Ärzte Zeitung, 02.12.2005

Frau erhielt Mund und Nase übertragen

PARIS (dpa). Eine Frau in Frankreich hat Mund und Nase einer gestorbenen Spenderin verpflanzt bekommen. Die Frau war zuvor von einem Hund im Gesicht verletzt worden.

Der Transplantationsexperte Professor Jean-Michel Dubernard bestätigte einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Le Point". Er hatte die Frau am Wochenende in Amiens in Frankreich operiert. Die Frau aus Valenciennes in Nordfrankreich war im Mai von einem Hund angefallen worden.

Das Tier biß der 38jährigen den Mund und einen Teil der Nase ab. Am Sonntag wurden dem Bericht zufolge in der Universitätsklinik Lille der untere Teil des Gesichts eines hirntoten Spenders entnommen. Am Montag wurde das Gewebe verpflanzt. "Es ging um Gewebeverbünde - Haut, Unterhautgewebe, kleine Gesichtsmuskeln und Gefäße", berichtet das Magazin.

Ein plastischer Chirurg habe anschließend die entnommenen Teile auf einem Gesichtsmodell getestet, um sicher zu stellen, daß sie der Morphologie des Empfängers entsprechen.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Neu-Isenburg, Professor Günter Kirste, betonte, es gebe einen Unterschied zwischen dem Wiederaufbau zerstörter Gesichtspartien und der Verpflanzung eines ganzen Gesichts, wie sie etwa von US-Ärzten geplant sei.

Zur Rekonstruktion verletzter Gesichtsregionen sei die Verwendung von Spenderhaut nicht ungewöhnlich, dagegen würden bei einer vollständigen Gesichtstransplantation inklusive Muskulatur und möglicherweise Teilen des Schädelknochens auch Persönlichkeitsmerkmale des Spenders übertragen. Das könnte erhebliche Probleme bringen, so Kirste.

Topics
Schlagworte
Chirurgie (3331)
Innere Medizin (34933)
Organisationen
DSO (336)
Krankheiten
Transplantation (2175)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »