Ärzte Zeitung, 12.10.2005

"Die ganze Region liegt in Trümmern"

Erdbeben in Kaschmir / Die Versorgung der Verletzten ist schwierig, da viele Krankenhäuser zerstört sind

GENF (dpa). Die Opfer der verheerenden Erdbebenkatastrophe in Südasien können auch wegen der Zerstörung von Dutzenden von Krankenhäusern nicht ausreichend versorgt werden. Darauf haben gestern Sprecher von Hilfsorganisationen sowie der Vereinten Nationen in Genf hingewiesen.

Sie haben alles verloren: Die Menschen im Erdbebengebiet in Kaschmir, hier im Dorf Uri, suchen die Habseligkeiten zusammen, die ihnen geblieben sind. Foto: dpa

Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern seien gestorben oder schwer verletzt, berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dies gelte besonders für die pakistanischen Erdbebengebiete. "Es ist augenscheinlich, daß die Infrastruktur des Gesundheitswesens in den betroffenen Gebieten entweder schwer beschädigt oder vollständig zerstört wurde", erklärte der zuständige WHO-Experte Ala Alwan.

Durch das Erdbeben in Pakistan am Samstag sollen mehr als 40 000 Menschen ums Leben gekommen sein. Nach Angaben des UN-Koordinierungsbüros für humanitäre Hilfen (Ocha) wurden etwa vier Millionen Menschen durch die Beben direkt betroffen, etwa eine Million davon schwer.

Die WHO hat begonnen, medizinisches Material in die betroffenen Gebiete zu fliegen. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR bringt Krankenzelte und Plastikdecken in die Region. 100 000 Menschen sollen versorgt werden. Unicef schafft Wasserbehälter und Tabletten zur Wasseraufbereitung an den Unglücksort.

Tonnenweise Lebensmittel sollen vom UN-Welternährungsprogramm kommen. Decken und winterfeste Zelte liefert die Internationale Organisation für Migration. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) will ebenfalls hunderte von Winter- und Küchenzelten sowie Lebensmittel für 15 000 Haushalte in Indien und 30 000 in Pakistan schicken.

Heute endet im Erdbebengebiet die 72-Stunden-Frist, in der lebendig Verschüttete nach allen Erfahrungen von Rettern noch gute Überlebenschancen haben. "Dann beginnen die Wunder", sagt Peter Görgen, Verbindungsoffizier des Technischen Hilfswerks (THW).

Görgen arbeitet mit seinen Kollegen aus aller Welt mitten in dem zu 80 Prozent zerstörten Muzaffarabad, der Hauptstadt des pakistanischen Teils von Kaschmir. "Was ich hier erlebe, steht nicht weit hinter der Tsunami-Katastrophe zurück", sagt der erfahrene THW-Mann. "Die ganze Region liegt in Trümmern."

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