Kongress, 14.06.2012

Keime kennen keine Grenzen

Kann die Übertragung von Krankheitserregern auf Patienten in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen reduziert werden? Über die Frage, ob die Novelle des Infektionsschutzgesetzes tatsächlich dazu beigetragen hat, die Hygieneprobleme besser in den Griff zu bekommen, wird weiter kontrovers diskutiert.

Keime kennen keine Grenzen

Da führt kein Weg dran vorbei: Die Desinfektion der Hände gehört zum A und O der Klinikhygiene.

© Klaus Rose

BERLIN. Zwar gibt es in der gesundheitspolitischen Debatte einen Konsens, dass effektivere Wege gefunden werden müssen, um die Übertragung von Krankheitserregern auf Patienten in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen zu vermeiden.

Die Frage aber, welche Strategien tatsächlich erfolgversprechend sind, wird weiter kontrovers diskutiert.

Der Bundestag hat die Novelle des Infektionsschutzgesetzes im vergangenen Jahr ohne Gegenstimme verabschiedet.

Bei den Beratungen im Vorfeld gingen die Politiker von 7500 bis 15.000 Toten im Jahr durch Krankenhauskeime aus.

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) sieht in Übereinstimmung mit dem European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) in den nosokomialen Infektionen die größte infektiologische Herausforderung in Europa.

Ziel müsse es sein, ein fundiertes System der Infektionsprävention zu implementieren, um das Vertrauen der Patienten in die Qualität der deutschen Krankenhausversorgung zu festigen.

Aus Sicht der DGKH ist die Suche nach Lösungen mit vielen Problemen verbunden:

Unzureichende Ausbildung junger Ärzte im Rahmen des Medizinstudiums in Fragen der modernen Krankenhaushygiene

Ständige Leistungssteigerung ohne gleichzeitige Erhöhung des medizinischen Personals, wodurch die notwendige Umsetzung der Hygienevorschriften am Patienten immer schwieriger wird

Die Unterschätzung von Reinigung und Desinfektion des patientennahen Umfeldes, wobei neuere Untersuchungen die Bedeutung von Reinigung und Desinfektion bei zunehmender Antibiotikaresistenz-Entwicklung aufzeigen

Die Unterschätzung von wasserführenden Systemen als Reservoir für bestimmte Erreger

Die bislang unzureichende Überprüfung der Wirksamkeit von Hygienemaßnahmen durch standardisierte hygienisch-mikrobiologische Untersuchungen.

Die Vermittlung von Hygieneaspekten soiwe die Motivation zum richtigen Umgang damit, ist nur durch qualitativ gut ausgebildetes Fachpersonal möglich, argumentiert die DGKH. Hier wurden durch den Gesetzgeber bereits entsprechende Maßnahmen eingeleitet.

Zudem hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) im vergangenen Jahr dem Göttinger AQUA-Institut den Auftrag erteilt, eine sektorenübergreifende Qualitätssicherung zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen in Kliniken und Arztpraxen zu entwickeln.

Bündnis "Aktion saubere Hände" sehen viele positive Veränderungen in Kliniken

Bei aller Kritik an der langsamen Umsetzung der gesetzlichen Regelungen gibt es aber auch positive Stimmen. Das Bündnis "Aktion saubere Hände" etwa wies vor kurzem darauf hin, dass Kliniken inzwischen besser auf Hygiene achten, um Nosokomialinfektionen zu vermeiden.

Seine positive Einschätzung führt das Bündnis auf den steigenden Verbrauch von alkoholischen Desinfektionsmitteln zum Händewaschen zurück. Seit 2008 sei dieser Verbrauch um ein gutes Drittel gestiegen. Das hätten Überprüfungen in 159 Krankenhäusern ergeben.

Darüber hinaus hätten viele Kliniken auch Patientenzimmer mit den Seifenspendern ausgestattet. Inzwischen nehmen mehr als 980 Gesundheitseinrichtungen an der Aktion teil, darunter auch Pflegeheime. Sie müssen ihren Verbrauch von Händeseifen jährlich melden.

Um das verschärfte Infektionsschutzgesetz umsetzen zu können, haben Experten aber vor allem allem im ärztlichen Bereich deutlich mehr qualifiziertes Personal gefordert. Es würden viel zu wenig Fachärzte für Hygiene ausgebildet", so die Kritik.

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