Ärzte Zeitung, 15.07.2004

Jährlich sterben weltweit 530 000 werdende Mütter

Stiftung Weltbevölkerung klagt Recht auf Verhütung ein

NEU-ISENBURG (Smi). Durchschnittlich jede Minute stirbt eine Frau aufgrund von Komplikationen während ihrer Schwangerschaft und bei der Geburt. Darauf weist die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung aus Anlaß ihrer Kampagne "Verhütung ist ein Menschenrecht" hin.

Junge Mütter, wie diese Frau aus Uganda, werden nur selten medizinisch betreut. Foto: dpa

Jedes Jahr sterben weltweit 530 000 werdende Mütter, teilt die Organisation mit Sitz in Hannover mit. Millionen weiterer Frauen erlitten bleibende Gesundheitsschäden, Behinderungen oder Infektionen. Vor allem Frauen in Entwicklungsländern seien betroffen - von den registrierten Todesfällen fielen 99 Prozent auf sie. Allein in Afrika südlich der Sahara stirbt eine von 16 Frauen an den Folgen von Schwangerschaft oder Geburt, in Westeuropa ist es eine von 4000. Die meisten dieser Todesfälle könnten verhindert werden, wenn die betroffenen Frauen vor und nach der Geburt Zugang zur Gesundheitsversorgung hätten, so die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW).

Die Wirklichkeit jedoch sieht anders aus: Laut DSW-Angaben werden mindestens 35 Prozent aller Frauen in Entwicklungsländern während ihrer Schwangerschaft fachlich nicht betreut. Nahezu die Hälfte von ihnen entbinde ohne Begleitung durch einen Arzt, eine Hebamme oder Krankenschwester. 70 Prozent erhielten keine Nachsorge in den ersten sechs Wochen nach der Geburt.

Angesichts der Tatsache, daß weltweit mehr als ein Drittel aller Schwangerschaften ungewollt sind (99 Prozent davon in Entwicklungsländern), fordert die DSW die Industrienationen auf, die Entwicklungsländer bei der Bereitstellung von Kontrazeptiva stärker als bisher zu unterstützen.

Auf der Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo war ein Aktionsprogramm verabschiedet worden, welches das Recht auf Verhütung, Aufklärung sowie den Schutz vor ungewollten Schwangerschaften und Aids garantieren sollte. Viele Industrienationen, unter ihnen auch Deutschland, hätten ihre finanziellen Zusagen von damals jedoch nicht eingehalten. Laut DSW hätten bei einer besseren Zahlungsmoral der reichen Länder in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 268 Millionen ungewollte Schwangerschaften und 113 Millionen Abtreibungen verhindert werden können.

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