Medica Aktuell, 17.11.2011

"Mit den Anwendungen wird der HBA zum Erfolg"

Über die Gesundheitskarte wird wieder einmal viel diskutiert. Bis Jahresende sollen zehn Prozent der Versicherten sie haben. Aber was macht das Pendant, der Heilberufsausweis? Dr. Franz-Joseph Bartmann, Telematik-Vorstand der Bundesärztekammer, nimmt Stellung.

"Wenn die Anwendungen für Ärzte kommen, wird der HBA zum Erfolg"

Chipkarte Arztausweis: Noch gibt es nur wenige Anwendungen.

© medisign

Ärzte Zeitung: Die Gesundheitskarte kommt. Beim Heilberufsausweis (HBA) hat man dagegen weiterhin den Eindruck, dass sich niemand um ihn reißt. Täuscht das?

Dr. Franz-Joseph Bartmann

"Wenn die Anwendungen für Ärzte kommen, wird der HBA zum Erfolg"

© privat

Aktuelle Position: Der Chirurg (geb. 1950) arbeitet im St. Franziskus-Hospital in Flensburg. Präsident der LÄK Schleswig-Holstein seit 2001. Im BÄK-Vorstand zuständig für Telematik.

Werdegang: Seit 1988 Mitglied der Kammerversammlung. Bis 2001 Leiter der Akad. für med. Fort- und Weiterbildung in SH.

Dr. Franz-Joseph Bartmann: Nein, das täuscht sicher nicht. Das liegt einfach daran, dass es weiterhin keine wirklich zwingenden Anwendungen gibt, die dazu führen würden, dass der Arzt den elektronischen Heilberufsausweis, der ja nicht ganz kostenfrei ist, für sich selbst als notwendig erachten würde.

Man braucht keinen Hammer, wenn man keinen Nagel hat. Diese Nägel fehlen im Moment noch. Und deswegen beobachten wir derzeit eine sehr schleppende und für uns schon auch enttäuschende Nachfrage nach dem Heilberufsausweis.

Ärzte Zeitung: Derzeit ist der Ausbau der eGK in Richtung Online-Anbindung und Versichertenstammdaten-Update eines der heißen Eisen. Dabei sollen zunächst Anwendungen umgesetzt werden, bei denen ein HBA nicht zwingend notwendig ist. Wie stehen Sie dazu?

Bartmann: Bei der elektronischen Gesundheitskarte müssen viele Interessen unter einen Hut gebracht werden, das ist nicht einfach. Aber Sie haben natürlich Recht: Wir könnten uns bei der Bundesärztekammer schon vorstellen, dass die elektronischen Notfalldaten nach vorne geschoben werden. Dem HBA würde das helfen. Aber das entscheiden wir nicht alleine …

Ärzte Zeitung: Braucht ein Arzt denn wirklich noch eine digitale ärztliche Identität? Immerhin kommt jetzt auch der elektronische Personalausweis, der demjenigen, der das benötigt, eine Signaturfunktion bietet.

Bartmann: Ich denke schon, dass das, was den Arztausweis neben der Signaturfunktion ausmacht, nämlich die Bescheinigung der Berufsidentität als Arzt, wichtig und nötig ist, wenn wir in Richtung medizinische Anwendungen der Telematik gehen.

Wenn Sie beispielsweise auf elektronische Notfalldaten zugreifen wollen, müssen Sie Arzt sein. Das können Sie mit dem elektronischen Personalausweis nicht nachweisen. Und ich denke auch, dass wir bei der Signaturfunktion mehr Sicherheit erreichen, wenn wir beispielsweise Rezepte oder auch Arztbriefe mit einem HBA und nicht mit einer normalen elektronischen Signatur unterzeichnen.

Was noch dazu kommt: Der neue Personalausweis benutzt eine Funkschnittstelle, und dies würde für seinen Einsatz im Gesundheitswesen bedeuten, dass alle bisher verwendeten Kartenterminals erneut ausgetauscht werden müssten…

Ärzte Zeitung: In wie vielen Kammerbezirken können Ärzte den HBA denn mittlerweile beantragen?

Bartmann: Außer Hessen und Baden-Württemberg haben alle Landesärztekammern die von der Bundesärztekammer angebotene Schulung für die HBA-Ausgabe durchlaufen. Tatsächlich angeboten wird er in 12 Kammerbezirken. Bundesweit sind bisher rund 3000 HBA beantragt worden, die Mehrzahl davon in Nordrhein.

Ärzte Zeitung: In Schleswig-Holstein haben Sie ein Kooperationsprojekt zwischen Ärztekammer, Kassenärztlicher Vereinigung und dem HBA-Hersteller medisign gestartet, um die Ausgabe zu forcieren. Wie sieht dieses Projekt genau aus?

Bartmann: Die Ärzte, die einen HBA beantragt haben, bekamen bei Anmeldung einmalig 50 Euro. Derzeit erhalten sie 30 Euro pro Quartal, sofern sie die Gesamtaufstellung der KV-Abrechnung mit dem HBA signieren.

Das läuft bis zum ersten Quartal 2012. Weitere 10 Euro gibt es, wenn die Ärzte Vertretermeldungen mit dem HBA vornehmen. Das ist schon ein attraktives Paket, meine ich. Aber auch das hat keinen Massenansturm ausgelöst. Wir haben in Schleswig-Holstein derzeit 168 HBA ausgegeben.

Ärzte Zeitung: Ließe sich das Interesse steigern, wenn die Kammern mehr Online-Anwendungen speziell für HBA-Besitzer anbieten würden?

Bartmann: Wir machen das in Schleswig-Holstein im Moment nicht. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob es etwas bringen würde. So viel kommunizieren Ärzte nun auch wieder nicht mit ihren Ärztekammern. Meines Erachtens sind mittelfristig die medizinischen Telematikanwendungen der Schlüssel zum Erfolg. Wenn die kommen, dann werden die Ärzte den HBA auch annehmen.

Das Gespräch führte Philipp Grätzel von Grätz.

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