, Krankheiten und Patientengruppen kategorisch ab. Einmütiges Urteil der gesundheitspolitischen Sprecher der sozialdemokratischen Fraktionen des Bundestages, der Landtage und des Europäischen Parlaments bei einer Konferenz in Saarbrücken: Hoppe "will die weitere Erhöhung der Arzthonorare und so seine Wiederwahl als Ärzte-Präsident sichern". Es sei unverantwortlich, mit den Ängsten der Patienten zu spielen.

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