Ärzte Zeitung, 22.11.2005

Anti-Aging mit Hormonen ist häufig nicht gesichert

Melatonin-Substitution umstritten / DHEA befürwortet

DÜSSELDORF (sko). Hormone und Altern sind zwei Dinge, die direkt mit einander verknüpft sind - und zwar wie folgt: "Wir produzieren nicht weniger Hormone, weil wir altern, sondern wir altern, weil wir weniger Hormone produzieren", so Dr. Wolfgang Grebe, Internist aus Frankenberg. Auf der Medica in Düsseldorf berichtete er, was der neueste Stand der Dinge beim Anti-Aging mit Hormonsubstitution ist.

Beispiel Melatonin: Der Spiegel des Hormons, das vor allem nachts ausgeschüttet wird, sinkt mit dem Alter kontinuierlich ab. Was eine Substitution bringt, wurde verstärkt an Tieren untersucht. "Melatonin steigert im Tierversuch die Immunabwehr, hemmt die Krebsentstehung und hat eine zelluläre Schutzfunktion", so Grebe. Doch ob dies auch auf Menschen übertragbar sei, sei nicht klar.

Zudem gebe es einige Probleme mit dem Hormon, wie Grebe berichtete. Es zerfalle sehr schnell, die Dosierung sei nicht gesichert und schwanke in der praktischen Anwendung zwischen 0,1 und 300 Milligramm pro Tag. Es kämen auch Verunreinigungen vor, und eine Toxizität sei nicht ausgeschlossen.

Grebes Urteil: "Es gibt zu wenige Studien, um den Einsatz von Melatonin als Anti-Aging-Hormon zu gerechtfertigen." Eine Option sei die Substitution aber zur Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus, zum Beispiel bei Menschen, die durch eine Reise über die Zeitzonen aus dem Takt geraten.

Grebes Einstellung zum DHEA (Dehydroepiandrosteron), einem weiteren Anti-Aging-Hormon, hat sich in den letzten Jahren geändert. Hier belegten Studiendaten, daß die Einnahme von 50 Milligramm DHEA vor dem Schlafengehen die Lebensqualität verbessert - allerdings nur bei Frauen.

Deshalb befürwortet Grebe den Einsatz von DHEA bei Frauen mit entsprechenden Problemen, etwa bei Libidoverlust, Müdigkeit, Zunahme des Körperfettanteils. Aber auch hier gebe es Fakten, die gegen die Substitution sprechen könnten, nämlich die mögliche Stimulierung hormonabhängiger Tumoren. Deshalb, so Grebes Empfehlung: "Vor der Behandlung muß man sich schriftlich absichern, daß man auf dieses Risiko hingewiesen hat."

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