Ärzte Zeitung, 18.01.2012

Laparoskopische sticht offene Appendektomie aus

Welche Art der Appendektomie liefert die besseren Ergebnisse bei Kindern: die offene oder die laparoskopische? Amerikanische Chirurgen verglichen die beiden Methoden in einer Studie hinsichtlich der Komplikationen und der Länge des Krankenhausaufenthalts.

Laparoskopische sticht offene Appendektomie aus

Die Zeichen stehen auf Blinddarmentzündung.

© dalaprod/fotolia.com

MÜNCHEN (St). Die Autoren der Studie sichteten die Daten von 7650 Kindern, die wegen einer akuten Appendizitis an zwölf verschiedenen Kliniken operiert worden waren (Arch Surg 2011; 146(10): 1118-1121). In der 30-Tages-Morbidität zeigten sich klare Vorteile für die laparoskopische Appendektomie (LA).

Obwohl die LA schon lange Alltag in den OPs ist, gibt es noch immer Streit über ihren Nutzen im Vergleich zur offenen Operation (OA). Gerade im Hinblick auf die operative Versorgung von Kindern und vor allem bei perforierter Appendix ist die Studienlage widersprüchlich.

Deshalb wurden in der US-amerikanischen Studie Kinder mit perforierter und nicht perforierter Appendix berücksichtigt. Während der Studienzeit zwischen 1998 und 2007 war die Zahl der laparoskopischen Appendektomien von 22 auf 70 Prozent gestiegen.

Insgesamt 3551 kleine Pa tienten wurden laparoskopisch und 4099 offen versorgt, wobei Kinder mit perforierter Appendix häufiger offen operiert wurden (24 Prozent LA versus 34 Prozent OA).

Offene Operation: Höhere Rate an Wundinfektionen

Der direkte Vergleich ergab für die Patienten der OA-Gruppe insgesamt eine erhöhte Rate an Wundinfektionen (2,4 Prozent LA versus 5,2 Prozent OA), eine höhere Wiederaufnahmerate (3,2 Prozent LA versus 4,5 Prozent OA) und einen längeren Klinikaufenthalt.

Signifikante Unterschiede zeigten sich auch zwischen den Kindern mit perforierter und nicht perforierter Appendix: Patienten ohne Perforation, die laparo skopisch behandelt worden waren, waren im Durchschnitt etwas älter, hatten etwas kürzere Liegezeiten (1,7 versus 2,1 Tage) und eine geringere Wundinfektionsrate (1,3 versus 2,7 Prozent) als solche mit offener Operation.

Auch wenn die Appendix perforiert war, brachte die laparoskopische Methode Vorteile: Die auch hier im Schnitt etwas älteren Patienten wurden früher aus der Klinik entlassen (5,0 versus 5,7 Tage Liegezeit) und erlitten weniger Wundinfektionen als die nach offener Op (5,7 versus 9,2 Prozent).

Bei einer gesonderten Betrachtung einzelner Altersgruppen zeigte sich allerdings, dass diese Vorteile nicht für alle in gleichem Maß zutrafen. Denn die Vorteile der LA hinsichtlich der Wundinfektionen erreichten nur bei Kindern über zwölf Jahren mit nicht perforiertem Blinddarm Signifikanz.

In der Gruppe der unter Fünfjährigen und der Fünf- bis Zwölfjährigen dagegen zeigten sich zwischen den beiden Methoden hinsichtlich Morbidität und Klinikliegezeit kaum Unterschiede, ob mit oder ohne Perforation.

In der multivariablen Regressionsanalyse bestätigten sich insgesamt die Vorteile der LA gegenüber der offenen Operation. Für die Wund infektionen ergab sich eine Odds Ratio (OR) von 0,6 (95 Prozent KI 0,5-0,8), und es zeigte sich nun auch eine Signifikanz bei den postoperativen Ab szessdrainagen, sie waren in der LA-Gruppe seltener nötig (OR 0,6; 96 Prozent KI 0,4-0,7). Zudem errechneten sich in dieser Auswertung signifikant längere Liegezeiten für die offen operierten Kinder.

Ältere Kinder profitieren von Laparoskopie

Das Fazit der Ärzte: Die Studie zeigt, dass Kinder über zwölf Jahre mit nicht perforiertem Blinddarm den größten Nutzen aus einer laparoskopischen Appendektomie zogen. Bei ihnen wurden deutlich weniger Wundinfektionen dokumentiert als bei den offen Operierten dieser Altersklasse.

Zudem war bei über Zwölfjährigen mit perforierter Appendix nach laparoskopischer Appendektomie seltener eine Abszessdrainage erforderlich.

So zeigte die laparoskopische Appendektomie insgesamt zwar Vorteile bei Morbidität und Klinikliegezeit, was letztlich wohl auch der Kosten ersparnis zugute kam, doch wurden diese vorwiegend bei Kindern über zwölf Jahren deutlich, wie die Wissenschaftler berichten.

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