Ärzte Zeitung, 08.05.2007

26 Niedergelassene machen mit bei Task Force Katastrophenhilfe

Wolfsburger Ärzte werden im Ernstfall per SMS informiert - Arbeit ohne Vergütung

WOLFSBURG (cben). 62 niedergelassene Ärzte aus Wolfsburg haben sich für eine Art "Task Force Katastropheneinsatz" zur Verfügung gestellt - eine nach eigenen Angaben deutschlandweit bisher einmalige Inititiative.

Schneller Einsatz, wenn jede Sekunde zählt - in Wolfsburg wird ein neues Konzept erprobt. Foto: AOK Mediendiens

Im Fall einer Katastrophe mit vielen Verletzten werden die Niedergelassenen automatisch per standardisierter SMS alarmiert. Sie antworten, ob sie zum Katastrophenort kommen können und machen sich gegebenenfalls auf den Weg. Die Ärzte sind in sieben Gruppen von je sechs bis sieben Kollegen aufgeteilt.

In jeder Gruppe sind möglichst zwei ausgebildete Rettungsmediziner dabei. Vor Ort werden die Ärzte vom leitenden Notarzt zur Versorgung der Verletzen eingeteilt. Die Kollegen sind so zusammen mit der Feuerwehr, den Notärzten, Rettungsdiensten, dem Technischen Hilfswerk (THW) und dem Klinikum Wolfsburg in ein Katastrophenschutzprogramm eingebunden.

Das Konzept sieht vor, Verletzte nach einer Explosion oder etwa nach einem Flugzeugabsturz in der Nähe des Katastrophenortes so weit zu behandeln, dass sie transportfähig sind. Danach werden sie mit Rettungswagen in die umliegenden Krankenhäuser gefahren.

"Für mich ist das ein beruhigendes Gefühl, dass für die Behandlung am Unglücksort ausreichend Ärzte zur Verfügung stehen," sagte Joachim Nicolai, leitender Notarzt und Anästhesist am Klinikum Wolfsburg. "Bei einem Großbrand im vergangenen Jahr haben wir den Alarm probeweise ausgelöst. Prompt wären 30 Ärzte zur Stelle gewesen."

Honorare gibt es keine. "Wir Niedergelassenen machen das aus Goodwill", sagte Norbert Scherer, der Vorsitzende des Ärztevereins Wolfsburg.

Eine geschlossene Bereitschaft im Katastrophenfall besteht in Wolfsburg gleichwohl nicht, so Nicolai. "Die Kostenträger sträuben sich bisher, eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft von leitenden Notärzten zu finanzieren, obwohl das Rettungsdienstgesetz eine ständige Bereitschaft vorschreibt", sagte Nicolai.

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