Ärzte Zeitung, 04.02.2004

Test auf Papillomviren macht Ca-Vorsorge präziser

Bei Zervix-Ca spezifischer als Standard-Abstrich / Ca-Risiko bei Fehlen von HPV auch bei abnormem Abstrich niedrig

BERLIN (gün). Ein Test, der karzinogene Varianten des humanen Papillomavirus (HPV) nachweist, kann die Diagnostik und Prävention des Zervixkarzinoms verbessern. Das hat Dr. Karl-Ulrich Petry vom Klinikum Wolfsburg in einem Symposium beim europäischen HPV-Tag in Berlin gesagt.

Humane Papillomviren, dargestellt mit dem Elektronenmikroskop. Foto: Iftner

Eine persistierende Infektion mit Hochrisikovarianten des HPV ist notwendige Voraussetzung für die Entstehung des Zervixkarzinoms und seiner Vorstufen, wie Dr. Ralph Richart aus New York sagte.

HPV ist sehr weit verbreitet und wird sexuell übertragen. In den USA kämen etwa 70 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens in Kontakt mit HPV, sagte Richart. In Deutschland, so Petry, scheine die Kontakt-Rate aber deutlich niedriger zu liegen. Bei den meisten Betroffenen, nämlich 90 bis 95 Prozent, verschwindet HPV wieder folgenlos.

Daher wäre es nicht sinnvoll, Frauen unter 30 Jahren auf HPV zu testen. Man würde sehr viele transiente Infektionen finden, die für das spätere Krebsrisiko keine Bedeutung haben. Persistiert die Infektion mit Hochrisikoviren 18 Monate nach dem ersten Nachweis immer noch, so trägt die infizierte Frau ein Risiko von bis zu zehn Prozent, im Laufe der nächsten sieben bis 30 Jahre ein Zervixkarzinom zu entwickeln.

Der Test auf HPV ist bei der Diagnose des Zervixkarzinoms und seiner Vorstufen viel spezifischer als der PAP-Abstrich, betonte Petry. Tatsächlich ergab die Hannover-Tübingen-Studie (HAT), daß Frauen mit negativem HPV-Nachweis auch bei abnormem PAP-Abstrich ein niedriges Zervixkarzinom-Risiko hatten.

Beim HPV-Test gelte also wirklich "negativ ist negativ", betonte Petry bei einem Symposium, das von der "Initiative HPV-Test" veranstaltet wurde, die vom Unternehmen Digene finanziert wird. Das Unternehmen bietet einen HPV-DNA-Test unter dem Namen Hybrid Capture®II- DNA-Test an.

Bevor man den Test allerdings für das allgemeine Screening aller Frauen empfehle, so Petry, müsse festgelegt werden, wie mit den Ergebnissen umzugehen ist. Nur drei bis sieben Prozent aller Frauen über 30 Jahre haben eine nachweisbare HPV-Infektion. Die übrigen 93 bis 97 Prozent könnten nach negativem Test beruhigt für die nächsten fünf Jahre auf Zervix-Ca-Vorsorgeuntersuchungen verzichten.

Von den HPV-positiv getesteten Frauen werden maximal zehn Prozent ein Zervix-Ca entwickeln, mindestens 90 Prozent dagegen nicht. Wen es trifft, läßt sich nicht voraussagen. Daher müsse eine adäquate Betreuung der positiv getesteten Frauen sichergestellt sein, sagte Petry.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »