Ärzte Zeitung, 04.06.2007

EU will Kräfte bündeln, damit es mehr Spenderorgane gibt

Gesundheitsministerin Schmidt: Elektronische Gesundheitskarte soll Feld für Organspende-Erklärung erhalten / Jahreskongress der DSO

BERLIN (nsi). Die Europäische Union möchte das Problem des Organmangels künftig gemeinsam angehen. Mit dieser Botschaft kam Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zum 3. Jahreskongress der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) am Wochenende in Berlin.

Kurz zuvor hatte sich die Europäische Kommission darauf geeinigt, gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, um "die Strukturen in den Transplantationssystemen der Mitgliedsstaaten zu verbessern und mehr Menschen Zugang zu menschlichen Organen zu verschaffen". Erst einige Wochen zuvor hatte die Kommission angekündigt, dass EU-weite Standards für die Sicherheit und Qualität von menschlichen Organen entwickelt werden müssten.

Die Ministerin griff das Motto der DSO für die Förderung der Organspende auf: "Von den Besten lernen". Zuvor hatte DSO-Vorstand Professor Günter Kirste darauf hingewiesen, dass es auch in Deutschland Flächenstaaten gebe wie Mecklenburg-Vorpommern, in denen die Organspende-Raten fast so hoch seien wie im "Vorzeigeland" Spanien, nämlich bei 30 Organspenden pro Million Einwohner. Auch die rechtlichen Regelungen in Deutschland ermöglichten gute Ergebnisse.

"Erst wenn wir gelernt haben von Regionen in Deutschland, die es gut machen, können wir über eine Veränderung von Gesetzen reden", sagte Schmidt. Dort sei einer der Schlüssel zum Erfolg, dass die von der DSO angebotene Unterstützung auch aktiv nachgefragt werde, etwa in der Angehörigenbetreuung. Sie plädiere dafür, auf der elektronischen Gesundheitskarte ein Feld für eine Erklärung zur Organspende frei zu halten. Zu den Ideen der EU-Kommission gehört, wie berichtet, ein europäischer Organspendeausweis und die Ausweitung der Lebendorganspende, die in einigen Nachbarländern wie den Niederlanden schon deutlich liberaler gehandhabt wird bei uns.

In Deutschland dürfe es künftig keine Interessenkonflikte geben zwischen der Organ- und der Gewebespende, so die Ministerin. Die Organspende müsse Vorrang behalten. Deshalb verfolge das Ministerium "mit großem Interesse die Bemühungen der DSO, sich von der DSO-G abzugrenzen", einer 100prozentigen Tochtergesellschaft, die Gewebespenden organisiert. "Wir werden uns auf die Organspende konzentrieren", antwortete Kirste. Eine Entscheidung, wie die Abgrenzung zur Gewebespende aussehen solle, werde noch in diesem Monat fallen.

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