Ärzte Zeitung, 16.11.2004

Ein Streichel-Service für Frauen - entspannend und garantiert sexfrei

Der Wuppertaler Jungunternehmer Werner Knevels hat eine Marktlücke entdeckt / Mit Federn und Robbenfell gegen Spannungsschmerzen

Von Anke Spiess und Frank Christiansen

Daniela läßt sich zum ersten Mal von einem Profi streicheln. Ihre Mutter hat ihr dafür einen Gutschein geschenkt. "Das ist total entspannend, und der Kopf wird frei", berichtet die 19jährige sichtlich angetan. Werner Knevels hat in Wuppertal einen Streichel-Service für Frauen eröffnet - garantiert sexfrei und nach seinen Angaben der erste dieser Art in Deutschland.

Werner Knevels streichelt in seiner Praxis in Wuppertal eine junge Frau mit Nerzhandschuhen.
Knevels bundesweit erster Streichel-Service soll auch bei Kopfschmerzen und Verspannungen helfen. Fotos: dpa

Knevels streichelt - nach Wahl der Kundin - mit Federn, Fellen oder Stoffen. Nur die Intimzone bleibt tabu - Knevels setzt auf Wellness, nicht auf Erotik.

Das Streichelzimmer ist kuschelig warm und sieht aus, wie aus "1000 und einer Nacht". Ein Traum in Orange. Auf einem Podest in der Mitte steht ein Bett. Daniela hat ihre Unterwäsche anbehalten und sich zunächst für die Straußenfedern entschieden.

Frauen, die sich nach Zärtlichkeit sehnen, sind bei Streichel-Profi Knevels an der richtigen Adresse. Die Kundinnen kommen aus allen Schichten, erzählt der Berufs-Streichler. Sie sind verheiratet, verlobt oder alleinstehend. Eine Streicheleinheit ist dreißig Minuten lang und kostet 25 Euro.

"Frauen wollen ohne Ziel und Hintergedanken einfach nur sanft gestreichelt werden", weiß Knevels. Für sein neues Handwerk hat er in die geeigneten Streichel-Instrumente investiert. Das Zubehör für den Profi-streichler besteht aus 15 verschiedenen Straußenfedern, Handschuhen aus Nerz- und Robbenfell, Samt und Seide, aber auch raues Sisal.

"Ob ich mit Nerz streichele oder mit Robbenfell - das ist ein himmelweiter Unterschied", berichtet der Jungunternehmer. Die Hauptsache dabei: "Die Frau wird wirklich richtig verwöhnt." Bei seiner Arbeit kommt Knevels schnell ins Schwitzen - was mehr an den 26 Grad Raumtemperatur und den Fell-Handschuhen liege als an den leicht bekleideten Damen. Knevels: "Da muß man Abschalten können, sonst kann man den Job nicht machen. Wenn es ganz hart kommt, denke ich an kleine grüne Frösche."

Wie viel Kleidung die Kundin ablegt, bleibt ihr überlassen. "Ich sage immer, je mehr desto besser." Die Kundinnen wollen gestreichelt werden, ohne daß mehr daraus wird, weiß der Streichel-Experte. Bei anderen Männern seien solche Liebkosungen dagegen meist Mittel zum Zweck. Er schaffe es auch, durch Berührungen Kopfschmerzen und Verspannungen verschwinden zu lassen, behaupten Frauen, die seine Dienste schon in Anspruch genommen haben.

Nun hofft Werner Knevels, auf eine Marktlücke im Wellness-Bereich gestoßen zu sein und von seinem neuen Nebenberuf bald leben zu können. Danielas Freund hat jedenfalls nichts gegen die neue Dienstleistung: "Ich nehme das nicht persönlich", sagt der 23jährige. "Ein bißchen Abwechslung tut ihr gut."

Weitere Informationen im Internet: www.streichelservice.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »