Ärzte Zeitung, 30.05.2006

Zelte reichen nicht, Betroffene übernachten unter freiem Himmel

Hilfe für Opfer des Erdbebens auf Java rollt langsam an

YOGYAKARTA (dpa). Zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben auf der indonesischen Insel Java mit mehr als 5000 Toten sind die Hilfsmaßnahmen für die Überlebenden angelaufen. Auf dem wieder-eröffneten Flughafen von Yogyakarta landeten die ersten Maschinen mit dringend benötigten Gütern wie Zelten und Nahrung.

Ein Einwohner der indonesischen Stadt Yogyakarta hat einige Hemden aus seinem völlig zerstörten Haus gerettet. Bei dem Erdbeben sind nach neuen Angaben über 5000 Menschen gestorben, etwa 100 000 wurden obdachlos. Foto: dpa

Dutzende Lastwagen mit Hilfslieferungen waren gestern auf dem Weg zu den Überlebenden. Die Zahl der Toten stieg nach Angaben der Provinzregierung von gestern auf mindestens 5135. Etwa 15 000 Menschen wurden verletzt, schätzungsweise 100 000 obdachlos.

Zehntausende Überlebende hatten bei heftigem Regen die zweite Nacht nach dem Beben im Freien verbracht. Trotz schwindender Chancen, unter den Trümmern noch Überlebende zu finden, setzten Einsatzkräfte und Freiwillige gestern die Suche nach Verschütteten fort.

Der indonesische Vizepräsident Jusuf Kalla erklärte die Katastrophenregion für mindestens drei Monate zum Notstandsgebiet. Die Regierung werde voraussichtlich umgerechnet 100 Millionen Euro für die Nothilfe und den Wiederaufbau zur Verfügung stellen.

Internationale Helfer zeigten sich bislang zufrieden mit dem Stand der Hilfsmaßnahmen. "Die internationalen Hilfsorganisationen und die der Regierung haben soweit gut reagiert", sagte der Sprecher des UN- Kinderhilfswerks Unicef, John Budd. "Jeder hätte natürlich gerne, daß alles schneller geht. Aber wir müssen angesichts einer Katastrophe dieser Größenordnung realistisch sein."

Darüber hinaus zahlten sich die Erfahrungen der Tsunami-Katastrophe aus, sagte Ronnie Bala, Logistiker der Internationalen Organisation für Migration IOM. "Es ist deutlich, daß die Regierung viele Lehren aus dem Tsunami gezogen hat, daß sie die Wichtigkeit von Koordination versteht und wie Dinge schnell geliefert werden."

Die Behörden hatten angesichts des Ausmaßes der Schäden und der Zahl der Betroffenen zunächst Mühe mit der Verteilung von Hilfsgütern, da es an Lastwagen und Personal fehlte. Einige Dörfer seien zudem nur zu Fuß zu erreichen, sagte ein Sprecher. Nach wie vor sind die Kliniken wegen der großen Zahl Verletzter hoffnungslos überfordert. Dort wird ebenfalls zusätzliches Personal benötigt.

"Wir konzentrieren uns heute darauf, Hilfsgüter zu verteilen, dabei vor allem Zelte, Decken, Schlafmatten und Essen", sagte ein Mitarbeiter der indonesischen Katastrophenhilfe in Yogyakarta. "Das Problem ist, daß die Zelte nicht reichen und viele Leute noch auf der Straße oder unter freiem Himmel leben müssen."

Das Erdbeben der Stärke 6,2 hatte am Samstag in der Region um die Großstadt Yogyakarta zehntausende Häuser zerstört. Besonders schwer getroffen wurde der Bezirk Bantul südlich der Stadt. Alleine dort starben mehr als 3000 Menschen. Das riesige Inselreich Indonesien wird wegen seiner Lage in einer seismisch äußerst aktiven Zone, dem sogenannten Ring aus Feuer, jedes Jahr von hunderten von Erdbeben heimgesucht. Die meisten von ihnen richten jedoch keine größeren Schäden an.

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